HossaTalk #82: Volle Zustimmung zum Querulatorischen Manifest von Jay

In HossaTalk #82 definieren Jens Stangenberg und Jay Friedrich eine neue Form von respektvoll-querulatorischem Umgang zwischen Evangelikalen aus progressivem und konservativem Lager ( Minute 38):
Jens Stangenberg: >> … ich finde, also ich schätze auch und ich finde, es ist konstruktiv, wenn man auch mit unterschiedlichen Positionen auch weiter ringt, also wenn man nicht zuviel harmonisiert oder integriert, sondern dass man auch sagt: wir wollen einen Diskurs, wir wollen [Jay: Ja unbedingt!] … konstruktive  Nummer, ähm mit gegenseitigem Respekt, ohne daß es so ne Vernichtung wird [Jay: genau!] … son Vernichtungskrieg wird  [Jay: genau.] …<<
Jay Friedrich: >> Ich bin voll für Querulantentum! [Jens: Ja!] Nur mal nebenbei gesagt. Ähh .. auch wenn das jetzt, wenn das jetzt jetzt eben klang, als wollte ich ei, ei, ei machen, gar nicht! [Jens: ja ja ja gut, aber …] Wir sind ja Querulanten! Also ähm ähm ich will als Querulant auch wahrgenommen werden. [Jens: Ja!] Und ich würde mir wünschen, dass die älteren Geschwister nicht sagen: „Ach Du Sch…. was reden die da wieder?“, sondern dass die sagen: „Ja geil … come on … bring it, Baby! [Jens: Ja ja .. ja ja klar!]  „Lass uns im Diskurs stehen, hey!“ Also ne! Was ham wir denn zu verlieren?<<

Also ich kann nur sagen Jay, Du sprichst allen konservativen Querulanten aus dem Herzen … nicht zuletzt mir selber! 🙂

Was ist nur aus der guten alten Emerging Church geworden?

Am 10.01.18 erschien im Baptist Standard unter dem Titel „Whatever happened to the Emerging Church?“ eine Art verspäteter Nachruf auf die Emerging Church von einem der dabei war: Dem Baptistenpastor Craig Nash.
Ich zitiere:

Wir haben uns oft beschrieben als Menschen die daran glauben, daß die Wahrheit über  der sprichwörtlichen Liberal-Konservaitven Spektrallinie schwebt. Wir lehnten es ab uns von alten Kategorien labeln zu lassen.
Aber wenn wir ehrlich zueinander sind, müssen wir zugeben, daß die Gravitationskräfte der letzten Dekade viele von uns hinuntergezogen hat in genau dieses Spektrum.
Einige von uns landeten dort wo wir losgesprungen sind – im konservativen Evangelikalismus – während die große Mehrheit, wenn sie überhaupt wieder auf der Linie des Glaubens gelandet sind einfach richtig altmodische Liberale geworden sind.

Was soll ich sagen … wie eine Bestätigung dieser Worte erwische ich doch tatsächlich genau einen Tag später Tobias Faix, wie er Zeitansage von Dorothee Sölle postet …

Wie stark und verwegen hat doch das emergente Abenteuer in Deutschland angefangen … aber heute? Wohin man auch schaut begnügen sich die einstigen Rebellen mit der Rolle des Nachlassverwalters eines langweiligen deutschen theologischen Liberalismus aus den siebziger Jahren, den sie dem ahnungslosen Nachwuchs evangelikaler Clans als „the next big thing“ verkaufen…

Zu spät um von den Südlichen Baptisten zu lernen?


Al Mohler ist der Präsident des Theologischen Seminars der Südlichen Baptisten in Louisville, Kentucky. Viele kennen meine Vorliebe für seine täglichen Briefings, in denen er  das Weltgeschehens aus einer Christlichen Weltsicht analysiert und die ich als Podcast jeden Morgen höre.

Auf dem Jahreskongress von Evangelium 21 konnte ich seinen spannenden Vortrag „Reformation heute – Was wir von den Südlichen Baptisten lernen können“ [deutsche Übersetzung bei NBuB] live hören und anschließend noch kurz mit ihm reden. Es geht in dem Vortrag um die bisher historisch einzigartige Erfahrung eine Denomination in der sich die Liberale Theologie ausgebreitet hatte wieder von dieser zu befreien. Ich erhalte zunehmend Zuschriften bzw. Kommentare, die davon ausgehen, dass es dafür in Deutschland bereits zu spät sein könnte, da die progressiven Netzwerke innerhalb der DEA bereits an allen wesentlichen Schaltstellen der Macht sitzen. Eine der besonders prägnanten Kommentare darf ich hier mit Erlaubnis des Autors veröffentlichen. Ihr findet ihn am Ende dieses Blog-Postings
Wie geht es nun weiter? Ist die DEA wirklich schon verloren? Meine Antwort findet ihr hier, aber ich möchte Euch alle ermutigen an dieser wichtigen Diskussion teilzunehmen. Egal zu welcher Antwort Ihr kommt … bildet eigene theologisch konservative  Netzwerke im evangelikalen Mittelbau, lehrt  Apologetik in Euren Hauskreisen und Euren Familien und unterstützt die Initiativen Evangelium 21 und Netzwerk für Bibel und Bekenntnis!

So hier nun der Hammer-Kommentar:
>>Lieber Reinhard, sieh mir nach, wenn ich Dich desillusionieren muss: Zwar ist bei Gott kein Ding unmöglich, aber menschlich gesprochen ist es ziemlich unwahrscheinlich, dass mit dieser Truppe hier irgendetwas in der Art von Mohlers Konterrevolution bei den SBs gelingen könnte, und der Grund ist ein ganz einfacher. Mohler & Co. konnten die SBs umkrempeln, weil die konterrevolutionäre Truppe von Gleichgesinnten insgesamt genügend groß war, um Stück für Stück Schlüsselpositionen in *einer* Denomination und vor allem an *der* großen theologischen Ausbildungsstätte, dem SBTS zu besetzen. Das war also eine Revolution von oben. Das auf D zu übertragen, ist vollkommen illusorisch, und zwar nicht, weil das Ganze einfach amerikanisch war (obwohl das auch eine Rolle spielt), sondern weil Du hier keine (frommen, konservativen, nenn sie wie Du willst) Leute hast, die in irgendeiner Denomination Schlüsselpositionen besetzen bzw. besetzen könnten, schon gar nicht in ausreichender Zahl und erst recht nicht an den Ausbildungsstätten. Verabschiede Dich lieber heute als morgen von der Vorstellung, so schön sie ist.<<

Wo wir sind, ist Mitte!

>>…Denn da, wo wir gerade sind, da ist die Mitte; und wer sich anders als wir selbst verhält, der muss schon gute Gründe haben.<<
Hans-Joachim Eckstein

Dieses „Eckstein-Gedicht“ ist für mich die wunderbare Beschreibung eines typischen evangelikalen Innengefühls einer ganzen Generation ehemals konservativer theologischer Weggefährten. Weggefährten, die sich in ihrer Jugend gemeinsam auf den Weg ins gelobte Land der liberalen Theologie gemacht haben. Eine Generation, die ihre Stärke auch heute noch aus ihren Netzwerken zieht.
Und so bewegen sich alle gemeinsam jeden Tag einen keinen Schritt weiter in Richtung des Zeitgeistes und haben dadurch das Gefühl sie stehen fest in der Mitte. So ist eine ganze vernetzte Generation von evangelikalen Theologen unterwegs durch die Zeit die sich gegenseitig wärmt, ermutigt, mitzieht und die sich selbstbewußt zuruft: Wo wir sind, ist Mitte!