Sind die Wähler der Grünen intelligenter?

Nach jeder Wahl werden die Wählergruppen der einzelnen Parteien analysiert. Von den Wählern der Grünen wird immer wieder festgestellt, dass sie einen sehr hohen Bildungsstand haben. Das dürfte der Hauptgrund dafür sein, dass die Grünen den Ruf erworben haben, eine Partei für Intellektuelle zu sein. In einer Analyse von Wahlplakaten zur Europawahl wurden – fairerweise – alle Plakate mehr oder weniger lächerlich gemacht. Eines der dümmsten Wahl-Mottos, die jemals den Weg in den Druck gefunden haben, war aber unbestritten das Motto der Grünen: „WUMS“. Es war die Abkürzung für Wirtschaft, Umwelt, menschlich, sozial, klang aber nicht nur für mich ebenso infantil wie aggressiv. Der einzige Kritikpunkt des Journalisten an dem Plakat war aber, dass möglicherweise die Menschen nicht intelligent genug seien, diese Botschaft zu verstehen. Wäre der Ruf der Partei, gebildete Menschen anzusprechen nicht schon so bekannt, wäre diese Sorge sicher unbegründet.

Nun ist Bildung ja eine halbwegs messbare Größe, wenn man als Bildungsgrad den jeweiligen Abschlusses annimmt. Besonders interessant an diesem Zusammenhang ist aber natürlich, dass Bildung wohl von vielen mit einer hohen Intelligenz in Zusammenhang gebracht wird. Die Nachricht, dass eine Partei einen höheren Anteil an Akademikern unter ihren Wählern hat, kann also leicht so gelesen werden, dass es besonders intelligent sei, diese Partei zu wählen. Einen besseren Ruf kann sich eine Partei kaum wünschen.

Aber ist der Anteil an Akademikern unter den Wählern einer Partei wirklich eine Folge der benötigten Intelligenz, diese Partei zu wählen? „Sind die Wähler der Grünen intelligenter?“ weiterlesen

2005/09/30 [taz.de] Ulf Poschard: Wir müssen reden

http://www.taz.de/1/archiv/archiv/?dig=2005/09/30/a0188

Ulf_Poschardt_Wir_muessen_redenDas war so ungefähr die pop-liberale Initialzündung für Deutschland. Kult-DJ und Elite-Redakteur Ulf Poschard wollte mit diesem Artikel nichts weniger, als eine ganze Generation von kulturlinks aufgewachsenen Zöglingen aus mehr oder weniger gutem Hause von ihrem ideologischen Neglect befreien. Er öffnete ihnen die Augen für ein neues aufregendes Universum in dem sie sich schon längst befanden ohne es zu merken. Das Universum des modernen bürgerlichen Milieus. Es geht darum, ehrlich zu sich selber und seinen eigenen Interessen zu sein, sich aus der kuscheligen, aber mittlerweile doch wirklich verlogenen Ecke des strukturkonservativen-Linken Gutmenschentums zu verabschieden …
„Wenn Diedrich Diederichsen, das (ganz großartige) Idol aller Denkfreudigen unter 50, den Erhalt der sozialen Sicherungssysteme als Kerninhalt einer Veranstaltung in der Volksbühne formuliert, verkümmert einst originelles Denken und betoniert Umverteilungsansprüche und Staatsseligkeit.“
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