Vegetarismus und Menschenwürde

Es gibt verschiedene Gründe, kein Fleisch zu essen: manche Menschen vertragen es nicht, manche mögen es nicht, manche mögen die Art nicht, wie bei uns Tiere gehalten und geschlachtet werden oder fürchten sich vor übertragbaren Krankheiten.

Meistens ist mir der Vegetarismus aber mit einer anderen Begründung vorgestellt worden: mit einer Polemik gegen die christliche Trennung zwischen Tier und Mensch. Nur durch diese Trennung wird dem Menschen seine herausgehobene Würde gesichert und gleichzeitig der Fleischgenuss erlaubt.
Lehnt man diese Trennung ab, wird der Mensch zu einem von vielen Tieren und manche Zeitgenossen überbieten sich geradezu darin, ihn im Wert immer weiter unten in der Skala zu sehen (z.B. unter den Bakterien, weil die schon so alt und erfolgreich sind etc.). Unter anderen Tieren sei es aber nicht mehr möglich, andere „Mitgeschöpfe“ einfach aufzuessen.
Das klingt chic, ist es aber nicht. Denn wenn die Scheu, Tiere zu essen, so begründet wird, verliert man jeden Grund für Menschenwürde! Das darf man nicht vergessen.
Es gibt dann nur zwei Möglichkeiten:
Entweder schätzt man alle Lebewesen gleich wert oder man bemisst ihren Wert nach irgendwelchen Eigenschaften.
Wenn alle Lebewesen gleich wertvol sind, muss man sich umbringen. Denn in jeder Sekunde verenden Bakterien in meinem Magen, während ein Mensch durch seinen Tod vielen Bakterien zur Nahrung dienen kann. Es wäre also grob unmoralisch, am Leben zu bleiben, einem Leben, das so viele andere Leben kostet.
Faktisch wählen daher alle (noch lebenden) Gegner der Menschenwürde den zweiten Weg und unterscheiden sich nur in der Wahl der Eigenschaften, die sie für besonders schützenswert halten. Die Einen schützen die Leidensfähigkeit, die Anderen nur Lebewesen mit Augen …
Alle Eigenschaften haben gemeinsam, dass der Wert eines Menschen von bestimmten Eigenschaften abhängt und ein Mensch also seinen Wert verlieren kann. Was ist nämlich mit Menschen, die keine Augen haben, kein Bewusstsein entwickeln (zumindest nach allem, was man sagen kann), mit Menschen ohne Augen ohne erkennbaren Willen zum Leben? Darf man sie nun töten? Die Antwort müsste für den überzeugten Gegner der christlichen Menschenwürde klar lauten: ja, selbstverständlich.

Es gibt natürlich noch eine andere Möglichkeit: man vermeidet jede Wertzuweisung. Nur ist die Menschenwürde dann erst recht obsolet.

Nach dem dritten Reich hat man aus einem tiefsitzenden Schrecken über die Gräueltaten der Nazis die Menschenwürde in der Verfassung verankert; leider ohne sie zu begründen. Und dieses Versäumnis rächt sich, denn jeder Schrecken verfliegt und es war nur eine Frage der Zeit, bis spätere Generationen diese Menschenwürde ablehnen, deren religiöse Grundlagen keinen Rückhalt in der Bevölkerung mehr hatte.

[Buchtip] Peter Hahne: Schluss mit lustig

Seit Wochen hält dieses Buch den Platz 1 auf der Sachbuch-Bestsellerliste. Man kann es gar nciht fassen, dass „einer von uns“ Evangelikalen es geschafft hat Interesse beim Mainstream zu wecken. Es geht in dem Buch um die Bedeutungsverschiebung, die die Weltsicht des Westens seit dem 11. September 2001 erfahren hat. Es ist eine Bestandsaufnahme dazu wo unsere Gesellschaft heute steht und eine ernste Abrechnung mit der 68er-Revolutuion und der Spass-Generation.
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Referendum zu künstlicher Befruchtung in Italien gescheitert

Nach dem Boykottaufruf der katholischen Kirche verfehlt das Bioethik-Referendum in Italien die erforderliche Mindestquote. Dies ist ein grosser Tag für die Lebensschützer in Italien, aber nicht nur dort sondern in ganz Europa. Das Ergebnis zeigt den immer noch ausserordentlich grossen Stellenwert der katholischen Kirche in diesem südeuropäischen Land und unterstreicht ihre Deutungshoheit zu der Thematik „Kultur des Lebens“. Mit der Ernennung des deutschen Kardinal Ratzinger zum Papst ist nun auch in Deutschland ein „Kampf der Kulturen“ eingeleitet worden … Wir von theocons.de hoffen auf ein gross angelegtes Roll-Back der „Kultur des Todes“ hier in unserem Land … Gott segene Deutschland!
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