Grundlagen einer christlichen Wirtschaftsordnung

Die Finanzkrise und die zu erwartende Rezession haben tiefgreifende Zweifel an unserer Wirtschaftsordnung geweckt – die allerdings auch nicht sehr tief geschlafen haben. Die Vorschläge sind aber alle altbekannt und bewegen sich auf einer Skala, auf der die Lenkmöglichkeiten des Staates stufenlos gesteigert oder gesenkt werden. Da unsere derzeitige soziale Marktwirtschaft sich irgendwo zwischen den Extremen bewegt, bewegen sich beide Lager zu den Extremen und fordern entweder den Sozialismus oder die völlige Freigabe des Marktes.

Aber sind das wirklich die Alternativen? Muss man sich auf dieser Skala bewegen, auf der man sich nur zwischen Elend der Armen und Diktatur entscheiden kann oder einer beliebigen Mischung aus beidem?
Der Sozialismus verhindert jedes wirtschatliche Denken sowohl bei Bürgern als auch bei der Regierung, die irgendwie alle in kürzester Zeit bettelarm sind. Und in der freien Marktwirtschaft gibt es keine effektiven Mittel gegen die Kapital-Akkumulation, die wiederum die wirtschaftlichen Freiheiten der Ärmsten empfindlich beschneidet. Denn egal was man produzieren will, es gibt immer irgendwo ein Unternehmen dafür, dass jedes Gut zu einem Bruchteil des Preises in perfekter Qualität vertreibt. Wer sich selbstständig machen will kann in der Regel nicht viel mehr als seine Arbeitskraft anbieten und die ist nicht mehr viel wert, weil alle wichtigen Güter schon billig mit wenig Personalaufwand produziert werden. Die Triebfeder der wirtschaftlichen Entwicklung sind dabei die Banken, die das nötige Kapital zu Verfügung stellen. Unsere Wirtschaft lebt davon, dass Zinsnahme akzeptiert ist, was ja bis zur Reformation in Europa nicht der Fall war. Mit dem Geld steht dem Markt daher ein Gut zu Verfügung, das theoretisch unbegrenzt vermehrt werden kann, unabhängig von der technischen Entwicklung und der Arbeitskraft der Menschen ist. Es kann ohne nennenswerte Verzögerung um den Globus wandern und das in unbegrenztem Ausmaß. Da dieses Gut aber gleichzeitig das anerkannte Tauschmittel gegenüber allen anderen Gütern ist, nimmt der ganze Markt die Eigenschaften des Geldes an: jedes noch so große Unternehmen kann auf der ganzen Welt gekauft werden und eine beliebig große Menge kann sich theoretisch auf eine beliebig kleine Bevölkerungsgruppe konzentrieren. Durch die Finanzwirtschaft wird das Wirtschaftsleben erst leichtflüssig. Alle Eigenschaften des freien Marktes werden auf dem Gebiet der Geldwirtschaft ins Unbegrenzte gesteigert. Wenn es in der Wirtschaft gilt, dass derjenige mit dem höheren Kapital auch bessere Verkaufschancen hat, dann gilt das für das Geld im engeren Sinn noch mehr. Hier besteht ja die ganze Leistung in nichts anderem als darin, Geld zu besitzen. Je mehr man hat, desto mehr kann man damit verdienen (wenn man davon ausgeht, dass so Einflüsse wie Talent und Glück in der Bevölkerung einigermaßen nach dem Zufallsprinzip verteilt sind). Und zwar nicht nur beliebig viel sondern auch fast beliebig schnell – je mehr desto schneller. Das Ganze funktioniert naturgemäß nur eine zeitlang, wie man sich an einer einfachen Rechnung veranschaulichen kann, auf die mich ein Freund gestoßen hat: stellen wir uns vor, ein Vorfahre von uns hätte zu Lebzeiten Jesu einen Cent auf sein Sparbuch gezahlt und dort mit 2,5% verzinst. Was könnten wir dann heute erben? Mehrere Tausend €? Nein. Die korrekte Zahl lautet: 28.036.951.059.598.430.000,00 € (nach 2000 Jahren Laufzeit). Das ist ein Vielfaches des gesamten auf der Welt verfügbaren Geldvolumens. Es ist völlig offensichtlich, dass Zinsnahme daher nur für kurze Laufzeiten funktioniert und die Realität den Finanzmarkt in regelmäßigen Abständen in Form von Inflationen, Revolutionen, Kriegen und Währungsreformen einholen muss. Man darf sich über so etwas nicht wundern.

Als ich diese Zahl gehört habe, habe ich zum ersten Mal verstanden, wie klug es von Gott war, Zinsnahme zu verbieten… Mit diesem viel belächelten Mittel hat er nicht nur die Ausbeutung der Armen verhindert sondern auch dem Markt eine potente Schranke verpasst. Außerdem verbot er den Israeliten, ihren Grundbesitz zu verkaufen, der am Anfang gleichmäßig an die Sippen aufgeteilt wurde. Auf diese Weise hat er verhindert, dass eben jenes Gut, von dem es eben nur eine begrenzte Menge gibt – nämlich den Boden – , sich in den Händen weniger anhäuft (dass dies dann doch geschah, lag daran, weil sich offenbar viele nicht an dieses Verbot gehalten haben). Selbst der dümmste und faulste Mensch hatte so immerhin noch ein Grundkapital, dass ihm bei dem nötigen Fleiß ähnliche Verdienstchancen ermöglichte wie allen anderen.

Mit dieser Gesellschaftsordnung ist nicht der Staat der Lenker des wirtschaftlichen Geschehens sondern jeder Einzelne bzw. jede Familie. Durch die einfachen und überwachbaren Sanktionen, dass kein Grundstück verkauft werden und keine Zinsen erhoben werden dürfen, wird wirtschaftliches Arbeiten ermöglicht ohne die Gefahr einer unbegrenzten Kapitalakkumulation. Statt einer Revolution bräuchte man dann nur eine „Flurbereinigung“ wie sich in der Landwirtschaft ohnehin in regelmäßigen Abständen und unter viel Gezank nötig ist. Alles Land würde unter den Familien aufgeteilt. Damit es aber nicht zu einer Aufteilung des Landes käme, die wieder die Lebensbedingungen innerhalb von wenigen Generationen vernichten, müsste man den Erbbesitz auf ein Kind (im AT der älteste Sohn) beschränken, das dafür für seine alten Eltern sorgen und seine Geschwister mit der Hälfte des Besitzes auszahlen muss.

Darüber hinaus gibt es im AT noch weitere Gesetze, die vor allem den Armen schützen sollten. Niemand sollte um sein lebesnotwendiges Kapital gebracht werden. Auf die entsprechenden Regeln will ich hier aber nicht im Einzelnen eingehen.

Die Vorstellung, dass der freie Markt sich von selbst reguliert und dabei allen den größten Nutzen bringt, ist der Evolutionstheorie entlehnt (die im gleichen Jahrhundert entwickelt wurde) und funktioniert weder in der Theorie noch in der Praxis. Denn so wie die Evolutionstheorie kalt einfach mit dem Tod der meisten Tiere rechnet, so rechnet der Markt mit dem Untergang der Ärmsten.

Was ist ein Weltaidstag?

An einem Weltaidstag geht es um drei Ziele „Aufklärung, Schutz und Solidarität“. Dabei kann man die Botschaft viel einfacher und klarer formulieren: Es geht um freien Sex mit Kondomen. Über die Schwächen von Kondomen soll nämlich gerade nicht aufgeklärt werden. So bekennt Ann Furedi aus England auf einem Abrteibungskongress ganz offen:

„Mein Sohn“, so sagt Ann Furedi, „soll in einer Welt leben, in der er soviel Spaß mit Sex haben kann wie er will. Und wir wissen doch, dass Verhütung nicht funktioniert. Wir brauchen Abtreibungen als Sicherungssystem. Es wird mehr Abtreibungen geben, wenn mehr Frauen Spaß beim Sex haben – und das ist doch nicht schlecht“.
Und wenn die Verhütung mit Kondomen nicht sicher funktioniert, dann auch nicht der Schutz vor Geschlechtskrankheiten. Das Risiko ist nicht groß und die Ausfälle der Kondome beruhen meist auf Fehler in der Verwendung. Aber ein gewisses Risiko bleibt bestehen auf das man auch ehrlicherweise hinweisen sollte – wenn man die Aufklärung schon vollmundig als erstes Ziel eines Weltaidstages nennt.

Das dritte Ziel bestätigt leider, was Frau Furedi schon über die Sicherheit von Verhütungsmitteln allgemein sagt: es gibt sie nicht. Denn wenn man gleichzeitig die Verwendung von Kondomen jedem von riesigen Plakatwänden und von allen Seiten einschärft und gleichzeitig mit den Infizierten seine Solidarität erklärt, dann ist das ein stillschweigendes Bekenntnis, dass es in einer Gesellschaft, in der es keine eheliche Treue mehr gibt, auch trotz Kondomen selbstverständlich immer zur Verbreitung von Geschlechtskrankheiten kommen wird. Gleichzeitig will man aber das Thema „Treue“ nicht anrühren. Es werden unglaubliche Geldmengen in die AIDS-Forschung gesteckt und der unaufhaltsame Tod durch die Immunschwächekrankheit billigend in Kauf genommen, um Sex nicht an die Ehe binden zu müssen (es geht nicht um Sex, davon haben Verheiratete ohnehin mehr als Unverheiratete), sondern um die Ehe!
Es geht nicht um die Frage, ob Sex für Menschen wichtig ist, sondern ob man den Anspruch der Treue noch erträgt, Sex nur mit einen einzigen Menschen zu praktizieren. Das Thema „AIDS“ könnte so einfach vom Tisch sein. Und dabei hätten vermutlich viele derjenigen, die am Weltaidstag dem Mainstream folgen gar keine Probleme mit dem Anspruch der Treue und träumten vielleicht selbst einmal von einer lebenslangen Beziehung. Aber an diesem Tag werden sie aufgefordert, diese Träume aufzugeben, ein gewisses Ansteckungsrisiko und Abtreibung als Verhütungsergänzung billigend in Kauf zu nehmen und ihren Wunsch nach freiem Sex über alle anderen Wünsche zu stellen. Man kann daher ohne Risiko die Aufgabe eines Weltaidstages so beschreiben:
Ein Weltaidstag ist einfach das umständliche Bekenntnis einer Gesellschnaft, ihre Sexualität nicht mehr im Griff zu haben.