Christlicher Tribalismus: 1. Stämme des Biblisch-Orthodoxen Protestantismus

Du bist jetzt kein Christ mehr, sondern nur noch agnostischer Skeptiker? Und Du das erste Mitglied eines ehrwürdigen christlichen Familienclans, das mit all dem überhaupt nix mehr zu tun haben will? Hi young folks! OK so wollt Ihr nun auch nicht genannt werden … Ihr seid ja nicht mehr in der Jungschar! OK dudes, machen wir weiter: Beide seid Ihr also genervt davon, dass innerhalb der konservativen Protestanten  dieser ständige Bürgerkrieg herrscht? Euch fehlt der Überblick über all die vielen Denominationen und sie interessieren Euch eigentlich auch schon gar nicht mehr? „Das sind unsere Bekenntnisse – ohne die läuft gar nichts!“ … „Das ist unser Worship-Style! Wie wollt Ihr denn ohne uns in die Gemeinschaft des Heiligen Geistes kommen?“ All das nervt Dich nur noch und hat nix mehr mit Deiner Welt dort draußen zu tun? Nun, dann komme ich ja gerade rechtzeitig mit meiner Landkarte der Vereinigten Stämme biblisch-orthodoxer Protestanten, um mal Licht in diesen evangelikalen Dschungel zu bringen und Dir vielleicht Deine erste geistliche Liebe wieder soweit näher zu bringen, daß Du wenigsten darüber schmunzeln kannst. Wäre ja schon mal ein Anfang 🙂

Peter Bjorn And John – Young Folks:

… and we don’t care about the young folks
talkin‘ ‚bout the young style
and we don’t care about the old folks
talkin‘ ‚bout the old style too
and we don’t care about their own faults
talkin‘ ‚bout our own style
all we care ‚bout is talking
talking only me and you

I. Tribes – Was ist das denn?
Tribalismus bezeichnet übrigens eine Sichtweise der Gesellschaft als eine Menge kleinerer Gemeinschaften bzw. Stämme (engl. tribes). Seth Godin ein großer Stammesführer innerhalb der Welt der Business-Nerds hat in seinem 2008 erschienen Buch „Tribes“ Stämme im Internetzeitalter folgendermaßen definiert:
>>Ein Stamm (engl. Tribe) ist eine Gruppe von Menschen, die untereinander, mit einem Anführer und über eine Idee miteinander verbunden sind. Seit Millionen von Jahren sind Menschen Teil von Stämmen. Eine Gruppe braucht nur zwei Dinge um ein Stamm zu sein: ein gemeinsames Interesse und ein Kommunikationskanal<<

II. Stammesmerkmale evangelikaler Stämme:
Spezifische Stammesüberzeugungen und Essentials der Stammeskultur werden im Stamm durch Stammeskommunikation bestimmt, geklärt und multipliziert. Sie sind die Überzeugungen die die Stammesgrenzen definieren
1. Bibelübersetzungen: Manchmal kann ein Stamm schon an der üblicherweise verwendeten  Bibelübersetzung erkannt werden (z.B. Lutherbibel, Elberfelder Bibel, Schlachter-2000, Bibel in gerechter Sprache, Volxbibel)
2. Bekenntnisse: Diese Statements bringen die Überzeugungen des Stammes auf den Punkt und helfen zu klären wer sich innerhalb und außerhalb der Grenzen des Stammes befindet.
3. Bücher und Verlage: Literatur ist immer noch eines der wirksamsten Mittel zur Weitergabe und Verbreitung der Stammes-Essentials. Reformierte haben Bethanien, CLV oder seit neuestem den 3L-Verlag, während der progressiv-emergente Mainstream der deutschen Evangelikalen Francke oder den Brendow-Verlag bevorzugen.
4. Ausbildungsstätten: Innerhalb jedes Stammes dienen christliche Ausbildungsstätten, Bibelschulen, Seminare und andere Schulen als Torwächter, um zu bestimmen, was zukünftige Führer glauben und letztendlich tun werden. Sie sind die Schlüsselkomponente für den Schutz und die Förderung der Kernverpflichtungen eines Stammes.
5. Konferenzen: Konferenzen dienen der Stammesselbstvergewisserung und dem Austausch neuester Stammes-Entwicklungen und -ideen. Ein Stammesführer dient oft als Gastgeber der Veranstaltung und lädt diejenigen Sprecher ein, die die Stammes-Essentials am besten rüberbringen können. In Deutschland heissen diese Konferenzen Willow ( Stammesfüher Bill Hybels) oder MEHR (Stammesführer Johannes Hartl – ohh Sonderfall: ein Katholik … mehr dazu später )

III. Gemeinsame Stammesüberzeugungen der Vereinigten Stämme des biblisch-orthodoxen Protestantismus:
Seit 2016 haben sie eine neue Verfassung. Das Kommuniqué des Netzwerks für Bibel und Bekenntnis vom 23. Januar 2016, das aus dem großen Diener-Parzany-Disput über Akzeptanz Homosexueller als Mitarbeiter evangelikaler Gemeinden hervorging. Wichtig: Hierbei handelt es sich um nationale Grenzen wer hier nicht übereinstimmt ist nicht mehr in einem benachbartem Stamm, sondern in einem andern Land.

Folgende Punkte werden dort als nicht verhandelbar dargestellt:

  • die Autorität der Bibel als Wort Gottes und höchste Norm für Glauben und Leben,
  • dass Jesus Christus der einzige Weg zum Heil ist,
  • dass Gott durch den stellvertretenden Tod Jesu am Kreuz und seine Auferstehung die Welt mit sich versöhnt hat,
  • dass zur Offenbarung Gottes die Gottebenbildlichkeit des Menschen mit der Polarität und Gemeinschaft von Mann und Frau gehört,
  • dass die Gebote Gottes auch heute die gültigen Maßstäbe für das Leben der Christen und der Gemeinden sind.

Nicht verhandelbar sind weiterhin die Autorität folgender Bekenntnisschriften:

IV. Kleine Ethnologie der wichtigsten Stämme des biblisch-orthodoxen Protestantismus:

Du fragst Dich wie man all diese vielen evangelikalen Stämme am besten voneinander unterscheiden kann? Nun hier ist eine ganz simple Einteilung in Form von Gegensätzen. Bei diesen Gegensätzen handelt es sich jedoch nicht um Landesgrenzen sondern nur um niederschwellige Stammesgrenzen. Leider vergeuden die biblisch-orthodoxen Stämme immer noch viel zu viel Zeit um sich gegenseitig zu bekämpfen anstatt gemeinsam die Landesgrenzen zu verteidigen. Ich werde Euch in den nächsten Blogpostings dieser Serie jeden Stamm im Detail erklären, verprochen! Hier jetzt erstmal eine Kurversion:

1. REFORMIERTE versus ARMINIANER [Folge 2]
Hier geht es um Fragen der Prädestination und des freien Willens des Menschen.
2. KOMPLEMENTARISTEN versus EGALITARISTEN  [Folge 3]
Hier geht es im Kern um die Frage ob Frauen in der Gemeinde lehren dürfen.
3. CONTINUATIONISTEN versus CESSATIONISTEN  [Folge 4]
Kernfrage: Haben die Wunderzeichen und Geistesgaben nach dem Tod des letzten Apostels aufgehört?
4. MISSIONAL versus FUNDAMENTAL   [Folge 5]
Mitglieder des Missionalen Stammes sehen sich als Missionare in der Kultur in der sie leben für Fundamentalisten ist es wichtig sich von der sie umgebenden säkularen Kultur abzusondern.

[Quelle: Mark Driscoll – A Call to Resurgence: Will Christianity Have a Funeral or a Future? Chapter 3: A New Reality. Tyndale House/Resurgence Publishing (2013)]

Zu spät um von den Südlichen Baptisten zu lernen?


Al Mohler ist der Präsident des Theologischen Seminars der Südlichen Baptisten in Louisville, Kentucky. Viele kennen meine Vorliebe für seine täglichen Briefings, in denen er  das Weltgeschehens aus einer Christlichen Weltsicht analysiert und die ich als Podcast jeden Morgen höre.

Auf dem Jahreskongress von Evangelium 21 konnte ich seinen spannenden Vortrag „Reformation heute – Was wir von den Südlichen Baptisten lernen können“ [deutsche Übersetzung bei NBuB] live hören und anschließend noch kurz mit ihm reden. Es geht in dem Vortrag um die bisher historisch einzigartige Erfahrung eine Denomination in der sich die Liberale Theologie ausgebreitet hatte wieder von dieser zu befreien. Ich erhalte zunehmend Zuschriften bzw. Kommentare, die davon ausgehen, dass es dafür in Deutschland bereits zu spät sein könnte, da die progressiven Netzwerke innerhalb der DEA bereits an allen wesentlichen Schaltstellen der Macht sitzen. Eine der besonders prägnanten Kommentare darf ich hier mit Erlaubnis des Autors veröffentlichen. Ihr findet ihn am Ende dieses Blog-Postings
Wie geht es nun weiter? Ist die DEA wirklich schon verloren? Meine Antwort findet ihr hier, aber ich möchte Euch alle ermutigen an dieser wichtigen Diskussion teilzunehmen. Egal zu welcher Antwort Ihr kommt … bildet eigene theologisch konservative  Netzwerke im evangelikalen Mittelbau, lehrt  Apologetik in Euren Hauskreisen und Euren Familien und unterstützt die Initiativen Evangelium 21 und Netzwerk für Bibel und Bekenntnis!

So hier nun der Hammer-Kommentar:
>>Lieber Reinhard, sieh mir nach, wenn ich Dich desillusionieren muss: Zwar ist bei Gott kein Ding unmöglich, aber menschlich gesprochen ist es ziemlich unwahrscheinlich, dass mit dieser Truppe hier irgendetwas in der Art von Mohlers Konterrevolution bei den SBs gelingen könnte, und der Grund ist ein ganz einfacher. Mohler & Co. konnten die SBs umkrempeln, weil die konterrevolutionäre Truppe von Gleichgesinnten insgesamt genügend groß war, um Stück für Stück Schlüsselpositionen in *einer* Denomination und vor allem an *der* großen theologischen Ausbildungsstätte, dem SBTS zu besetzen. Das war also eine Revolution von oben. Das auf D zu übertragen, ist vollkommen illusorisch, und zwar nicht, weil das Ganze einfach amerikanisch war (obwohl das auch eine Rolle spielt), sondern weil Du hier keine (frommen, konservativen, nenn sie wie Du willst) Leute hast, die in irgendeiner Denomination Schlüsselpositionen besetzen bzw. besetzen könnten, schon gar nicht in ausreichender Zahl und erst recht nicht an den Ausbildungsstätten. Verabschiede Dich lieber heute als morgen von der Vorstellung, so schön sie ist.<<