Warum der Linksevangelikalismus scheitern wird

Der Grundkonflikt den die Linksevangelikalen mit den Konservativen haben ist ein generationengetriebener Kulturkonflikt [Engstirnigkeit, Moralismus, Exklusion vs. OpenMindedness, Diversität, Inklusion] und so stand am Anfang der Geschichte der Linksevangelikalen in den 80ern und 90ern ein Generationenwechsel in eine Jugendkultur, die bereits seit den späten 60ern mit Sex&Drugs&Rock´n´Roll vom Neomarxismus der Frankfurter Schule ideologisch erobert wurde und mittlerweile komplett unter deren Hegemonie stand. Vieles lief über christliche Musik und christliche Subkultur … jedenfalls fühlten sich die ersten Linksevangelikalen irgendwann dem neu entdeckten sympathischen Stamm der Kulturlinken viel näher als dem alten Eltern- und Großeltern-Stamm der konservativen Evangelikalen mit ihrem Märschen für das Leben, ihrem Rumreiten auf der Sündhaftigkeit von Homosexualität, ihrer „peinlichen“ Angst vor der sündhaften Welt (Harry Potter, Yoga, Drogen, Sex vor der Ehe etc.), ihrer verbohrten Ablehnung von sozialistischer Theorie und ihren antikommunistischen Wagenburgen im Umfeld erzreaktionärer Parteien wie PBC, Republikaner, CDU-CSU. Waren die ideologischen Fronten im letzten Jahrtausend noch halbwegs überschaubar so wurde es mit der Übernahme von Postmoderne und Queer-Theory als Leitstern-Disziplinen der linken Gesellschafts-Diskurse im Ideologie-Baukasten der Linksevangelikalen immer unübersichtlicher. Das linksevangelikale Pendant zum postmodernen Zeitgeist nannte sich „Emerging Church“ und begann in Deutschland erst in den Nuller-Jahren. Anfangs war es noch aufregend quasi als einen Akt der Rebellion eine ganz neue postmoderne Hermeneutik als Schlüssel zur Dekonstruktion einer noch aus Kindheitstagen bekannten übermächtigen biblischen Wahrheit anzuwenden. Doch die Produktzyklen der Popkultur führen nach ein paar Jahren automatisch zur Übersättigung … man braucht neue Kicks! Noch läßt der Red-Letter-Christozentrismus eines Siggi Zimmer und die Transformations-Theologie eines Tobias Faix den linksevangelikalen Groupies wohlige Schauer über den Rücken laufen. Aber es ziehen sich dunkle Wolken am Horizont zusammen …
Um es kurz zu machen: Die Linksevanglikalen haben eigentlich immer nur das was in den linken Diskursen gerade en vogue war in ihre rebellische Theologenwelt übernommen. Das heißt wenn die Linke Höhenflüge hatte wie Ende der 90er und Anfang der Nullerjahre, dann haben davon auch die Linksevangelikalen profitiert. Wenn es aber bergab geht mit der Leuchtkraft der Gesellschaftshegemonie der Linken sinkt auch der Stern der Linksevangelikalen.
Und dies passiert gerade: Die Ideologie des ideologiekritischen Postmodernismus bildet die Basis heutiger Protestkulturen, untergräbt jedoch die Glaubwürdigkeit der Linken, befeuert gleichzeitig die rechtsidentitären Bewegungen und droht uns in eine tribalistische, prä-moderne Ära zurückzuwerfen [ich verweise hier auf den ausgezeichneten ins Deutsche übertragenen auf novo-argumente erschienenen Artikel von Helen Pluckrose -> http://bit.ly/2qsAGHi ]
Genau dies ist das linksevangelikale Szenario: 1. Wahrheitsrelativierung: Der pluralistische Erneuerer und Held der Linksevangelikalen Michael Diener will Menschen, die „ihre Homosexualität geistlich für sich geklärt haben“ in evangelikalen Gemeinden mitarbeiten lassen und muß dann natürlich konsequenterweise auch völkisch denkende PEGIDA-Christen, die ihren Standpunkt geistlich für sich geklärt haben mitarbeiten lassen. Linksevangelikale ebenen mit ihrem Wahrheitsrelativismus also einerseits den rechten völkisch denkenden Fundamentalisten den Weg in die evangelikalen Führungsämter und haben in der apologetischen Auseinandersetzung mit den Rechten die hierfür wichtigste Waffe weggeworfen: Die biblische Wahrheit. Ich habe dies in den letzten Monaten immer folgendermaßen formuliert: „Wie hilfreich wäre es für eine Generation postfaktischer postmoderner Linksevangelikaler wenn sie ihren Kulturkampf gegen einen ebenfalls postfaktischen christlichen PEGIDA-Fundamentalismus noch auf autoritativen biblischen common ground führen könnte … jetzt wo es so richtig drauf ankäme?“

3 Gedanken zu „Warum der Linksevangelikalismus scheitern wird“

  1. Das klingt leider alles ziemlich pathologisch was ich hier von Ihnen lese. Heftigst zusammengeschustert und sehr post-faktisch. Bin mir noch nicht sicher ob es sich hierbei um Satiere handelt. Auf jeden Fall schon mal viel Spaß bei der weitern Auseinandersetzung mit dem Evangelikalismus… bin sehr froh dass den Gott nicht braucht und man ihn 100% nicht in der Bibel findet.

  2. @Jochen Schmidt,
    leider ist Ihr Beitrag etwas unklar, da man nicht weiß, was sie „zusammengeschustert“ finden: den Linksevangelikalismus, oder die Analyse des Linksevangelikalismus durch den Blogautor.

    Ich finde die Analyse hier sehr wohl treffend.

    und man ihn 100% nicht in der Bibel findet.

    Keine der Bezeichnungen für eine heutige Denomination findet man in der Bibel. Da aber traditionelle Evangelikale die Bibel (nach bestem Wissen und Gewissen) sehr ernst nehmen möchten, findet man doch sicherlich einiges der evangelikalen Positionen in der Bibel.

  3. Ich finde diese Analyse absolut zutreffend – und das PEGIDA-Beispiel entlarvt sofort die Scheinheiligkeit der linksevangelikalen Gesinnung.

    Ich möchte aber auch hinzufügen, dass es der evangelikalen Bewegung an Substanz und Realität mangelt und dass die ganzen flüchtigen „Sinnsuchenden“, die diese Bewegung verlassen (oder dagegen rebellieren) gleichzeitig ein Symptom für die christliche Scheinwelt sind, in der viele Evangelikale leider leben. Wenn ich nur den Glauben meiner Eltern lebe und dieser nicht irgendwann zu meinem eigenen wird, dann wird dies sich irgendwann zeigen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.