Hipster Christianity aufgepasst: Biblische Orthodoxie ist das neue Vinyl

Eine von ihrer kleinbürgerlichen evangelikalen Elterngeneration gelangweilte Akademikergeneration wird feststellen, dass die linken Ideologieangebote und der Synkretismus aus postevangelikaler Spiritualität und Progressivismus, die man ihr von allen Seiten als hippen Weg in eine immer einzigartiger werdende eigene Identität anbietet mit der Realität absolut nicht in Deckung zu bringen ist. Letztendlich wird ein kleiner Teil von ihr seine Erfüllung darin finden, sich das Alte, in sich Stimmige ja auch Konservative, das was immer galt auch theologisch im Rahmen der biblischen Orthodoxie auf hohen intellektuellem Niveau zu erarbeiten und an die eigenen Kinder weiterzugeben. Diejenigen, die den konservativen Exit nicht finden, enden in Verzweiflung, Depression, Vereinzelung und in einem „Anything goes“-Agnostizismus, der ihr hungriges Herz nicht satt machen und sie daher in den Sumpf der Süchte führen wird.

Reinhard, bist Du eigentlich Christ oder Kulturkämpfer? Antwort an Arne Bachmann von Emergent Deutschland


Lieber Arne, in Deinem letzten Kommentar schreibst Du, ich würde Gift und Galle triefen, aber als Reaktionär dazu verurteilt sein, aufs Intimste mit dem verbunden zu bleiben von dem ich mich abgrenze. Du hast leider einen wesentlichen Punkt noch nicht verstanden:
Ich bin kein Reaktionär, der schon immer ein konservatives Weltbild hatte, ich bin wie Du ein Progressiver gewesen und habe mich als kulturell Progressiver und gleichzeitig theologisch Konservativer wieder in meiner konservativen Heimat niedergelassen. Nun will ich Euch alle, die Ihr im Exil in Progressivien lebt aus einer Haltung einer vor Kraft kaum laufen könnenden Lebenserfahrung auch wieder in dieses schöne evangelikale Auenland zurückholen. Ich will zusammen mit Euch in Evangelikalien eine Kommune von Ex-Progressiven aufbauen, denn obwohl wir theologisch-konservativ sind, werden wir kulturell progressiv bleiben [Dr. Gerrit Hohage -> https://goo.gl/BG8Wdj] … ich bin also Renegat und Verführer nicht Reaktionär und Hater 🙂
So nun haben wir nur noch ultra-wenig Zeit für mein Lieblingshobby den Kulturkampf. Auf den Punkt gebracht: Ich bin Kulturkämpfer UND Kulturversöhner gleichzeitig.
Kulturkampf: Mein Kulturkampf ist nicht der Kampf von Rechts gegen Links, sondern der der antitotalitären Mitte [wäre eigentlich potentielles FDP-Mitglied, wenn die weniger queer wären] gegen rechte Querfront/Identitäre Bewegung einerseits und linken Kulturmarxismus andererseits. Ich stehe dabei [bitte festhalten!] einerseits in einer moderaten ANTIDEUTSCHEN, antitotalitären Tradition und andererseits ist mein politisches Vorbild Andrew Breitbart. Mein christliches Credo in diesem Kulturkampf der Mitte stammt übrigens von Timothy Keller: Christen sind weder links noch rechts [https://goo.gl/wxdo7P].
Kulturversöhner: Ich sehe mich als Wanderer zwischen den Welten um die beiden aktuell extrem auseinanderdriftenden Metakulturen [https://goo.gl/z2auNJ] der urbanen kosmopolitischen Eliten einerseits (Hyperkultur) und den identitär-kommunitaristischen Gemeinschaften (Kulturessentialisten) andererseits. In diesem Rahmen mußt Du Dir das Projekt hessendisko vorstellen, das ist eine subversiv-popkonservative Party-Reihe mit Indie-Dancefloor, die ich 2014/2015 mit meinem Bruder Alexander in das ultralinke hyperkulturelle Berlin-Friedrichshain eingepflanzt habe und mit der wir unserer Zeit wieder mal so geschätzte 5 Jahre voraus waren [https://www.facebook.com/hessendisko/ schau Dir unbedingt den Flyer zu „Macht Kinder statt Tinder“ an .. ist echt lustig 🙂 ]
So Kulturkampf-Posting fertig!
Liebe Grüße Reinhard

Das THEOLOGISCH NEOKONSERVATIVE MANIFEST auf Hossa Talk #89

Wow! Was ist denn jetzt los? In der letzten HossaTalk-Folge#88 durfte Gofis Bruder Strassenmissionar  und Biblipedia-Follower Johannes Müller eine ganze Sendung lang über eine Straßenmissions-Erweckung in Bremen sprechen. Anschließend disst sich Gofi die ganze Woche teilweise bis in den Fieberwahn hinein mit einer postevangelikalen HossaTalk-Community, die diese Folge als echten Affront sieht und verteidigt seinen Bruder. Junge, Junge!

Wechselt Gofi – ein Stammesführer des Post-Evangelikalismus – womöglich gerade die Fronten und läuft zum theologischen Neokonservativismus über? Ich hatte das ja für einen Teil der Bewegung vorausgesagt und OrthodoxPop.de ist auch das Format, welches diesen Prozeß aus der pop-journalistischen Perspektive begleiten soll … Aber dass der Zerfallsprozeß der Postevangelikalen gerade in dessen Kreativ-Zentrum HossaTalk beginnen sollte, war eigentlich nicht so vorgesehen 😉

Jedenfalls formuliert Gofi  auf HossaTalk#89 [52:02-52:40] nicht mehr und nicht weniger als das THEOLOGISCH NEOKONSERVATIVE MANIFEST:

>>Ich hätte gerne alte Dinge, ich hätte gerne Erkenntnisse, Grundlagen, die sich schon über einen langen Zeitraum bewährt haben. Ich hab überhaupt kein Interesse daran das Evangelium und die Liturgie neu zu formulieren. Ich hab da kein Bock drauf. Ich hab keinen Bock auf neue Gebetstexte und neue Lieder und neue Gottesdienstformen und neue Liturgien und so, die wir uns dann beim Spazieren gehen alle gegenseitig vorsingen. Ich hab da kein Bock drauf. Was ich gerne möchte ist, etwas das bewiesen hat, dass es bleibt! Da hab ich Bock drauf!<<

WOW! Welcome Back! 🙂

Jackson 5 – I want you back:

Oh baby, I was blind to let you go
But now since I’ve seen you it is on
(I want you back)
Spare me of this cost
(I want you back)
Give me back what I lost!

Christlicher Tribalismus: 1. Stämme des Biblisch-Orthodoxen Protestantismus

Du bist jetzt kein Christ mehr, sondern nur noch agnostischer Skeptiker? Und Du das erste Mitglied eines ehrwürdigen christlichen Familienclans, das mit all dem überhaupt nix mehr zu tun haben will? Hi young folks! OK so wollt Ihr nun auch nicht genannt werden … Ihr seid ja nicht mehr in der Jungschar! OK dudes, machen wir weiter: Beide seid Ihr also genervt davon, dass innerhalb der konservativen Protestanten  dieser ständige Bürgerkrieg herrscht? Euch fehlt der Überblick über all die vielen Denominationen und sie interessieren Euch eigentlich auch schon gar nicht mehr? „Das sind unsere Bekenntnisse – ohne die läuft gar nichts!“ … „Das ist unser Worship-Style! Wie wollt Ihr denn ohne uns in die Gemeinschaft des Heiligen Geistes kommen?“ All das nervt Dich nur noch und hat nix mehr mit Deiner Welt dort draußen zu tun? Nun, dann komme ich ja gerade rechtzeitig mit meiner Landkarte der Vereinigten Stämme biblisch-orthodoxer Protestanten, um mal Licht in diesen evangelikalen Dschungel zu bringen und Dir vielleicht Deine erste geistliche Liebe wieder soweit näher zu bringen, daß Du wenigsten darüber schmunzeln kannst. Wäre ja schon mal ein Anfang 🙂

Peter Bjorn And John – Young Folks:

… and we don’t care about the young folks
talkin‘ ‚bout the young style
and we don’t care about the old folks
talkin‘ ‚bout the old style too
and we don’t care about their own faults
talkin‘ ‚bout our own style
all we care ‚bout is talking
talking only me and you

I. Tribes – Was ist das denn?
Tribalismus bezeichnet übrigens eine Sichtweise der Gesellschaft als eine Menge kleinerer Gemeinschaften bzw. Stämme (engl. tribes). Seth Godin ein großer Stammesführer innerhalb der Welt der Business-Nerds hat in seinem 2008 erschienen Buch „Tribes“ Stämme im Internetzeitalter folgendermaßen definiert:
>>Ein Stamm (engl. Tribe) ist eine Gruppe von Menschen, die untereinander, mit einem Anführer und über eine Idee miteinander verbunden sind. Seit Millionen von Jahren sind Menschen Teil von Stämmen. Eine Gruppe braucht nur zwei Dinge um ein Stamm zu sein: ein gemeinsames Interesse und ein Kommunikationskanal<<

II. Stammesmerkmale evangelikaler Stämme:
Spezifische Stammesüberzeugungen und Essentials der Stammeskultur werden im Stamm durch Stammeskommunikation bestimmt, geklärt und multipliziert. Sie sind die Überzeugungen die die Stammesgrenzen definieren
1. Bibelübersetzungen: Manchmal kann ein Stamm schon an der üblicherweise verwendeten  Bibelübersetzung erkannt werden (z.B. Lutherbibel, Elberfelder Bibel, Schlachter-2000, Bibel in gerechter Sprache, Volxbibel)
2. Bekenntnisse: Diese Statements bringen die Überzeugungen des Stammes auf den Punkt und helfen zu klären wer sich innerhalb und außerhalb der Grenzen des Stammes befindet.
3. Bücher und Verlage: Literatur ist immer noch eines der wirksamsten Mittel zur Weitergabe und Verbreitung der Stammes-Essentials. Reformierte haben Bethanien, CLV oder seit neuestem den 3L-Verlag, während der progressiv-emergente Mainstream der deutschen Evangelikalen Francke oder den Brendow-Verlag bevorzugen.
4. Ausbildungsstätten: Innerhalb jedes Stammes dienen christliche Ausbildungsstätten, Bibelschulen, Seminare und andere Schulen als Torwächter, um zu bestimmen, was zukünftige Führer glauben und letztendlich tun werden. Sie sind die Schlüsselkomponente für den Schutz und die Förderung der Kernverpflichtungen eines Stammes.
5. Konferenzen: Konferenzen dienen der Stammesselbstvergewisserung und dem Austausch neuester Stammes-Entwicklungen und -ideen. Ein Stammesführer dient oft als Gastgeber der Veranstaltung und lädt diejenigen Sprecher ein, die die Stammes-Essentials am besten rüberbringen können. In Deutschland heissen diese Konferenzen Willow ( Stammesfüher Bill Hybels) oder MEHR (Stammesführer Johannes Hartl – ohh Sonderfall: ein Katholik … mehr dazu später )

III. Gemeinsame Stammesüberzeugungen der Vereinigten Stämme des biblisch-orthodoxen Protestantismus:
Seit 2016 haben sie eine neue Verfassung. Das Kommuniqué des Netzwerks für Bibel und Bekenntnis vom 23. Januar 2016, das aus dem großen Diener-Parzany-Disput über Akzeptanz Homosexueller als Mitarbeiter evangelikaler Gemeinden hervorging. Wichtig: Hierbei handelt es sich um nationale Grenzen wer hier nicht übereinstimmt ist nicht mehr in einem benachbartem Stamm, sondern in einem andern Land.

Folgende Punkte werden dort als nicht verhandelbar dargestellt:

  • die Autorität der Bibel als Wort Gottes und höchste Norm für Glauben und Leben,
  • dass Jesus Christus der einzige Weg zum Heil ist,
  • dass Gott durch den stellvertretenden Tod Jesu am Kreuz und seine Auferstehung die Welt mit sich versöhnt hat,
  • dass zur Offenbarung Gottes die Gottebenbildlichkeit des Menschen mit der Polarität und Gemeinschaft von Mann und Frau gehört,
  • dass die Gebote Gottes auch heute die gültigen Maßstäbe für das Leben der Christen und der Gemeinden sind.

Nicht verhandelbar sind weiterhin die Autorität folgender Bekenntnisschriften:

IV. Kleine Ethnologie der wichtigsten Stämme des biblisch-orthodoxen Protestantismus:

Du fragst Dich wie man all diese vielen evangelikalen Stämme am besten voneinander unterscheiden kann? Nun hier ist eine ganz simple Einteilung in Form von Gegensätzen. Bei diesen Gegensätzen handelt es sich jedoch nicht um Landesgrenzen sondern nur um niederschwellige Stammesgrenzen. Leider vergeuden die biblisch-orthodoxen Stämme immer noch viel zu viel Zeit um sich gegenseitig zu bekämpfen anstatt gemeinsam die Landesgrenzen zu verteidigen. Ich werde Euch in den nächsten Blogpostings dieser Serie jeden Stamm im Detail erklären, verprochen! Hier jetzt erstmal eine Kurversion:

1. REFORMIERTE versus ARMINIANER [Folge 2]
Hier geht es um Fragen der Prädestination und des freien Willens des Menschen.
2. KOMPLEMENTARISTEN versus EGALITARISTEN  [Folge 3]
Hier geht es im Kern um die Frage ob Frauen in der Gemeinde lehren dürfen.
3. CONTINUATIONISTEN versus CESSATIONISTEN  [Folge 4]
Kernfrage: Haben die Wunderzeichen und Geistesgaben nach dem Tod des letzten Apostels aufgehört?
4. MISSIONAL versus FUNDAMENTAL   [Folge 5]
Mitglieder des Missionalen Stammes sehen sich als Missionare in der Kultur in der sie leben für Fundamentalisten ist es wichtig sich von der sie umgebenden säkularen Kultur abzusondern.

[Quelle: Mark Driscoll – A Call to Resurgence: Will Christianity Have a Funeral or a Future? Chapter 3: A New Reality. Tyndale House/Resurgence Publishing (2013)]

HossaTalk #82: Volle Zustimmung zum Querulatorischen Manifest von Jay

In HossaTalk #82 definieren Jens Stangenberg und Jay Friedrich eine neue Form von respektvoll-querulatorischem Umgang zwischen Evangelikalen aus progressivem und konservativem Lager ( Minute 38):
Jens Stangenberg: >> … ich finde, also ich schätze auch und ich finde, es ist konstruktiv, wenn man auch mit unterschiedlichen Positionen auch weiter ringt, also wenn man nicht zuviel harmonisiert oder integriert, sondern dass man auch sagt: wir wollen einen Diskurs, wir wollen [Jay: Ja unbedingt!] … konstruktive  Nummer, ähm mit gegenseitigem Respekt, ohne daß es so ne Vernichtung wird [Jay: genau!] … son Vernichtungskrieg wird  [Jay: genau.] …<<
Jay Friedrich: >> Ich bin voll für Querulantentum! [Jens: Ja!] Nur mal nebenbei gesagt. Ähh .. auch wenn das jetzt, wenn das jetzt jetzt eben klang, als wollte ich ei, ei, ei machen, gar nicht! [Jens: ja ja ja gut, aber …] Wir sind ja Querulanten! Also ähm ähm ich will als Querulant auch wahrgenommen werden. [Jens: Ja!] Und ich würde mir wünschen, dass die älteren Geschwister nicht sagen: „Ach Du Sch…. was reden die da wieder?“, sondern dass die sagen: „Ja geil … come on … bring it, Baby! [Jens: Ja ja .. ja ja klar!]  „Lass uns im Diskurs stehen, hey!“ Also ne! Was ham wir denn zu verlieren?<<

Also ich kann nur sagen Jay, Du sprichst allen konservativen Querulanten aus dem Herzen … nicht zuletzt mir selber! 🙂

Was ist nur aus der guten alten Emerging Church geworden?

Am 10.01.18 erschien im Baptist Standard unter dem Titel „Whatever happened to the Emerging Church?“ eine Art verspäteter Nachruf auf die Emerging Church von einem der dabei war: Dem Baptistenpastor Craig Nash.
Ich zitiere:

Wir haben uns oft beschrieben als Menschen die daran glauben, daß die Wahrheit über  der sprichwörtlichen Liberal-Konservaitven Spektrallinie schwebt. Wir lehnten es ab uns von alten Kategorien labeln zu lassen.
Aber wenn wir ehrlich zueinander sind, müssen wir zugeben, daß die Gravitationskräfte der letzten Dekade viele von uns hinuntergezogen hat in genau dieses Spektrum.
Einige von uns landeten dort wo wir losgesprungen sind – im konservativen Evangelikalismus – während die große Mehrheit, wenn sie überhaupt wieder auf der Linie des Glaubens gelandet sind einfach richtig altmodische Liberale geworden sind.

Was soll ich sagen … wie eine Bestätigung dieser Worte erwische ich doch tatsächlich genau einen Tag später Tobias Faix, wie er Zeitansage von Dorothee Sölle postet …

Wie stark und verwegen hat doch das emergente Abenteuer in Deutschland angefangen … aber heute? Wohin man auch schaut begnügen sich die einstigen Rebellen mit der Rolle des Nachlassverwalters eines langweiligen deutschen theologischen Liberalismus aus den siebziger Jahren, den sie dem ahnungslosen Nachwuchs evangelikaler Clans als „the next big thing“ verkaufen…

Zu spät um von den Südlichen Baptisten zu lernen?


Al Mohler ist der Präsident des Theologischen Seminars der Südlichen Baptisten in Louisville, Kentucky. Viele kennen meine Vorliebe für seine täglichen Briefings, in denen er  das Weltgeschehens aus einer Christlichen Weltsicht analysiert und die ich als Podcast jeden Morgen höre.

Auf dem Jahreskongress von Evangelium 21 konnte ich seinen spannenden Vortrag „Reformation heute – Was wir von den Südlichen Baptisten lernen können“ [deutsche Übersetzung bei NBuB] live hören und anschließend noch kurz mit ihm reden. Es geht in dem Vortrag um die bisher historisch einzigartige Erfahrung eine Denomination in der sich die Liberale Theologie ausgebreitet hatte wieder von dieser zu befreien. Ich erhalte zunehmend Zuschriften bzw. Kommentare, die davon ausgehen, dass es dafür in Deutschland bereits zu spät sein könnte, da die progressiven Netzwerke innerhalb der DEA bereits an allen wesentlichen Schaltstellen der Macht sitzen. Eine der besonders prägnanten Kommentare darf ich hier mit Erlaubnis des Autors veröffentlichen. Ihr findet ihn am Ende dieses Blog-Postings
Wie geht es nun weiter? Ist die DEA wirklich schon verloren? Meine Antwort findet ihr hier, aber ich möchte Euch alle ermutigen an dieser wichtigen Diskussion teilzunehmen. Egal zu welcher Antwort Ihr kommt … bildet eigene theologisch konservative  Netzwerke im evangelikalen Mittelbau, lehrt  Apologetik in Euren Hauskreisen und Euren Familien und unterstützt die Initiativen Evangelium 21 und Netzwerk für Bibel und Bekenntnis!

So hier nun der Hammer-Kommentar:
>>Lieber Reinhard, sieh mir nach, wenn ich Dich desillusionieren muss: Zwar ist bei Gott kein Ding unmöglich, aber menschlich gesprochen ist es ziemlich unwahrscheinlich, dass mit dieser Truppe hier irgendetwas in der Art von Mohlers Konterrevolution bei den SBs gelingen könnte, und der Grund ist ein ganz einfacher. Mohler & Co. konnten die SBs umkrempeln, weil die konterrevolutionäre Truppe von Gleichgesinnten insgesamt genügend groß war, um Stück für Stück Schlüsselpositionen in *einer* Denomination und vor allem an *der* großen theologischen Ausbildungsstätte, dem SBTS zu besetzen. Das war also eine Revolution von oben. Das auf D zu übertragen, ist vollkommen illusorisch, und zwar nicht, weil das Ganze einfach amerikanisch war (obwohl das auch eine Rolle spielt), sondern weil Du hier keine (frommen, konservativen, nenn sie wie Du willst) Leute hast, die in irgendeiner Denomination Schlüsselpositionen besetzen bzw. besetzen könnten, schon gar nicht in ausreichender Zahl und erst recht nicht an den Ausbildungsstätten. Verabschiede Dich lieber heute als morgen von der Vorstellung, so schön sie ist.<<

Wo wir sind, ist Mitte!

>>…Denn da, wo wir gerade sind, da ist die Mitte; und wer sich anders als wir selbst verhält, der muss schon gute Gründe haben.<<
Hans-Joachim Eckstein

Dieses „Eckstein-Gedicht“ ist für mich die wunderbare Beschreibung eines typischen evangelikalen Innengefühls einer ganzen Generation ehemals konservativer theologischer Weggefährten. Weggefährten, die sich in ihrer Jugend gemeinsam auf den Weg ins gelobte Land der liberalen Theologie gemacht haben. Eine Generation, die ihre Stärke auch heute noch aus ihren Netzwerken zieht.
Und so bewegen sich alle gemeinsam jeden Tag einen keinen Schritt weiter in Richtung des Zeitgeistes und haben dadurch das Gefühl sie stehen fest in der Mitte. So ist eine ganze vernetzte Generation von evangelikalen Theologen unterwegs durch die Zeit die sich gegenseitig wärmt, ermutigt, mitzieht und die sich selbstbewußt zuruft: Wo wir sind, ist Mitte!

Vom Post-Evangelismus zum Post-Christentum

Mir kommt es so vor, als wäre das entscheidende Band innerhalb der postevangelikalen Community die extreme Aversion gegenüber der evanglikalen Prägung in den ersten zwei Jahrzehnten ihrer eigenen Biographie. Diese Bindungsenergie wird aber für keine weiteren zwei Jahrzehnte mehr ausreichen. Nach der Entfremdung von ihren spirituellen Wurzel und Kraftquellen durch die liberale Theologie werden sich dann die meisten von ihnen mit einem profanen progressiven Säkularismus zufrieden geben … Die nächste Generation dagegen wird sich überhaupt nicht mehr dafür interessieren was ihre Eltern damals so tief geprägt hat und wird ohne Hoffnung auf Heil in alle geistigen Himmelsrichtungen eines post-christlichen Zeitalters zerstoben werden.

Jonas Erne: Warum werden Menschen zu Bibelkritikern?

Warum werden Menschen zu Bibelkritikern?

Wie kommt es, dass immer mehr Gemeindebünde von der Bibelkritik unterwandert und verseucht werden? Wie kommt es, dass auch immer mehr Evangelikale die Ergebnisse der bibelkritischen Theologie gut finden? Ich zähle im Folgenden einige Gründe auf (es gibt natürlich noch mehr), von denen ich denke, dass sie häufig dazu führen, dass sich Menschen der Bibelkritik öffnen.


Wie kommt es, dass immer mehr Gemeindebünde von der Bibelkritik unterwandert und verseucht werden? Wie kommt es, dass auch immer mehr Evangelikale die Ergebnisse der bibelkritischen Theologie gut finden? Ich zähle im Folgenden einige Gründe auf (es gibt natürlich noch mehr), von denen ich denke, dass sie häufig dazu führen, dass sich Menschen der Bibelkritik öffnen.

1. Der Wunsch, die Bibel besser zu verstehen
Ich glaube, dass der häufigste Grund derjenige ist, dass Menschen die Bibel noch besser verstehen möchten. Sie meinen, dass die Methoden der Naturwissenschaft auch bei der Bibel zu besserem Verständnis führen können. Wenn man den Lauf der Sterne besser erklären kann, indem man jede übernatürliche Beeinflussung ausschließt, dann könnte dasselbe ja auch für die menschliche Geschichte und das Verständnis der Bibel gelten. Der Wunsch führt leider oft so weit, dass man die Bibel besser verstehen will, als Jesus Christus sie verstanden hat. Jesus Christus hat das ganze Alte Testament als von Ihm persönlich durch Seinen Geist inspiriert und unfehlbar betrachtet. Wer mit Jesus gegen die Bibel argumentieren will, argumentiert mit Jesus gegen Jesus.

2. Der Wunsch, ein positives Gottesbild zu bekommen
Es gibt Menschen, die verzweifeln an ihrem Gottesbild, das sie angeblich aus der Bibel haben wollen, bei welchem sie aber manche biographischen Erlebnisse in bestimmte Begriffe der Bibel hineininterpretieren. Und nun meinen sie, dass die historisch-kritische Bibelauslegung ihnen helfen kann, mit ihren Gottesbildern klarzukommen. Zumeist sind diese sehr einseitig – und werden dann durch wiederum andere sehr einseitige, aber nun ins Gegenteil pervertierte Gottesbilder ersetzt. Ob das der Weisheit letzter Schluss ist, sei nun mal dahingestellt.

3. Der Wunsch, die eigenen Zweifel zu rechtfertigen
Häufig studieren Menschen Theologie, die von ihrem Charakter her schon immer alles gut überdacht und hinterfragt haben. Nun wird ihnen im Studium eine Reihe von Methoden geliefert, die ihnen helfen, ihren Zweifel nicht mehr als etwas Negatives, sondern als eine notwendige Voraussetzung für das theologische Arbeiten zu sehen. Damit wird der Zweifel vergötzt und zu einem falschen Zweck instrumentalisiert. Leider wird in vielen Gemeinden und Jugendkreisen auch heute noch vor dem Zweifel gewarnt. Hier sehe ich eine zum Teil berechtigte Komponente der universitären Theologie, dass sie versucht, den Studenten die Angst vor dem Zweifel zu nehmen. Leider fällt sie damit jedoch auf der anderen Seite vom Pferd, indem sie den Zweifel zur Methode macht (darüber wird in einem späteren Blogpost noch die Rede sein).

4. Der Wunsch, Menschen zu Jesus zu führen
Vielfach sind junge Menschen auch vom Wunsch beseelt, viele Menschen zu Jesus führen zu wollen, und das ist ein enorm wertvoller Wunsch. Doch dieser Wunsch kann auch dazu führen, dass Menschen versucht sind, die enge Pforte und den schmalen Weg breiter zu machen als Jesus sie gemacht hat. Das führt zu einer Umdeutung oder Vernachlässigung von echter Buße, Bekehrung und Wiedergeburt. Es wird zu einer billigen Gnade und einem verdrehten Evangelium, das psychologisch statt soteriologisch (die Erlösung betreffend) gedeutet wird. Der Mensch wird in den Mittelpunkt gestellt, während Gott an die Peripherie gedrängt wird. Theologie wird zur Anthropologie und das Evangelium zu einer Wunscherfüllungsmaschinerie menschlicher Sehnsüchte. Wer hingegen am altrauhen Evangelium von Gottes Zorn, Sünde, Buße, Himmel und Hölle, Erlösung und stellvertretendem Sühnopfer festhält, wird als Pharisäer abgestempelt, der dagegen versucht, die Messlatte möglichst hoch anzusetzen, um sich selbst besser und geliebter zu fühlen, indem alle anderen ausgegrenzt werden. Am Ende gilt Gottes Zorn nur noch jenen altmodischen Wörtlichverstehern, die nichts von der Bibel kapiert haben.

5. Der Wunsch nach Anerkennung
Das Streben nach Anerkennung
sitzt in jedem Menschen. Deshalb ist es auch so leicht, dem Druck der sogenannten „Wissenschaftlichkeit“ nachzugeben. Wer publizieren will, ist diesem Druck sehr schnell ausgesetzt. Wer lehren will, wird auch auf die Vorgaben der gerade herrschenden Vorstellung von Wissenschaftlichkeit geprüft. Da hier auf der universitären Ebene nun mal die historisch-kritische Methodik gehört, ergibt sich ein Teufelskreis von Lehrenden und Lernenden, der immer tiefer in den Strudel bibelkritischer Methodik hineinführt.

6. Der Wunsch, es sich nicht zu einfach zu machen
Das Leben ist kompliziert. Oder zumindest scheint es vielen Menschen kompliziert zu sein. (Mal Hand aufs Herz: Könnte es nicht sein, dass wir es uns oft selbst zu kompliziert machen?) Deshalb darf es im Leben auch keine einfachen Antworten geben. Alles muss mit einem „Ja, aber…“ versehen werden. Die historisch-kritische Methodik ist ein Arsenal an Möglichkeiten, wie man dabei vorgehen kann, um sich das Leben schwer zu machen. An die Stelle des einfachen, kindlichen Vertrauens in Gott und Sein Wort tritt ein neues, geradezu päpstlich-unfehlbares Lehramt der Bibelkritik, das für jedes Wehen des Zeitgeistes eine individuelle, diesen gleichsam aufnehmende, Antwort zu bieten hat. Das kostet viel Kraft, viel Zeit und viel Geld für Leerstellen – pardon: Lehrstellen – im universitären Bereich. Aber zumindest muss sich dann niemand den Vorwurf gefallen lassen, man würde es sich zu einfach machen.

7. Der Wunsch, selbständig denken zu wollen
„Das wird man ja wohl noch denken dürfen!“ „Die Gedanken sind frei!“ „Wir sind zur Freiheit unseres Denkens berufen!“ Die Vergötzung des menschlichen Verstandes, der sich selbst das Gesetz sein will, autonom, unabhängig von jeder äußeren Vorgabe, nimmt viele Züge an. Die historisch-kritischen Methoden bieten viele Werkzeuge, die dem Menschen helfen, in der Bibel zu finden, was sie von ihr zu finden erwarten. Überraschung hält sich in Grenzen, ist doch der Mensch auf sich selbst zurückgeworfen, wenn er sich zum Maßstab für das macht, was er finden will. Natürlich gibt es hin und wieder kleinere Überraschungen, die dann frenetisch gefeiert werden, als würden sie eine neue Reformation bedeuten. Doch nicht selten stellt sich nach etwas Nachdenken heraus, dass es sich lediglich um eine leicht abgeänderte Form eines Gedankens handelt, der schon vor Jahrhunderten geäußert, damals aber vor der Kirche abgelehnt wurde. Entsprechend ergeben sich dann Forderungen, man müsse diese früheren Personen rehabilitieren.

8. Der Wunsch, alles besser zu machen als frühere Generationen
Es ist gut, wenn Menschen aus früheren Fehlern zu lernen versuchen. Doch ist nicht alles ein Fehler, was heute als Fehler gesehen wird. Häufig ist der Wunsch nach Rebellion gegen alles Frühere Vater des Gedankens. Doch die Bibel macht klar, dass Rebellion eine Zaubereisünde ist (1Sam. 15:23). Die Idee, man sei besser als frühere Generationen führt zu Stolz und dem Denken, man sei besser als das Frühere. Hier wäre deutlich mehr Demut und eine bessere Kenntnis des Früheren vonnöten. Eng damit verbunden ist auch das Denken, man lebe heute in einer nie zuvor dagewesenen Zeit, die nach neuen Ideen und einer neuen Theologie verlange, die für die Menschen unserer Zeit annehmbar sei. Was dabei unter den Teppich gekehrt wird, ist die Tatsache, dass die echte, biblische, einzig und ewig gültige Wahrheit noch nie für die Menschen irgend einer Zeit annehmbar war. Sie war den Griechen eine Torheit und den Juden ein Anstoß. Das wird heute nicht anders sein. Den Modernen eine Torheit und den Postmodernen ein Anstoß. Davor müssen wir keine Angst haben, Jesus Christus ist derselbe, gestern, heute und in Ewigkeit.