Das THEOLOGISCH NEOKONSERVATIVE MANIFEST auf Hossa Talk #89

Wow! Was ist denn jetzt los? In der letzten HossaTalk-Folge#88 durfte Gofis Bruder Strassenmissionar  und Biblipedia-Follower Johannes Müller eine ganze Sendung lang über eine Straßenmissions-Erweckung in Bremen sprechen. Anschließend disst sich Gofi die ganze Woche teilweise bis in den Fieberwahn hinein mit einer postevangelikalen HossaTalk-Community, die diese Folge als echten Affront sieht und verteidigt seinen Bruder. Junge, Junge!

Wechselt Gofi – ein Stammesführer des Post-Evangelikalismus – womöglich gerade die Fronten und läuft zum theologischen Neokonservativismus über? Ich hatte das ja für einen Teil der Bewegung vorausgesagt und OrthodoxPop.de ist auch das Format, welches diesen Prozeß aus der pop-journalistischen Perspektive begleiten soll … Aber dass der Zerfallsprozeß der Postevangelikalen gerade in dessen Kreativ-Zentrum HossaTalk beginnen sollte, war eigentlich nicht so vorgesehen 😉

Jedenfalls formuliert Gofi  auf HossaTalk#89 [52:02-52:40] nicht mehr und nicht weniger als das THEOLOGISCH NEOKONSERVATIVE MANIFEST:

>>Ich hätte gerne alte Dinge, ich hätte gerne Erkenntnisse, Grundlagen, die sich schon über einen langen Zeitraum bewährt haben. Ich hab überhaupt kein Interesse daran das Evangelium und die Liturgie neu zu formulieren. Ich hab da kein Bock drauf. Ich hab keinen Bock auf neue Gebetstexte und neue Lieder und neue Gottesdienstformen und neue Liturgien und so, die wir uns dann beim Spazieren gehen alle gegenseitig vorsingen. Ich hab da kein Bock drauf. Was ich gerne möchte ist, etwas das bewiesen hat, dass es bleibt! Da hab ich Bock drauf!<<

WOW! Welcome Back! 🙂

Jackson 5 – I want you back:

Oh baby, I was blind to let you go
But now since I’ve seen you it is on
(I want you back)
Spare me of this cost
(I want you back)
Give me back what I lost!

Christlicher Tribalismus: 1. Stämme des Biblisch-Orthodoxen Protestantismus

Du bist jetzt kein Christ mehr, sondern nur noch agnostischer Skeptiker? Und Du das erste Mitglied eines ehrwürdigen christlichen Familienclans, das mit all dem überhaupt nix mehr zu tun haben will? Hi young folks! OK so wollt Ihr nun auch nicht genannt werden … Ihr seid ja nicht mehr in der Jungschar! OK dudes, machen wir weiter: Beide seid Ihr also genervt davon, dass innerhalb der konservativen Protestanten  dieser ständige Bürgerkrieg herrscht? Euch fehlt der Überblick über all die vielen Denominationen und sie interessieren Euch eigentlich auch schon gar nicht mehr? „Das sind unsere Bekenntnisse – ohne die läuft gar nichts!“ … „Das ist unser Worship-Style! Wie wollt Ihr denn ohne uns in die Gemeinschaft des Heiligen Geistes kommen?“ All das nervt Dich nur noch und hat nix mehr mit Deiner Welt dort draußen zu tun? Nun, dann komme ich ja gerade rechtzeitig mit meiner Landkarte der Vereinigten Stämme biblisch-orthodoxer Protestanten, um mal Licht in diesen evangelikalen Dschungel zu bringen und Dir vielleicht Deine erste geistliche Liebe wieder soweit näher zu bringen, daß Du wenigsten darüber schmunzeln kannst. Wäre ja schon mal ein Anfang 🙂

Peter Bjorn And John – Young Folks:

… and we don’t care about the young folks
talkin‘ ‚bout the young style
and we don’t care about the old folks
talkin‘ ‚bout the old style too
and we don’t care about their own faults
talkin‘ ‚bout our own style
all we care ‚bout is talking
talking only me and you

I. Tribes – Was ist das denn?
Tribalismus bezeichnet übrigens eine Sichtweise der Gesellschaft als eine Menge kleinerer Gemeinschaften bzw. Stämme (engl. tribes). Seth Godin ein großer Stammesführer innerhalb der Welt der Business-Nerds hat in seinem 2008 erschienen Buch „Tribes“ Stämme im Internetzeitalter folgendermaßen definiert:
>>Ein Stamm (engl. Tribe) ist eine Gruppe von Menschen, die untereinander, mit einem Anführer und über eine Idee miteinander verbunden sind. Seit Millionen von Jahren sind Menschen Teil von Stämmen. Eine Gruppe braucht nur zwei Dinge um ein Stamm zu sein: ein gemeinsames Interesse und ein Kommunikationskanal<<

II. Stammesmerkmale evangelikaler Stämme:
Spezifische Stammesüberzeugungen und Essentials der Stammeskultur werden im Stamm durch Stammeskommunikation bestimmt, geklärt und multipliziert. Sie sind die Überzeugungen die die Stammesgrenzen definieren
1. Bibelübersetzungen: Manchmal kann ein Stamm schon an der üblicherweise verwendeten  Bibelübersetzung erkannt werden (z.B. Lutherbibel, Elberfelder Bibel, Schlachter-2000, Bibel in gerechter Sprache, Volxbibel)
2. Bekenntnisse: Diese Statements bringen die Überzeugungen des Stammes auf den Punkt und helfen zu klären wer sich innerhalb und außerhalb der Grenzen des Stammes befindet.
3. Bücher und Verlage: Literatur ist immer noch eines der wirksamsten Mittel zur Weitergabe und Verbreitung der Stammes-Essentials. Reformierte haben Bethanien, CLV oder seit neuestem den 3L-Verlag, während der progressiv-emergente Mainstream der deutschen Evangelikalen Francke oder den Brendow-Verlag bevorzugen.
4. Ausbildungsstätten: Innerhalb jedes Stammes dienen christliche Ausbildungsstätten, Bibelschulen, Seminare und andere Schulen als Torwächter, um zu bestimmen, was zukünftige Führer glauben und letztendlich tun werden. Sie sind die Schlüsselkomponente für den Schutz und die Förderung der Kernverpflichtungen eines Stammes.
5. Konferenzen: Konferenzen dienen der Stammesselbstvergewisserung und dem Austausch neuester Stammes-Entwicklungen und -ideen. Ein Stammesführer dient oft als Gastgeber der Veranstaltung und lädt diejenigen Sprecher ein, die die Stammes-Essentials am besten rüberbringen können. In Deutschland heissen diese Konferenzen Willow ( Stammesfüher Bill Hybels) oder MEHR (Stammesführer Johannes Hartl – ohh Sonderfall: ein Katholik … mehr dazu später )

III. Gemeinsame Stammesüberzeugungen der Vereinigten Stämme des biblisch-orthodoxen Protestantismus:
Seit 2016 haben sie eine neue Verfassung. Das Kommuniqué des Netzwerks für Bibel und Bekenntnis vom 23. Januar 2016, das aus dem großen Diener-Parzany-Disput über Akzeptanz Homosexueller als Mitarbeiter evangelikaler Gemeinden hervorging. Wichtig: Hierbei handelt es sich um nationale Grenzen wer hier nicht übereinstimmt ist nicht mehr in einem benachbartem Stamm, sondern in einem andern Land.

Folgende Punkte werden dort als nicht verhandelbar dargestellt:

  • die Autorität der Bibel als Wort Gottes und höchste Norm für Glauben und Leben,
  • dass Jesus Christus der einzige Weg zum Heil ist,
  • dass Gott durch den stellvertretenden Tod Jesu am Kreuz und seine Auferstehung die Welt mit sich versöhnt hat,
  • dass zur Offenbarung Gottes die Gottebenbildlichkeit des Menschen mit der Polarität und Gemeinschaft von Mann und Frau gehört,
  • dass die Gebote Gottes auch heute die gültigen Maßstäbe für das Leben der Christen und der Gemeinden sind.

Nicht verhandelbar sind weiterhin die Autorität folgender Bekenntnisschriften:

IV. Kleine Ethnologie der wichtigsten Stämme des biblisch-orthodoxen Protestantismus:

Du fragst Dich wie man all diese vielen evangelikalen Stämme am besten voneinander unterscheiden kann? Nun hier ist eine ganz simple Einteilung in Form von Gegensätzen. Bei diesen Gegensätzen handelt es sich jedoch nicht um Landesgrenzen sondern nur um niederschwellige Stammesgrenzen. Leider vergeuden die biblisch-orthodoxen Stämme immer noch viel zu viel Zeit um sich gegenseitig zu bekämpfen anstatt gemeinsam die Landesgrenzen zu verteidigen. Ich werde Euch in den nächsten Blogpostings dieser Serie jeden Stamm im Detail erklären, verprochen! Hier jetzt erstmal eine Kurversion:

1. REFORMIERTE versus ARMINIANER [Folge 2]
Hier geht es um Fragen der Prädestination und des freien Willens des Menschen.
2. KOMPLEMENTARISTEN versus EGALITARISTEN  [Folge 3]
Hier geht es im Kern um die Frage ob Frauen in der Gemeinde lehren dürfen.
3. CONTINUATIONISTEN versus CESSATIONISTEN  [Folge 4]
Kernfrage: Haben die Wunderzeichen und Geistesgaben nach dem Tod des letzten Apostels aufgehört?
4. MISSIONAL versus FUNDAMENTAL   [Folge 5]
Mitglieder des Missionalen Stammes sehen sich als Missionare in der Kultur in der sie leben für Fundamentalisten ist es wichtig sich von der sie umgebenden säkularen Kultur abzusondern.

[Quelle: Mark Driscoll – A Call to Resurgence: Will Christianity Have a Funeral or a Future? Chapter 3: A New Reality. Tyndale House/Resurgence Publishing (2013)]

HossaTalk #82: Volle Zustimmung zum Querulatorischen Manifest von Jay

In HossaTalk #82 definieren Jens Stangenberg und Jay Friedrich eine neue Form von respektvoll-querulatorischem Umgang zwischen Evangelikalen aus progressivem und konservativem Lager ( Minute 38):
Jens Stangenberg: >> … ich finde, also ich schätze auch und ich finde, es ist konstruktiv, wenn man auch mit unterschiedlichen Positionen auch weiter ringt, also wenn man nicht zuviel harmonisiert oder integriert, sondern dass man auch sagt: wir wollen einen Diskurs, wir wollen [Jay: Ja unbedingt!] … konstruktive  Nummer, ähm mit gegenseitigem Respekt, ohne daß es so ne Vernichtung wird [Jay: genau!] … son Vernichtungskrieg wird  [Jay: genau.] …<<
Jay Friedrich: >> Ich bin voll für Querulantentum! [Jens: Ja!] Nur mal nebenbei gesagt. Ähh .. auch wenn das jetzt, wenn das jetzt jetzt eben klang, als wollte ich ei, ei, ei machen, gar nicht! [Jens: ja ja ja gut, aber …] Wir sind ja Querulanten! Also ähm ähm ich will als Querulant auch wahrgenommen werden. [Jens: Ja!] Und ich würde mir wünschen, dass die älteren Geschwister nicht sagen: „Ach Du Sch…. was reden die da wieder?“, sondern dass die sagen: „Ja geil … come on … bring it, Baby! [Jens: Ja ja .. ja ja klar!]  „Lass uns im Diskurs stehen, hey!“ Also ne! Was ham wir denn zu verlieren?<<

Also ich kann nur sagen Jay, Du sprichst allen konservativen Querulanten aus dem Herzen … nicht zuletzt mir selber! 🙂

Was ist nur aus der guten alten Emerging Church geworden?

Am 10.01.18 erschien im Baptist Standard unter dem Titel „Whatever happened to the Emerging Church?“ eine Art verspäteter Nachruf auf die Emerging Church von einem der dabei war: Dem Baptistenpastor Craig Nash.
Ich zitiere:

Wir haben uns oft beschrieben als Menschen die daran glauben, daß die Wahrheit über  der sprichwörtlichen Liberal-Konservaitven Spektrallinie schwebt. Wir lehnten es ab uns von alten Kategorien labeln zu lassen.
Aber wenn wir ehrlich zueinander sind, müssen wir zugeben, daß die Gravitationskräfte der letzten Dekade viele von uns hinuntergezogen hat in genau dieses Spektrum.
Einige von uns landeten dort wo wir losgesprungen sind – im konservativen Evangelikalismus – während die große Mehrheit, wenn sie überhaupt wieder auf der Linie des Glaubens gelandet sind einfach richtig altmodische Liberale geworden sind.

Was soll ich sagen … wie eine Bestätigung dieser Worte erwische ich doch tatsächlich genau einen Tag später Tibias Faix, wie er Zeitansage von Dorothee Sölle postet …

Wie stark und verwegen hat doch das emergente Abenteuer in Deutschland angefangen … aber heute? Wohin man auch schaut begnügen sich die einstigen Rebellen mit der Rolle des Nachlassverwalters eines langweiligen deutschen theologischen Liberalismus aus den siebziger Jahren, den sie dem ahnungslosen Nachwuchs evangelikaler Clans als „the next big thing“ verkaufen…

Zu spät um von den Südlichen Baptisten zu lernen?


Al Mohler ist der Präsident des Theologischen Seminars der Südlichen Baptisten in Louisville, Kentucky. Viele kennen meine Vorliebe für seine täglichen Briefings, in denen er  das Weltgeschehens aus einer Christlichen Weltsicht analysiert und die ich als Podcast jeden Morgen höre.

Auf dem Jahreskongress von Evangelium 21 konnte ich seinen spannenden Vortrag „Reformation heute – Was wir von den Südlichen Baptisten lernen können“ [deutsche Übersetzung bei NBuB] live hören und anschließend noch kurz mit ihm reden. Es geht in dem Vortrag um die bisher historisch einzigartige Erfahrung eine Denomination in der sich die Liberale Theologie ausgebreitet hatte wieder von dieser zu befreien. Ich erhalte zunehmend Zuschriften bzw. Kommentare, die davon ausgehen, dass es dafür in Deutschland bereits zu spät sein könnte, da die progressiven Netzwerke innerhalb der DEA bereits an allen wesentlichen Schaltstellen der Macht sitzen. Eine der besonders prägnanten Kommentare darf ich hier mit Erlaubnis des Autors veröffentlichen. Ihr findet ihn am Ende dieses Blog-Postings
Wie geht es nun weiter? Ist die DEA wirklich schon verloren? Meine Antwort findet ihr hier, aber ich möchte Euch alle ermutigen an dieser wichtigen Diskussion teilzunehmen. Egal zu welcher Antwort Ihr kommt … bildet eigene theologisch konservative  Netzwerke im evangelikalen Mittelbau, lehrt  Apologetik in Euren Hauskreisen und Euren Familien und unterstützt die Initiativen Evangelium 21 und Netzwerk für Bibel und Bekenntnis!

So hier nun der Hammer-Kommentar:
>>Lieber Reinhard, sieh mir nach, wenn ich Dich desillusionieren muss: Zwar ist bei Gott kein Ding unmöglich, aber menschlich gesprochen ist es ziemlich unwahrscheinlich, dass mit dieser Truppe hier irgendetwas in der Art von Mohlers Konterrevolution bei den SBs gelingen könnte, und der Grund ist ein ganz einfacher. Mohler & Co. konnten die SBs umkrempeln, weil die konterrevolutionäre Truppe von Gleichgesinnten insgesamt genügend groß war, um Stück für Stück Schlüsselpositionen in *einer* Denomination und vor allem an *der* großen theologischen Ausbildungsstätte, dem SBTS zu besetzen. Das war also eine Revolution von oben. Das auf D zu übertragen, ist vollkommen illusorisch, und zwar nicht, weil das Ganze einfach amerikanisch war (obwohl das auch eine Rolle spielt), sondern weil Du hier keine (frommen, konservativen, nenn sie wie Du willst) Leute hast, die in irgendeiner Denomination Schlüsselpositionen besetzen bzw. besetzen könnten, schon gar nicht in ausreichender Zahl und erst recht nicht an den Ausbildungsstätten. Verabschiede Dich lieber heute als morgen von der Vorstellung, so schön sie ist.<<

Wo wir sind, ist Mitte!

>>…Denn da, wo wir gerade sind, da ist die Mitte; und wer sich anders als wir selbst verhält, der muss schon gute Gründe haben.<<
Hans-Joachim Eckstein

Dieses „Eckstein-Gedicht“ ist für mich die wunderbare Beschreibung eines typischen evangelikalen Innengefühls einer ganzen Generation ehemals konservativer theologischer Weggefährten. Weggefährten, die sich in ihrer Jugend gemeinsam auf den Weg ins gelobte Land der liberalen Theologie gemacht haben. Eine Generation, die ihre Stärke auch heute noch aus ihren Netzwerken zieht.
Und so bewegen sich alle gemeinsam jeden Tag einen keinen Schritt weiter in Richtung des Zeitgeistes und haben dadurch das Gefühl sie stehen fest in der Mitte. So ist eine ganze vernetzte Generation von evangelikalen Theologen unterwegs durch die Zeit die sich gegenseitig wärmt, ermutigt, mitzieht und die sich selbstbewußt zuruft: Wo wir sind, ist Mitte!

Nächstenliebe: Warum nicht mit der eigenen Mutter anfangen?

Diese Weihnachtspredigt von Christiane Quincke öffnet einem schlagartig die Augen für die eigene individualistische hypermoralische Generation: Wir „gehen unseren Weg“, lassen unsere Eltern allein zurück für ein Netz aus Patchwork-Beziehungen und die Sensationen urbaner Popkultur. Wir sind stolz auf unsere moralische Überlegenheit wegen der progressiven Haltung zu jedem Problem, welches der Staat für uns lösen soll.

Und nun kommen die Flüchtlinge und wir kämpfen darum, dass jeder den Umgang mit ihnen als Lackmus-Test für die Moralität unserer Gesellschaft zu sehen hat. Aber Hand aufs Christen-Herz, mehr als ein paar Gemeindekontakte, Soli-Veranstaltungen und Einladungen in unsere Szenekneipe kriegen wir doch nicht hin. Und woran liegt das? Eine hyperindividualistische hypermoralische Generation, die sich noch nicht mal mehr adäquat um die eigenen Eltern kümmert, ist doch vollkommen überfordert mit Flüchtlingen. Menschen, die wir in unsere Wohnungen aufnehmen und ihnen unsere kostbare Zeit tagtäglich widmen? Nein das machen wir ja noch nicht mal für unsere eigenen Eltern. Und so kommt es größtenteils nur zu ein paar Alibi-Aktionen, die man in der Predigt oder auf Facebook zum moralischen Distinktionsgewinn verwenden kann. Aber ansonsten ruft man der Staat soll das regeln und fühlt sich dadurch auf der moralisch überlegenen Seite.
Let’s face it: Wir sind eine Generation von Heuchlern und das muss sich ändern! Warum nicht bei der eigenen Mutter anfangen?

Vom Post-Evangelismus zum Post-Christentum

Mir kommt es so vor, als wäre das entscheidende Band innerhalb der postevangelikalen Community die extreme Aversion gegenüber der evanglikalen Prägung in den ersten zwei Jahrzehnten ihrer eigenen Biographie. Diese Bindungsenergie wird aber für keine weiteren zwei Jahrzehnte mehr ausreichen. Nach der Entfremdung von ihren spirituellen Wurzel und Kraftquellen durch die liberale Theologie werden sich dann die meisten von ihnen mit einem profanen progressiven Säkularismus zufrieden geben … Die nächste Generation dagegen wird sich überhaupt nicht mehr dafür interessieren was ihre Eltern damals so tief geprägt hat und wird ohne Hoffnung auf Heil in alle geistigen Himmelsrichtungen eines post-christlichen Zeitalters zerstoben werden.

Dr. Johannes Hartl @ HossaTalk #85

Dr. Johannes Hartl @ HossaTalk: Unglaublich wie sich dieser Prince Charming der theo-konservativen Reconquista mit ein paar popkulturell-biographischen Codes emotionalen Zutritt ins emergente Allerheiligste verschafft. Wie er diese happy-go-lucky-Stimmung aufbaut und die grauen Eminenzen dann ganz großartig mit Mystik (Jay) und Kunst (Gofi) in ihren vertrauten Lebenswelten abholt. Ganz en passant verbittet er sich unreflektierte AFD-Kritik (unwidersprochen von J&G!!!), um dann in einer dramatisch spitzenmäßig getimten Schlußszene den ganzen liberalen Palast zum Einsturz zu bringen. Wow!

P.s.: Für mich ist das theologisch natürlich ein Hype … Ganzheitlichkeit und Mystik brauch ich nicht und diese devote Ausrichtung nach theologischen Moden bei den Evangelikalen zeugt doch eigentlich nur von der eigenen theologischen Schwäche und Wurzellosigkeit. Aber Hartl ist ja auch ein Intellektueller einer ganz neuen Generation und diese Eleganz mit der er den Emergenten so im Vorbeigehen ihren postmodernen Tempel entweiht, das hat mich doch schon sehr beeindruckt.

Warum Pop-Gottesdienste wie FreshX zur Uncoolness verdammt sind …

Hier ist das Problem mit Pop@Kirche:
Die Produktzyklen von musikorientierten Subkulturen im Freien Westen sind mittlerweile so hochfrequent, dass heutzutage jede Debutanten-Generation von sich extrem relevant findenden Jung-Pastoren (z.B. FreshX) von den auf der popkulturellen Überholspur lebenden Zielgruppe der TwentySomething-Checkern der Szene für ihre bei Realisierung schon wieder vollkommen überholten Gottesdienst-Stile nur noch mitleidig belächelt werden.

Mein Rat für „kulturrelevante“ Gemeinden:
Konzentriert Euch auf die kritische Auseinandersetzung mit den geistigen und philosophischen Strömungen Eurer Zeit, die haben deutlich längere Lebenszyklen. Bringt Euren eigenen jungen Checkern Apologetik und christliche Worldview-Analyse bei und lasst sie mit diesen Werkzeugen dann öffentlich die angesagte Popkultur ihrer eigenen Generation analysieren.