Vom Post-Evangelismus zum Post-Christentum

Mir kommt es so vor, als wäre das entscheidende Band innerhalb der postevangelikalen Community die extreme Aversion gegenüber der evanglikalen Prägung in den ersten zwei Jahrzehnten ihrer eigenen Biographie. Diese Bindungsenergie wird aber für keine weiteren zwei Jahrzehnte mehr ausreichen. Nach der Entfremdung von ihren spirituellen Wurzel und Kraftquellen durch die liberale Theologie werden sich dann die meisten von ihnen mit einem profanen progressiven Säkularismus zufrieden geben … Die nächste Generation dagegen wird sich überhaupt nicht mehr dafür interessieren was ihre Eltern damals so tief geprägt hat und wird ohne Hoffnung auf Heil in alle geistigen Himmelsrichtungen eines post-christlichen Zeitalters zerstoben werden.

Dr. Johannes Hartl @ HossaTalk #85

Dr. Johannes Hartl @ HossaTalk: Unglaublich wie sich dieser Prince Charming der theo-konservativen Reconquista mit ein paar popkulturell-biographischen Codes emotionalen Zutritt ins emergente Allerheiligste verschafft. Wie er diese happy-go-lucky-Stimmung aufbaut und die grauen Eminenzen dann ganz großartig mit Mystik (Jay) und Kunst (Gofi) in ihren vertrauten Lebenswelten abholt. Ganz en passant verbittet er sich unreflektierte AFD-Kritik (unwidersprochen von J&G!!!), um dann in einer dramatisch spitzenmäßig getimten Schlußszene den ganzen liberalen Palast zum Einsturz zu bringen. Wow!
https://www.youtube.com/watch?v=8pbdLqTh_x4&index=19&list=PLc89_7PzfoPDeN0H-MIGpVAM5xzCnbG57

P.s.: Für mich ist das theologisch natürlich ein Hype … Ganzheitlichkeit und Mystik brauch ich nicht und diese devote Ausrichtung nach theologischen Moden bei den Evangelikalen zeugt doch eigentlich nur von der eigenen theologischen Schwäche und Wurzellosigkeit. Aber Hartl ist ja auch ein Intellektueller einer ganz neuen Generation und diese Eleganz mit der er den Emergenten so im Vorbeigehen ihren postmodernen Tempel entweiht, das hat mich doch schon sehr beeindruckt.

Warum Pop-Gottesdienste wie FreshX zur Uncoolness verdammt sind …

Hier ist das Problem mit Pop@Kirche:
Die Produktzyklen von musikorientierten Subkulturen im Freien Westen sind mittlerweile so hochfrequent, dass heutzutage jede Debutanten-Generation von sich extrem relevant findenden Jung-Pastoren (z.B. FreshX) von den auf der popkulturellen Überholspur lebenden Zielgruppe der TwentySomething-Checkern der Szene für ihre bei Realisierung schon wieder vollkommen überholten Gottesdienst-Stile nur noch mitleidig belächelt werden.

Mein Rat für „kulturrelevante“ Gemeinden:
Konzentriert Euch auf die kritische Auseinandersetzung mit den geistigen und philosophischen Strömungen Eurer Zeit, die haben deutlich längere Lebenszyklen. Bringt Euren eigenen jungen Checkern Apologetik und christliche Worldview-Analyse bei und lasst sie mit diesen Werkzeugen dann öffentlich die angesagte Popkultur ihrer eigenen Generation analysieren.

Wie wird man WortHaus-Skeptiker?

>>“Meine Meinung steht fest, verwirren Sie mich bitte nicht mit Argumenten“, sagt so mancher Christ<< So beginnt ein Teaser für einen Worthaus-Kongreß vom 2.6.13

Ja, ja, die postmodernen Worthaus-Fundamentalisten lieben die multiplen, multipolaren Wahrheitswelten … und um sich dort so richtig klasse zu fühlen, brauchen sie ein paar fromme Deppen über die sie sich schenkelklopfend lustig machen können 🙂
Aber nicht so schnell …
… mich erinnert das an die weitverbreitere Religionsparabel „Gott ist wie ein Elefant und die Wahrheitssucher der Glaubensrichtungen verhalten sich wie blinde Elefantenforscher“…
… der eine hält den Schwanz und beschreibt den Elefanten als Schlange, der andere berührt das Bein und sagt ein Elefant ist wie ein Baum, der nächste fasst ihm am Ohr und sagt ein Elefant sei ein riesiger Fächer. Dieses Bild soll zeigen wie die verschiedenen Glaubensrichtungen immer nur ein Teil des Gottesbildes haben und wie arrogant und dogmatisch es sei, zu behaupten die volle Wahrheit über Gott zu haben. ABER: Die einzige Möglichkeit wie diese Parabel irgendeinen Sinn macht, ist doch daß der Parabelerzähler – in unserem Fall die postmoderne Worthaus-Priesterkaste – den ganzen Elefanten sieht. Wenn diese also konstatiert, alle Glaubensrichtungen sehen nur EINEN Teil der Wahrheit, nimmt sie für sich in Anspruch eine Sicht auf die Wahrheit zu haben, die KEIN ANDERER hat und macht sich damit ironischerweise derselben spirituellen Arroganz schuldig die sie uns konservativen Evangelikalen vorwirft. In anderen Worten: Zu sagen „alle Wahrheit ist relativ in Abhängigkeit zur Gruppe, der man angehört“ ist selbst ein Wahrheitsstatement, aber besonders tricky, weil es Nebelkerzen verwendet um sich selbst toleranter als den Rest darzustellen. Viele „open minded“ Worthaus-Jünger fühlen sich natürlich wesentlich erleuchteter als diejenigen, die weiter an absoluten Wahrheiten festhalten, ohne zu merken, daß sie sich in einem ebenso dogmatischen Glaubenssystem befinden wie alle anderen … vielleicht sogar in einem stärkeren … … wenn du also ein Postmoderner Worthaus-Jünger bist, dessen default mode der Relativismus ist, weil du Teil einer community bist, wo man sich auf dieses Glaubenssystem als „common sense“ geeinigt hat rate ich dir folgendes: SEI EIN SKEPTIKER … SCHAU DIR DEINEN EIGENEN POSTMODERNEN GLAUBEN AN … MIT DEM GLEICHEN KRITISCHEN APPARAT MIT DEM DU UNSEREN EVANGELIKAL-KONSERVATIVEN GLAUBEN BEURTEILST … 😎

Die Entstehung des modernen Opfer-Begriffes

Wer heute ein Opfer ist, möchte das auch bleiben. Niemand gibt freiwillig den Status des Opfers auf. Opfersein, bedeutet „Macht haben“. Wer kein Opfer ist, versinkt in die politische Bedeutungslosigkeit.
Wir haben uns an diese Tatsachen gewöhnt, aber wenn wir uns darüber Gedanken machen, werden sie fragwürdig. Und die erste Frage, die sich dabei stellt ist: wie konnte sich dieser auf den ersten Blick bizarre Opferbegriff entwickeln?

Die Anregung zu dem Thema erhielt ich durch ein „Bulletin“ des Institutes für Jugend und Gesellschaft, das unter dem Thema „Moderne Opferrhetorik“ stand.

Am meisten faszinierte mich ein Auszug aus dem Buch „Ich sah den Satan vom Himmel fallen“ von Rene Girard, der zuletzt an der Stanford Universität als Professor für französische Sprache, Literatur und Kultur tätig war.
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Die Hetzer als Opfer (oder das Diktat der Postmoderne)

„Am Anfang aller Linken Politik steht das Opfer. Jemand ist Unrecht widerfahren: Er wurde in seinen Rechten verletzt, ihm wurde vorenthalten, was ihm zusteht; man hat ihm den Respekt versagt, ihn beleidigt oder gedemütigt. (…) Nun geht es darum, Wiedergutmachung zu erlangen. Eine Kompensation für das Erlittene, eine Entschädigung. Das Opfer kann das nicht allein durchsetzen, es ist zu schwach, eben deshalb ist es ja zum Opfer geworden. Es braucht einen Interessenvertreter, einen Anwalt, der sich seiner annimmt und ihm zu seinem Recht verhilft. So kommt die Linke ins Spiel. (…) Die Linke war immer Anwalt der Schwachen, davon lebt ihr Ruf, darauf gründet ihr Selbstbild.“ (aus: Jan Fleischhauer, „Unter Linken“,Die Erfindung des Opfers – Die Linke bringt sich selbst in Stellung)

Ein eindrückliches Beispiel dafür wie man sich zum Anwalt vermeintlicher Opfer macht lieferte aktuell das NDR-Magazin Zapp. Hier der Link zu dem betreffenden Bericht:

NDR Zapp

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Vorzeichen des Umschlags

Die Ermordung der zwei deutschen Baptistinnen und das noch ungeklärte Schicksal der mit ihnen entführten fünfköpfigen Familie aus Sachsen sind für nicht wenige Teile der Medien ein willkommener Anlass zum Angriff auf Mission im Allgemeinen und evangelikale Missionare im Speziellen.

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Wie sinnvoll sind Nazi-Vorwürfe?

Nicht nur in Deutschland sondern auch in Amerika ist es ein beliebtes Mittel, unliebsame politische Gegner öffentlich zu beschädigen, indem man sie mit Nazis vergleicht. Es war zunächst ein Spiel der 68er, Nazis in allem und jedem zu finden, und es war nur fair, dass die Gegenseite dieses Spiel aufgriff. Auch Abtreibungsgegner sprechen (selten) vom „Babycaust“.
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Der Turmbau zu Babel

Die Geschichte vom Turmbau zu Babel steht in Genesis 11. Sie taucht zwar in fast jeder größeren Kinderbibel auf, wird jenseits des 7. Lebensjahres aber weder von Christen noch von Nicht-Christen viel beachtet . Dabei berichtet die Geschichte von einer hochinteressanten Phase, einer sehr frühen menschlichen Gesellschaft. Die Situation, in der sich die Menschen befanden, war überaus heikel:
Die Gruppe wuchs und begann, unübersichtlich zu werden. Vermutlich bildete sich schon auf einer sehr frühen Stufe so etwas wie Lokalpatriotismus, die Leute aus der Sippe X konnten die aus der Sippe Y nicht leiden, die Bauern hatten Vorbehalte gegenüber den Handwerkern und die Viehhirten gegenüber den Ackerbauern, die Sesshaften gegenüber denen, die eigentlich lieber weiterziehen wollten…
Bis zu diesem Zeitpunkt lebten alle in einer großen und immer größer werdenden Gruppe, aber nun wurde die Frage virulent, wie man den Zusammenhalt der Gemeinschaft sichern können würde. Denn, dass die Notwendigkeit bestand, haben die damaligen Oberhäupter offenbar so gesehen. Und man kann sich leicht vorstellen, welche Sorgen sie mit der Vorstellung eines Auseinanderbrechens der Gemeinschaft verbanden: wenn die Sippen nicht mehr zusammen halten würden, wären sie in kürzester Zeit befeindet. Diese Erfahrung dürften sie zu diesem Zeitpunkt schon gemacht haben. Die Menschen befanden sich außerhalb der Gemeinschaft im rechtsfreien Raum und ahnten wohl instinktiv, dass sie einander zum Wolf werden würden – zumindest außerhalb des Rudels.

Woher kam dieses ängstliche Zusammenglucken? „Der Turmbau zu Babel“ weiterlesen