Kunst nach der Aufklärung

Nachdem der Mensch durch die Aufklärung gelernt hat, sich selbst, seine Mitmenschen und die Natur wie Maschinen zu behandeln (vgl. den Beitrag „Gehorsam und Geist„), entstand auf der anderen Seite das offensichtliche Bedürfnis, den verlorenen Transzendenzbezug des Menschen in dunkler und undeutlicher Form nachzubilden. Das Zeitalter des Sturm und Drang betonte das Recht des Individuums auf eigenes Empfinden und die Bedeutung des subjektiven Erlebens. Es entstand der Genie-Kult der Romantik, wobei der Begriff wohl bewusst zwischen Ironie und Ernst laviert und so einerseits die Sehnsucht nach religiöser Verehrung bedient, ohne den aufgeklärten Verstand zu verprellen.
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Gehorsam und Geist

Die prominenteste Definition für den Begriff „Aufklärung“ dürfte von Kant selbst stammen: „Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit.“ Der Mensch sollte nicht mehr bloß gehorchen, sondern seine Vernunft bemühen. Ab sofort galt nicht mehr, was jemand gesagt hat, sondern das etwas so ist. Die Aufklärer waren sicher keine Anarchisten, aber alle Autorität sollte ihnen durch vernünftige Gründe gestützt sein, und das bedeutete, durch Gründe, die von der Person unabhängig sind.
Die Aufklärer verbanden mit dieser Vorstellung die Hoffnung, die Menschen aus der Bevormundung zu befreien, ja sie überhaupt erst zu Menschen zu machen. Kant sah in dem voraufgeklärten Menschen lediglich eine „Maschine“, die durch Aufklärung in den Adelsstand des Menschen erhoben werde. Sie sei die Voraussetzung dafür, dass der Mensch mit der ihm zukommenden Würde behandelt werde.
Tatsächlich muss sich die Aufklärung den Vorwurf gefallen gelassen, genau das Gegenteil bewirkt zu haben, und zwar nicht durch Übertreibung oder Unachtsamkeit, sondern durch ihr zentrales Projekt, die Menschen aus dem alten Gehorsam zu befreien.
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Die Entstehung des modernen Opfer-Begriffes

Wer heute ein Opfer ist, möchte das auch bleiben. Niemand gibt freiwillig den Status des Opfers auf. Opfersein, bedeutet „Macht haben“. Wer kein Opfer ist, versinkt in die politische Bedeutungslosigkeit.
Wir haben uns an diese Tatsachen gewöhnt, aber wenn wir uns darüber Gedanken machen, werden sie fragwürdig. Und die erste Frage, die sich dabei stellt ist: wie konnte sich dieser auf den ersten Blick bizarre Opferbegriff entwickeln?

Die Anregung zu dem Thema erhielt ich durch ein „Bulletin“ des Institutes für Jugend und Gesellschaft, das unter dem Thema „Moderne Opferrhetorik“ stand.

Am meisten faszinierte mich ein Auszug aus dem Buch „Ich sah den Satan vom Himmel fallen“ von Rene Girard, der zuletzt an der Stanford Universität als Professor für französische Sprache, Literatur und Kultur tätig war.
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Ehe und Familie im Grundgesetz

Im letzten Beitrag habe ich nassforsch behauptet: „Wer die Ehe zwischen Mann und Frau gegenüber der homosexuellen Beziehung nivellieren will, kämpft gegen das Grundgesetz.“
Zu meiner Überraschung musste ich lesen, dass das Bundesverfassungsgericht diese Bedenken zumindest für den Fall der gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaft nicht sieht (ob es zu der Frage nach einem Adoptionsrecht Homosexueller steht, weiß ich nicht, bin aber für Hinweise auf entsprechende Urteile dankbar). Die Begründung kann man auf der Homepage einsehen: http://www.bundesverfassungsgericht.de/pressemitteilungen/bvg64-02.html

Am Ende des Textes erscheinen zwei Einzelpositionen, die an der Abstimmung zwar nichts geändert haben, aber immerhin als namentlich gekennzeichnete Beiträge einsehbar sind. Die beiden Gegner des Urteils verweisen im Kern auf das gleiche Problem: das Bundesverfassungsgericht habe mit seinem Urteil nicht die Strukturprinzipien der Ehe geschützt.

Ich bin überzeugt, dass der Einwand trifft, weil das Bundesverfassungsgericht in seiner Frage nicht von der Institution sondern von den ganz konkreten einzelnen Ehen ausgegangen ist.
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„Kulturkampf 2.0“

Ich möchte hier nur auf einen Artikel von Dr. Thomas Schirrmacher hinweisen, der den Begriff des „Kulturkampfes 2.0“ geprägt hat. Der Aufsatz ist Bestandsaufnahme, historische Bewertung und Appell.

http://www.medrum.de/?q=content/der-aufziehende-kulturkampf-20

Hinzuzufügen gibt es nicht viel, außer, dass der Kampf gegen das Christentum der einzige wirkliche Kampf gegen die Verfassung ist, den die Gesellschaft wirklich zu befürchten hat – nur dass er so offen ausgetragen wird, dass der Verfassungsschutz sich wohl nicht damit beschäftigen muss. Dieser Punkt wird von Christen soweit ich sehe noch zu wenig betont.
Wer die Ehe zwischen Mann und Frau gegenüber der homosexuellen Beziehung nivellieren will, kämpft gegen das Grundgesetz (vgl. zu diesem Punkt den zeitlich nachfolgenden Beitrag; Anm. MW). Wer den staatlichen Religionsunterricht abschaffen möchte, kämpft gegen das Grundgesetz. Wer den besonderen Schutz der Religionsgemeinschaften abschaffen möchte, kämpft gegen das Grundgesetz, ebenso wie derjenige, der die staatliche Sonntagsruhe abschaffen möchte.
Das Grundgesetz hat nicht nur verschiedene Freiheiten gesichert, sondern auch das Verhältnis von Staat und Kirche und die Institution der Familie geschützt. Leider haben sich insbesondere die Grünen angewöhnt, in jedem politischen Gegner geradezu reflexhaft einen Verfassungsfeind zu sehen, (und wo das nicht geht, muss das Grundgesetz eben geändert werden), und gerade deshalb ist es wichtig, ihnen das Grundgesetz nicht als persönliches Spielzeug zu überlassen. Auf gute bestehende Ordnungen darf man sich als Christ berufen, solange es sie gibt.

Bauverordnungen und Grundrechte

Unsere Gemeinde hat gebaut. Es war zwar das Ergebnis eines zermürbenden Kampfes mit dem städtischen Bauamt, das einen Neubau eigentlich gar nicht genehmigen wollte, obwohl es wusste, dass unsere Gemeinde aus allen Nähten platzte. Gut, für meinen Geschmack hätte vielleicht auch erst mal ein vierter Gottesdienst gereicht (drei hatten wir bereits), aber was die Stadt der Neubau einer Kirche angeht habe ich trotzdem nicht verstanden.
Der erste Entwurf war schlicht und schön, mit einer niedrigen aber eleganten Kuppel (niedrig, weil die Stadt von vornherein keinen höheren Bau genehmigt hätte). Leider kam er nicht durch, weil sich das Äußere unscheinbar in die Fassaden der Nachbarhäuser einfügen musste – was jeder Baulogik einer Kirche widersprach und den Bau unnötig teuer und mit kleinen Räumen überfrachtet werden ließ. An so etwas wie einen Kirchturm hätten wir gar nicht zu denken gewagt, denn niemand hätte ernsthaft geglaubt, dass so etwas genehmigt worden wäre. Niemand von uns wäre auf die Idee gekommen, dass sich die internationale Politik wütend darüber auslässt und die Menschen für unser Recht auf den Bau eines Kirchturmes auf die Straße gingen, also nee, das wäre doch wirklich etwas zu viel des Guten…Wie komme ich jetzt eigentlich auf das Thema „Kirchturm“? Keine Ahnung. Egal, sagte nicht Spurgeon, dass die besten Predigten ohnehin jenseits aller Kirchenbauten unter freiem Himmel gehalten wurden?