Wo wir sind, ist Mitte!

>>…Denn da, wo wir gerade sind, da ist die Mitte; und wer sich anders als wir selbst verhält, der muss schon gute Gründe haben.<<
Hans-Joachim Eckstein

Dieses „Eckstein-Gedicht“ ist für mich die wunderbare Beschreibung eines typischen evangelikalen Innengefühls einer ganzen Generation ehemals konservativer theologischer Weggefährten. Weggefährten, die sich in ihrer Jugend gemeinsam auf den Weg ins gelobte Land der liberalen Theologie gemacht haben. Eine Generation, die ihre Stärke auch heute noch aus ihren Netzwerken zieht.
Und so bewegen sich alle gemeinsam jeden Tag einen keinen Schritt weiter in Richtung des Zeitgeistes und haben dadurch das Gefühl sie stehen fest in der Mitte. So ist eine ganze vernetzte Generation von evangelikalen Theologen unterwegs durch die Zeit die sich gegenseitig wärmt, ermutigt, mitzieht und die sich selbstbewußt zuruft: Wo wir sind, ist Mitte!

Nächstenliebe: Warum nicht mit der eigenen Mutter anfangen?

Diese Weihnachtspredigt von Christiane Quincke öffnet einem schlagartig die Augen für die eigene individualistische hypermoralische Generation: Wir „gehen unseren Weg“, lassen unsere Eltern allein zurück für ein Netz aus Patchwork-Beziehungen und die Sensationen urbaner Popkultur. Wir sind stolz auf unsere moralische Überlegenheit wegen der progressiven Haltung zu jedem Problem, welches der Staat für uns lösen soll.

Und nun kommen die Flüchtlinge und wir kämpfen darum, dass jeder den Umgang mit ihnen als Lackmus-Test für die Moralität unserer Gesellschaft zu sehen hat. Aber Hand aufs Christen-Herz, mehr als ein paar Gemeindekontakte, Soli-Veranstaltungen und Einladungen in unsere Szenekneipe kriegen wir doch nicht hin. Und woran liegt das? Eine hyperindividualistische hypermoralische Generation, die sich noch nicht mal mehr adäquat um die eigenen Eltern kümmert, ist doch vollkommen überfordert mit Flüchtlingen. Menschen, die wir in unsere Wohnungen aufnehmen und ihnen unsere kostbare Zeit tagtäglich widmen? Nein das machen wir ja noch nicht mal für unsere eigenen Eltern. Und so kommt es größtenteils nur zu ein paar Alibi-Aktionen, die man in der Predigt oder auf Facebook zum moralischen Distinktionsgewinn verwenden kann. Aber ansonsten ruft man der Staat soll das regeln und fühlt sich dadurch auf der moralisch überlegenen Seite.
Let’s face it: Wir sind eine Generation von Heuchlern und das muss sich ändern! Warum nicht bei der eigenen Mutter anfangen?