Spiegel erschüttert Christentum

Erfahrene Spiegelleser werden jetzt vielleicht fragen: was schon wieder? Oder sie fragen sich: Wie oft muss man eigentlich etwas erschüttern, bis es endlich stürzt?
Zunächst also die gute Nachricht: solange der Spiegel noch daran arbeitet, das Christentum zu erschüttern, scheint es nicht gänzlich gestürzt zu sein.

Nun aber zu der Erschütterung (jesmainernst:).
Forscher Knohl hat die Schrift auf einem Kalkstein, der ins erste Jahrhundert vor Christus datiert wird, neu interpretiert. Nach seiner Interpretation, die sich leider an der entscheidenden Stelle auf ein unleserliches Wort stützt, wäre dieser Stein ein Beleg dafür, dass schon vor Jesu Geburt eine Auferstehung nach drei Tagen beschrieben wurde.
Nehmen wir einmal für einen Moment an, das entscheidende Wort hieße wirklich „lebe“, wie es die Interpretation Knohls voraussetzt, was würde das bedeuten? Offenbar verfolgt zumindest der Spiegel jetzt folgende Logik: ein autentischer Bericht hat keine gedanklichen Vorlagen. Wenn es gedankliche Vorlagen gibt, ist der Text daher nicht autentisch.
Dieses Muster der Christentumskritik ist verbreitet und ich bin an anderer Stelle schon darauf eingegangen. Die Kritik funktioniert nur bis zu einem gewissen Grad von Oberflächlichkeit, danach werden die Häufungen der Vorlagen in den unterschiedlichsten Kulturen so erdrückend, dass sich das Argument umkehrt und man sich fragen muss: wie kann eine Idee ohne Gottes Wirken zu so einer Verbreitung kommen?
In der Religionswissenschaft allgemein und in der Prophetie im Besonderen zeigt sich nämlich, dass Gott die Menschen mit bruchstückhaftem Wissen über sein Friedensreich ausgestattet hat, dass sich aber erst in Jesus erfüllt hat.
Ich möchte das in dem Zusammenhang mit der alten Steinplatte veranschaulichen:
Der Gedanke einer Auferstehung nach drei Tagen kam nicht nach Jesu Tod auf, sondern auf jeden Fall schon davor. Gerade Christen wissen doch, dass Jesus seine Auferstehung nach drei Tagen schon vorher angekündigt hat – und nicht nur das: er hat sie sogar mit einem alttestamentlichen Vorbild begründet (Mt 12,40)! Dieses Beispiel ist aber nur das augenfälligste von vielen, in denen nach drei Tagen eine Erlösung erwartet wurde:
– in Genesis 40 prophezeit Josef seinen beiden Mitgefangenen, dass der eine nach drei Tagen gehängt, der ander aber wieder in Ehren in seinen alten Beruf eingesetzt wird.
– Mose bat den Pharao, mit dem Volk „drei Tagereisen“ weit in die Wüste zu ziehen, um Gott dort Opfer zu bringen.
– und da der Pharao von Gott verstockt wurde, schickte Gott die 10 Plagen, von denen die Neunte in einer dreitägigen Finsternis bestand.
– (Exodus 15,22) Nach dem Durchzug durchs Schilfmeer reisten die Israeliten drei Tage lang ohne Wasser und wurden erst nach den drei Tagen fündig in Mara.
– Sehr schön ist auch Josua 1,11: „Da befahl Josua den Aufsehern des Volkes: Geht mitten durch das Lager und befehlt dem Volk und sprecht: Versorgt euch mit Wegzehrung, denn in noch drei Tagen werdet ihr über diesen Jordan ziehen, um hineinzugehen, das Land einzunehmen, das der HERR, euer Gott, euch gibt, es zu besitzen!“
– oder Jos 2,22: „Und sie gingen weg und kamen ins Gebirge und blieben drei Tage dort, bis die Verfolger zurückgekehrt waren. Die Verfolger aber hatten den ganzen Weg abgesucht und sie nicht gefunden.“
– Saul sucht drei Tage vergeblich nach den verlorenen Eselinnen seines Vaters bevor sie gefunden werden (1.Sam 9)
– in 1.Sam 30 findet Davids Heer einen völlig entkräfteten Ägypter, der drei Tage und drei Nächte nichts gegessen und getrunken hat und von ihnen nun gerettet wurde.
– als Elia den Sohn der Witwe vom Tod auferweckte, streckte er sich dreimal über dem Jungen aus.
– mit einer Konkordanz kann man diese Beispiele noch leicht vermehren…

Die „Idee“ einer Totenauferstehung nach drei Tagen ist wäre also nicht nur naheliegend, sondern nur schwer anders vorstellbar, denn gerade die Zahl 3 scheint im AT die Zahl einer Trauerzeit, einer Dunkelheit oder des Durstes vor der Zeit des Lebens und des Lichtes zu sein. Dass es für die Auferstehung Jesu nach drei Tagen gedankliche Vorlagen gab, muss man also nicht erst mit unleserlichen Wörtern beweisen. Man kann ganz im Gegenteil an der Verwendung dieser Zahl erkennen, dass die Auferstehung Jesu schon in einer bestimmten Form erwartet wurde, d.h, wenn jemand die Auferstehung des Messias erhoffte, dann musste er eigentlich von einer Dauer von drei Tagen ausgehen! Dass die Auferstehung nämlich gerade nach drei Tagen stattfand, kann man nicht als Legende abtun, die dem allgemeinen Wunsch der Menschen nach eine ewigen Leben entspringt. Gerade die Präzision und Verbreitung der Übereinstimmung in der Zahl zeigt, dass Gott sein Volk über seine Pläne nicht völlig im Dunkeln gelassen sondern auf sein Heil vorbereitet hat. Dieser Beweis ist zumindest um einiges klarer als alles, was Herr Knohl bisher über seine Kalkplatte herausgefunden hat.

Man kann aber umgekehrt fragen, woher eigentlich Herr Knohl seine weitergehende Interpretation nimmt, nach Jesus eigentlich nicht für die Vergebung der Sünden sondern die Erlösung Israels gestorben sei. Er stellt diese Auslegung natürlich so dar, als ergebe sie sich aus seiner Neuinterpretation des Stein-Textes. Tatsächlich liegt eine andere Vorlage viel näher und relativiert dadurch die Aussagekraft des Steinplattentextes – wenn ich mal die o.g. Logik der Religionskritik hier anwenden darf – nämlich die alte jüdische Sehnsucht, das Reich Gottes politisch zu verstehen. Knohls Interpretation ist keineswegs neu sondern die Position, mit der Jesus zu Lebzeiten schon zu kämpfen hatte:

„Als nun die Leute das Zeichen sahen, das Jesus tat, sprachen sie: Dieser ist wahrhaftig der Prophet, der in die Welt kommen soll. Da nun Jesus erkannte, dass sie kommen und ihn ergreifen wollten, um ihn zum König zu machen, zog er sich wieder auf den Berg zurück, er allein.“
(Joh 6,14f)

Die Sinus-Milieus® in Deutschland

Eine sehr differenzierte Einteilung der sozialen Milieus bieten die Sinus-Milieus®. Folgende Bevölkerungsgrupierungen wurden durch eine detailierte jährliche Fragebogenaktion über 25 Jahre hinweg isoliert:

Konservative 5%
„Das alte deutsche Bildungsbürgertum: konservative Kulturkritik, humanistisch geprägte Pflichtauffassung und gepflegte Umgangsformen“
Traditionsverwurzelte 14%
„Die Sicherheit und Ordnung liebende Kriegsgeneration: verwurzelt in der kleinbürgerlichen Welt bzw. in der traditionellen Arbeiterkultur“
DDR-Nostalgische 5%
„Die resignierten Wende-Verlierer: Festhalten an preußischen Tugenden und altsozialistischen Vorstellungen von Gerechtigkeit und Solidarität“
Etablierte 10%
„Das selbstbewusste Establishment: Erfolgs-Ethik, Machbarkeitsdenken und ausgeprägte Exklusivitätsansprüche“
Bügerliche Mitte 15%
„Der statusorientierte moderne Mainstream: Streben nach beruflicher und sozialer Etablierung, nach gesicherten und harmonischen Verhältnissen“
Konsum-Materialisten 12%
„Die stark materialistisch geprägte Unterschicht: Anschluss halten an die Konsum-Standards der breiten Mitte als Kompensationsversuch sozialer Benachteiligungen“
Postmaterielle 10%
„Das aufgeklärte Nach-68er-Milieu: Liberale Grundhaltung, postmaterielle Werte und intellektuelle Interessen“
Moderne Performer 10%
„Die junge, unkonventionelle Leistungselite: intensives Leben – beruflich und privat, Multi-Optionalität, Flexibilität und Multimedia-Begeisterung“
Experimentalisten 8%
„Die individualistische neue Bohème: Ungehinderte Spontaneität, Leben in Widersprüchen, Selbstverständnis als Lifestyle-Avantgarde“
Hedonisten 11%
„Die spaßorientierte moderne Unterschicht / untere Mittelschicht: Verweigerung von Konventionen und Verhaltenserwartungen der Leistungsgesellschaft“

Eigentlich dachte ich spontan, ich müsse mich bei den Konservativen wiederfinden. Jedoch weit gefehlt … dort halten sich eher die pensionierten Gymnasiallehrer im Lodenmantel auf. Letztendlich fand ich mich in der bürgerlichen Mitte wieder … beruflich etabliert und vor allem familienorientiert …

Auf der Basis der Sinus-Milieus® wurden inzwischen auch schon interessante Zukunftszenarios entwickelt. Interessanterweise gibt es genau drei Szenarien:
– ein neoliberales
– ein sozialdemokratisches …. und
– ein grünes … ähem … postmaterielles

Diese werden in der Presse rezipiert und durchventiliert:

1. Manager-Magazin: „Bedrohte Mitte“
… mit einem neoliberalen Zukunfstszenario
www.manager-magazin.de/magazin/artikel/0,2828,395920,00.html
Zitat: „In einem deregulierten Deutschland sind die modernen Performer die Gewinner. Sie rücken in die Mitte der Gesellschaft. Ihr Lebensstil wird zum neuen Mainstream, dem die Angehörigen anderer Milieus, so gut es geht, nacheifern. … Doch unter dem Regiment der modernen Performer ginge den Deutschen auch vieles verloren. Chibesakunda wird wahrscheinlich niemals eine Handballspielgemeinschaft leiten. Und es muss noch einiges passieren, damit er zwei Kinder großzieht.“

2. Spiegel: „Wir werden Deutschland“
… Das „postmaterielle“ Metamorphosis-Szenario
www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,423043,00.html
Zitat: „Im Jahr 2020 haben die Menschen eine Art kollektives Bewusstsein entwickelt … Zukunftsforscher glauben, dass das Modell der Kleinfamilie im Jahr 2050 vom Schwarm, der aus dem selbstgewählten Freundeskreis besteht, endgültig abgelöst sein wird.“

Offensichtlich sind beide Szenarios nicht gerade familien- und kinderfreundlich … jedenfalls aus meiner … zugegebenermaßen beschränkten Sicht der „bürgerlichen Mitte“!

Was völlig ausgeklammert wurde ist die Renaissance von Christentum, Islam und fundamentalistischen Atheismus … Aber davon gelegentlich mehr!

Mit freundlichen Grüßen
wanderprediger

Artikel des Monats April 2008

AUF-Partei
[auf-partei.de] Gründung des Landesverbandes Berlin
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[crosswalk.com] Amy E. Black: Beyond Left and Right
Die Linke
[achgut] Henryk M. Broder: Autoritäre Opportunisten von links
Eva Hermann
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[merkur.de] Evangelische Allianz – Tragbalken des Protestantismus
Familie
[pro] In „Cicero“: „Der Staat greift nach der Familie“
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[idea] Prof. Günter Rohrmoser: Deutschland arbeitet an „biologischer Selbstabschaffung“
[WELT] Gerhard Amendt: Jeder setzt sich selbst die Grenzen
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[taz] Marcia Pally: Der Wandel der Evangelikalen
[christiantoday.com] Bill Hybels: The DNA of effective leadership
[christianitytoday.com] Yes, Nominal Evangelicals Exist
US-Wahl
[nyt] Maureen Dowd: Hillary or Nobody
[charismamag.com] Drew Dyck: The Preacher Who Dared to Be President
[commentarymagazine.com] Peter Wehner: The High Cost of Hillary

Was verstehen die „Grünen“ unter „Minderheitenschutz“?

Nach einem Bericht von idea hat der Erste Parlamentarische Geschäftsführer, Volker Beck, sich in einem Brief an die Kuratoriumsmitglieder des Christivals, das unter der Schirmherrschaft von Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) steht, gewandt, weil der Christival-Vorsitzende Roland Werner (Marburg) Bücher geschrieben und Vorträge gehalten habe, die eine „Homosexuellenheilung“ zum Thema hätten, so Beck. Sie seien gesellschaftspolitisch „Teil einer minderheitenfeindlichen und antihomosexuellen Debatte“.

Hat da jemand was von einer Debatte gesagt? Also Debatten sind m.W. diese Dinger, wo zwei Seiten mit Argumenten ihre Ansichten verteidigen. Nur sehe ich im öffentlichen Leben nur eine Ansicht, und die kommt – eben deshalb – ganz ohne Argumente aus. Deshalb können „Mediziner und Ärzte“ vor den Folgen einer Homosexuellenheilung warnen, ohne dass jemand mal blöd nach den Untersuchungen fragt, aus denen das hervorgehen soll.

Dass bei Christen eine antihomosexuelle Haltung vorliegt, will ich mal schwer hoffen, da die Homosexualität zu den schwersten Sünden in der Bibel zählt. Aber was genau soll daran „minderheitenfeindlich“ sein? Erstens sind m.W. 1- 3 % der Gesamtbevölkerung schwul oder lesbisch, während die Evangelikalen wohl kaum auf 1 % kommen (wenn man mal die Gottesdienstbesucher einer Stadt in evangelikalen Gemeinden zusammenzählt). Zweitens ist es ja wohl kaum minderheitenfeindlich, wenn man sagt, jemand könne seine Gruppe verlassen und solle das auch tun. Genau dazu fordern Atheisten doch sogar in Bestsellerbüchern die Christen auf, ohne dass Herr Beck oder sonst jemand der Grünen damit ein Problem hätte. Wieso auch, es fällt unter die Meinungsfreiheit. Und solange Christen nicht zu Gewalt gegenüber Homosexuellen aufrufen, können sie sagen, was sie wollen.

Man kann diesen Fauxpas von Volker Beck als peinliche Entgleisung abtun, aber es geht um mehr: Mit dem „Minderheitenschutz“ haben die Grünen eine potente Ethik entwickelt, die es ihnen erlaubt, einerseits den Anschein als Hüterin der bürgerlichen Freiheiten zu wahren und gleichzeitig ihre eigene Ethik mit aller Gewalt durchzusetzen. Denn der Brief von Herrn Beck stellte das Christival mit der als verfassungsfeindlich eingestuften Organisation „Scintology“ auf eine Stufe. Eine schärfere Waffe eines Politikers gibt es nicht. Die Grünen haben sich von diesem Brief bis heute nicht distanziert.
Und wenn man den Anlass betrachtet, ein Seminar über die Möglichkeiten, von seinen homosexuellen Empfindungen loszukommen, dann ist klar: vor den ethischen Ansprüchen der Grünen schmelzen bürgerlichen Rechte wie Wachs im Feuer.

Die Grünen müssen akzeptieren, dass es nicht nur Minderheiten gibt, sondern dass sich viele dieser Minderheiten auch nicht grün sind. Das betrifft nicht nur Evangelikale und Homesexuellen-Verbände, sondern auch div. Ethnien und konkurrierende Weltanschauungen. Man kann diese Meinungsverschiedenheiten ärgerlich finden, man kann Stellung beziehen oder sie an offener Gewalt hindern, aber man kann sich nicht unter dem Mantel des Minderheitenschutzes auf eine Seite stellen und die andere Seite aus offenen Rohren beschießen. Dann wird nämlich aus dem vermeintlichen Schutz der Minderheiten ein Kampf, der nicht mehr unter Rückgriff auf Grundrechte sondern nur unter Verweis auf die eigene Ethik geführt werden kann. Hätte Herr Beck dies beherzigt, wäre statt eines kleinen Krieges tatsächlich eine Debatte entstanden, die in meinen Augen übrigens dringend überfällig ist.

Das Christentum und die anderen Religionen

Für viele Christen ist es verwirrend, wenn sie Elemente ihres Glaubens in anderen Religion entdecken. Für Atheisten ist es andererseits ein Vergnügen, eben darauf hinzuweisen, denn: wenn jemand etwas von Menschen hat, kann er es nicht von Gott haben. Folglich ist die Bibel in zentralen Punkten von Menschen erfunden und nicht Gottes Wort.

Diese Logik ist so einfach, dass sie sich unter Gegnern des Christentums sehr leicht verbreiten konnte und mir auf den unterschiedlichsten Bildungsniveaus schon begegnet ist. Und an Material scheint es diesem Argument nie zu fehlen, die Religionsgeschichte gibt sich wie ein üppiger Garten, in dem man alles in Armeslänge findet, was man an Ähnlichkeiten zum Christentum sucht. Es ist schon fast zu viel des Guten…

Denn tatsächlich gibt es so viele Parallelen zwischen Christentum und anderen Religionen, dass die These vom „Abkupfern“ zunehmend unplausibel wird, wenn man nicht davon ausgeht, dass alle Kulturen sich am Beginn der Menschheit auf verschiedene Ansichten geeinigt haben.
Die nächste Stufe der atheistischen Erklärung des Christentums greift daher auf die Psychologie zurück: Vielleicht ist der Mensch einfach so gebaut, dass er religiös denkt oder zumindest eine Neigung dazu besitzt. Dieser Gedanke kommt schon gefährlich nah an das, was man Christentum unter „natürlicher Gotteserkenntnis“ versteht. Daher findet man diesen Gedanken heute vor allem im Zusammenhang mit den dazugehörigen biologischen Erklärungen, damit niemand denkt, Gott selbst habe den Menschen mit Gotteserkenntnis ausgestattet.

Aber wenn man noch genauer hinsieht, stellt man fest, dass biologische oder psychologische Erklärung wenig leisten. Was nützt die Entdeckung eines „Gottesgens“, wenn nur die monotheistischen Religionen an einen einzigen Gott glauben, die Mehrheit aber an eine Fülle von Geistern? Und was lernen wir über das Gen, wenn ein Atheist zum Glauben an den einen Gott kommt? Oder was nützen Erklärungen über gemeinschaftsfördernde und lebenserhaltende Moralvorstellungen, wenn diese teilweise lebensbedrohlich sind? Wie kann man das religiöse Leben des Menschen damit erklären, dass er sich die Erde weniger gefahrvoll vorstellen möchte, wenn in vielen animistischen Religionen die Erde ein Ort wird, der übersäht ist mit übellaunigen und schadenbringenden Geistern? Davon abgesehen, erklären Atheisten ja gerade, dass der Atheismus eigentlich für das Leben des Einzelnen und der Gemeinschaft am besten geeignet sei.
Darüber hinaus ist der Vorrat an gemeinsamen Elementen unter den Religionen eher klein. Aus Jungs „Archetypen“ kann man kaum eine Religion zusammenstellen. Unter vielen gibt es die Vorstellung, dass man Gott essen könne, aber nicht unter allen. Viel aber nicht alle kennen den Gedanken an einen Gott, der zu den Menschen herabgekommen ist. Viele aber nicht alle kennen eine natürliche Scheu vor dem Vezehr der ersten Früchte (Erstlingsgabe im AT), viele aber nicht alle glauben, dass im Blut eines Lebewesens sein Leben liegt und viele (sehr viele) haben eine große Scheu vor Frauen in den Wochen nach ihrer Niederkunft. Viele aber nicht alle kennen die Vorstellung von einem Sohn Gottes. Manchmal findet man Abweichungen, die sich leicht als späte Umformung deuten lassen (wie im Buddhismus oder im Sonnenkult Echnatons), aber nirgendwo findet man eine Religion, die alle diese Elemente in einem Bild vereinigt – außer dem Christentum.
Es ist so, als hätte jemand das Christentum genommen und zur Erde geworfen, die jetzt über und über mit Scherben und Bruchstücken übersäht ist. Und in keiner Religion, die mir je begegnet ist, findet man so viele dieser Stücke wieder, wie im Christentum.
Der Atheist, der nur einmal den großen Zeh in die Religionsgeschichte getaucht hat, wird im Christentum also Menschliches finden. Je weiter er sich dann mit den Religionen beschäftigt, desto schwerer wird er sie von sich abschütteln können.

Aus diesem Grund bietet die Beschäftigung mit anderen Religionen dem Christen ein großes Vergnügen. Und er wird sich keine Sorgen machen müssen, ob das Evangelium in anderen Kulturen verstanden werden kann. Denn die Botschaft, dass Gott seinen Sohn als Mensch zur Erde gesandt hat, dass er ihn durch die Hand der Menschen sterben ließ, um uns unsere Vergehungen zu vergeben, wird zu allen Zeiten unter allen Kulturen mehr oder weniger unmittelbar verstanden!

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Neo-Atheismus : neue Fundamentalisten auf dem Vormarsch!

Schlaglichtartig machte uns DER SPIEGEL mit seinem Titel „Gott ist an allem Schuld! Der Kreuzzug der neuen Atheisten“ Ende Mai klar, dass sich etwas geändert hat in der Lufthoheit über den Seelen Deutschlands. Und nicht nur in Deutschland – weltweit blasen die sogenannten „neuen Atheisten„, oft auch „Brights“ genannt zum Angriff auf alles Religiöse.
Obwohl das Thema „Vormarsch der Gottlosen“ mittlerweile schon in Polylux bei Deutschlands zehnmalklugen Popkultur-Diva Tita von Hardenberg genüßlich zelebriert wurde, scheint es trotzdem wohl mehr als ein Sommer-Hype zu werden.
Die Helden der Bewegung sind Christopher Hitchens, Daniel Dennett, Michel Onfray, Sam Harris. Nicht zu vergessen der neue Atheisten-Papst und Erfinder der Meme Richard Dawkins. In Deutschland spielt die Giordano Bruno Stiftung eine Schlüssel-Rolle, denn hier findet man die Crème de la Crème der deuschen Atheisten.

Man will also nichts weniger, als nun endlich – ohne lange zu fackeln – die Aufklärung vollenden … Auf dass alle Atheisten werden!
Und bist Du nicht willig … hört man da die neuen atheistischen Fundamentalisten schon flüstern.

Diese ganze Welle kommt dabei mit einem ausgesprochen intoleranten, aggressiven Habitus daher. Woher kommt diese Wut? Kann man den Amerikanern bis heute nicht den 11. September 2001 verzeihen, den in dieser Frage wohl entscheidenden Wendepunkt der Geschichte. Ist wieder mal der wiedergeborene G. W. Bush oder sind gar die vorlauten, immer frecher werdenden Kreationisten und intelligenten Designer Schuld? Oder reibt man sich „nur“ an den eifernden Islamisten aus dem Karikaturenstreit und dem entstehenden Großkalifat Eurabia?
Ich denke es gibt eine verworrenes Konglomerat von Ursachen. Ich werte den neuen Atheismus hauptsächlich als eine Art Massen-Verschwörung gegen die in den Feuilletons vielbeschriebene Rückkehr der christlichen Religion. Mit staunenden Augen mußten ansonsten selbstsichere Intellektuelle mit ansehen, wie sich beispielsweise eine immer größer werdende Menge von Jugendlichen wieder vermehrt christlich geprägten konservativen Werten und … was für sie am allerschlimmsten war … dem Papst zuwandte. Die Religion sollte doch absterben … Das Gegenteil war jedoch der Fall. Um so stärker wuchs die Wut und der Hass der Atheisten. Ein großer Teil der Wut, die durch islamistische Eiferer entsteht wird gerne bevorzugt an den Christen abgearbeitet [-> TAZ, was bist Du feige!]
Sehr schön fasst das Markus Reder von der katholischen Tagespost zusammen: „Solche Attacken sind ein sicheres Indiz dafür, dass die Rückkehr der Religion kein Feuilleton-Phänomen ist, sondern Realität. Es geht nicht darum, eine machtvolle Renaissance des Christentums herbeizureden. Doch da ist etwas in Bewegung geraten. Das zeigen gerade diese Angriffe. Wo der Glaube wächst, da wachsen auch Widerstände. Für Christen ist das weder neu noch erschreckend: Nicht der Atheismus ist der Verstehensschlüssel für das 21. Jahrhundert, sondern die Religion.“
Ich persönlich finde einen weiteren Aspekt noch ausgesprochen wichtig. Viele Blogger aus dem christlich-neokonservativen Spektrum verbünden sich auf dem Gebiet der Islamismus-Kritik gerne mit den USA-freundlichen Libertären … und gerade hier gibt es eine riesengroße Schnittmenge zur „neuen Atheismus-Szene“. Mir gefällt das nicht, aber das ist das gute an dem Thema „neuer Atheismus“ … hier kann man die manchmal sehr verschwommenen Standpunkte sehr scharf voneinander getrennt darstellen.
Wir werden auf dieses Thema hier daher in Zukunft einen besonderen Schwerpunkt legen.
… Zumal wir theocons ja mittlerweile selber im Zentrum der atheistischen Angriffe stehen 😉
Mit freundlichen Grüßen
wanderprediger
Neo-Atheismus : neue Fundamentalisten auf dem Vormarsch!