Vom Post-Evangelismus zum Post-Christentum

Mir kommt es so vor, als wäre das entscheidende Band innerhalb der postevangelikalen Community die extreme Aversion gegenüber der evanglikalen Prägung in den ersten zwei Jahrzehnten ihrer eigenen Biographie. Diese Bindungsenergie wird aber für keine weiteren zwei Jahrzehnte mehr ausreichen. Nach der Entfremdung von ihren spirituellen Wurzel und Kraftquellen durch die liberale Theologie werden sich dann die meisten von ihnen mit einem profanen progressiven Säkularismus zufrieden geben … Die nächste Generation dagegen wird sich überhaupt nicht mehr dafür interessieren was ihre Eltern damals so tief geprägt hat und wird ohne Hoffnung auf Heil in alle geistigen Himmelsrichtungen eines post-christlichen Zeitalters zerstoben werden.

Autor: Reinhard Jarka

Reinhard Jarka, * 1963, Arzt & postprogressiver PopKonservativer, wiederverheiratet, fünf Kinder, Blogger & Indie-DJ, Pop-Journalist, Content-Manager, ehemaliger Chefredakteur HOS multimedica (Bertelsmann/Springer) Kindheit und Jugend im nordhessischen Pietismus, dann 15 Jahre postevangelikaler Skeptiker, Wiedereinstieg als Charismatiker mit anschließender Ernüchterung durch Reformierte Theologie (New Reformed: Piper, Driscoll, Keller), 2012 erstmals Teilnahme am "Evangelium 21"-Kongress in Hamburg. Aktuell Mitglied EKD-Gemeinde Brück bei Pfarrer Helmut Kautz und Besuch der LKG Werder. Seit 2017 Mitglied beim "Netzwerk für Bibel und Bekenntnis"

2 Gedanken zu „Vom Post-Evangelismus zum Post-Christentum“

  1. Danke. Erschreckend wahr. Wobei der sog. Evangelikalismus wohl auch solch ein Abgrenzungsgebilde ist. Warum nicht evangelisch? Oder einfach Christ? Ich lebte in den ersten 2,5 Jahrzehnten meines Lebens in der DDR. Da gab es keine Evangelikalen (d.h. es nannte sich niemand so). Und Christen in Kirchen, Gemeinschaften und Freikirchen hielten trotz Unterschieden eher zueinander. Der Druck von oben war dafür wohl ursächlich. Mir scheint, den braucht es langsam wieder. Denn dann hält man sich eher am Wort Gottes fest, als an den eigenen hochindividualisierten (und oftmals irrigen) Gedanken und Überzeugungen.

  2. Sowohl in der Politik als auch in der Kirche, so scheint mir, gibt es zurzeit einen gewissen Rechtsrutsch. Ob aus Angst oder aufgrund von Weitsicht weiss ich nicht. Auf jeden Fall müssen wir uns vor Zeitgeistern (u.a. auch Individualismus) in Acht nehmen und an Gott und der Bibel orientieren, uns vom Heiligen Geist lehren lassen und unsere Spiritualität pflegen und den jüngeren beibringen, wie sie das auch tun können. Ich denke, meine Generation und die nächste braucht diese Anleitung in Zeiten der Orientierungslosigkeit. Die vorherige Generation mag vielleicht tief geprägt sein von Hoffnung auf Heil, aber sie hat es versäumt, aufgrund ihrer antiautoritären Haltungen uns zu unterrichten. Und die vorletzte (evangelikale) Generation hat ihre Sendung nicht wahrgenommen und verhielt sich zu religiös und von der Welt zurückgezogen (ohne all jenen ihre Hoffnung absprechen zu wollen).
    Was ich nicht glaube, ist, dass es ein post-christliches Zeitalter geben wird. Gott ist am Werk und er wird seinen Plan vollenden. Ihn und sein Tun müssen wir ernst nehmen, das betrifft Evangelikale, Charismatiker, Katholiken, Orthodoxe, Evangelische, Reformierte, überhaupt die ganze Jesus-Familie.

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