Technik und Politik

Die technische Entwicklung beeinflusst unser Gehirn, sie prägt unseren Alltag, sie lässt Berufe sterben und aufblühen. Aber bisher wurde m.W. (ich lasse mich gerne eines Besseren belehren) wenig über ihren Einfluss auf die Politik nachgedacht.
Welche Auswirkungen hat es auf eine politische Kultur, wenn geistige Arbeit von elektronischen Helfern erledigt wird? Denn darum geht es ja: alles, was wir heute an Beispielen für moderne technische Entwicklung anführen würden, wären Beispiele, in denen es darum geht, das Gehirn zu entlasten. Elektronik entlastet unser Gehirn als Speicher, es entlastet uns von Recherchen, die Suchmaschinen für uns erledigen. Es entlastet uns vor unangenehmen Gedanken, indem wir Musik hören, gegen virtuelle Gegner spielen, oder Filme sehen – und zwar jederzeit und überall.
Spätestens, seit es mp3-Player gibt, muss niemand mehr Langeweile ertragen oder sich mit schweren Gedanken plagen, wenn er nicht will.

Welche Entwicklung wir durchgemacht haben, kann man am besten erkennen, wenn man sich die Aufmerksamkeitsspanne früherer Zuhörer vor Augen führt:
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Wie Kirchen untergehen

Kirchen sterben nicht durch Verfolgung oder weil sie von der Gesellschaft nicht gemocht werden – das ist normal-, sondern wenn sie Christus verlieren.
Michael Horton, Professor für Apologetik und Systematische Theologie am Westminster Theological Seminary (Escondido, Kalifornien), hat einen Aufsatz unter dem Titel veröffentlicht, der auf der Seite TheoBlog auszugsweise auf Deutsch übersetzt wurde.

Die Wurzeln der Prüderie

Prüderie wird in unserem Kulturkreis unhinterfragt mit dem Christentum in Verbindung gebracht. Dass dies aber schon auf den zweiten Blick nicht mehr möglich ist, weiß jeder, der ein wenig mit dem Sprachgebrauch der Bibel vertraut ist. Hier werden in den Heiligen Schriften ohne Schamgefühl Worte wie „Schenkel“, „Brüste“, „Mutterleib“ etc… regelmäßig verwendet. Heute wäre es nicht nur in Kirchen sondern auch in politischen Reden oder bei festlichen Anlässen eher ungehörig, den Körper sprachlich allzu deutlich abzubilden. Nur Proleten zeigen ihre Muskeln unter engen T-Shirts und sprechen gerne und viel über das, was die Kleidung verhüllen soll. Der normale Bürger empfindet diese Offenheit als unpassend. Und zwar nicht aus religiösen Gründen, sondern einfach, weil es eine bestimmte gesellschaftliche Zugehörigkeit ausdrückt. Es scheint also eine historische Entwicklung gegeben zu haben, die im Bürgertum dazu führte, dass der Körper und die enthüllende Sprache peinlich berühren.
Der folgende Wikipedia-Artikel legt den Verdacht nahe, dass die eigentliche Quelle der Prüderie gar nicht die Bibel ist (diese Vorstellung kann man wie gesagt leicht selbst revidieren, wenn man nur mal die entsprechenden Begriffe in einer Internet-Konkordanz nachschlägt), sondern die Aufklärung. Ob es stimmt, kann ich nicht abschließend beurteilen, aber nach meinem Kenntisstand strotzen die Schriften der Aufklärer tatsächlich nicht gerade vor Körperlichkeit, wie man das noch von biblischen Texten kennt.

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Die Bankenkrise und die Stunde der unerhörten Propheten

Ich habe die Bankenkrise nur aus dem letzten Augenwinkel verfolgt aber bisher wenig Überraschendes gehört. Vermutlich sehen alle darin ihre üblichen Verdächtigungen bestätigt: Soziologie-Studenten und Journalisten sehen darin die Folge des freien Marktes, Feministinnen halten es vermutlich für ein Problem, das typischerweise durch Männer verursacht wird, Muslime sehen darin wahrscheinlich eine weiteren Beweis für den korrupten Westen, Christen sehen vielleicht das Ende der Zeit kommen oder verweisen auf den Werteverfall in unserer Gesellschaft, psychologisch interessierte Zeitgenossen könnten die Ursachen in der Kindheit der Bankdirektoren vermuten und es für das Problem einer ganzen Generation halten und vermutlich können auch manche Volkswirte zeigen, dass der Crash in einem wirklich freien Markt nicht hätte stattfinden können.
Kurz: alle dürften sich z.Zt. bestätigt fühlen.

Geht man die einzelnen Erklärungen durch und streicht alle heraus, die keine Chande auf allgemeine Akzeptanz hat, dann bleibt in Deutschland nur der Ansatz der Soziologie-Studenten und Journalisten. Die These, dass Aufsichtsräte unmoralisch handeln, erhält immerhin den Trostpreis, dass man darüber spricht, denn Top-Manager und Bankdirektoren sind die einzigen Menschen in Deutschland über deren Moral man sich Gedanken machen darf, ohne dass es prüde wirkt. Ohne, dass ich also etwas von Volkswirtschaft verstehe, kann ich also mit Sicherheit sagen, dass der Vorschlag, den freien Markt für die Banken einzuschränken sich in Deutschland durchsetzen wird. Das heißt nicht, dass die anderen Meinungen nicht alle gesagt werden könnten, aber die Frage, welcher Ansatz am besten trifft, ist für das Ergebnis unerheblich, solange die Stimmung in der Bevölkerung nur einen zulässt. Die Menschen bringen dem Staat als letzter Zuflucht ein unglaubliches Vertrauen entgegen.
Dabei habe selbst ich mehr Geld als der Staat 🙂 (wenn man die Staatsschulden mitberücksichtigt). Der Staat kann also nicht mit Geld für irgendetwas garantieren sondern nur mit dem Geld, das er von Banken leihen kann. Wenn Banken aber kein Geld zu verleihen haben, oder ihnen irgendwann dämmert, dass sie ihr Geld, dass sie dem Staat leihen, natürlich nie wiedersehen werden, kann der Staat nur den Bankrott erklären, so wie es in Island um ein Haar passiert wäre.
Wenn man dem Staat mehr Eingriffsmöglichkeiten zubilligt, müsste man davon ausgehen, dass der Staat etwas vom Wirtschaften versteht oder dass er moralischer ist. Die Banken haben m.W. alle Kontrollorgane des Aufsichtsrates. Aber wenn die nutzlos werden, ist das auch mit jeder staatlichen Aufsicht so.
Trotzdem werden jetzt vermutlich unzählige hochbezahlte Stellen geschaffen, über die eine weiter Kontrollinstanz eingerichtet wird und alle werden das Gefühl haben, jetzt eine wirklich vernünftige Entscheidung getroffen zu haben. Beim nächsten Kollaps kann man ja das Ganze wiederholen.
Aber wie weit soll man eigentlich das Misstrauen institutionalisieren? Wenn eine Gesellschaft immer skrupellos wird (gilt nicht nur für Wirtschafts-Bosse, auch wenn man über die bequem klagen kann), gibt es auch niemanden mehr, der hier sinnvoll die anderen kontrollieren kann. Was auf der einen Seite Eitelkeit und Gier bewirken, schafft auf der anderen die Korruptheit. Staatliche Aufsichtsbehörden sind vielleicht weniger anfällig als beispielsweise Journalisten, die ja auch in freien, wirtschaftlich arbeitenden Unternehmen arbeiten und völlig mit der Wirtschaft verwoben und von ihr abhängig sind. Aber hier geht es auch um extrem viel Geld. Und da kann es auch für einen gut bezahlten Beamten schon mal interessant werden, sich gefällig zu zeigen.
Der Satz „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“ ist daher ziemlich naiv. Er klingt zwar realistisch, verschließt aber die Augen vor der Tatsache, dass jede Kontrolle, die von Menschen ausgeübt wird, einen Vertrauensvorschuss einfordert. Und ich werde nicht müde darauf hinzuweisen, das gerade die Staaten, die sich die totale Kontrolle über die Wirtschaft (und vieles mehr) zur Aufgabe gemacht haben, dieses Vertrauen bis zum Letzten verspielt haben.

Niemand wird etwas daran ändern können, dass Geld manchmal einfach verschwindet.

„Wenn du zu Tische sitzt mit einem hohen Herrn, so bedenke wohl, was du vor dir hast, und setze ein Messer an deine Kehle, wenn du gierig bist; wünsche dir nichts von seinen feinen Speisen; denn es ist trügerisches Brot. Bemühe dich nicht, reich zu werden; da spare deine Klugheit! Du richtest deine Augen auf Reichtum und er ist nicht mehr da; denn er macht sich Flügel wie ein Adler und fliegt gen Himmel.“
(Spr. 23,1-5)

Politische Paradiesvorstellungen

Jede Weltanschauung hat vermutlich ihren Traum vom Paradies: die Kommunisten träumen von der Zeit, in der die Menschen ohne Besitz miteinander lebten (allerdings auch ohne Staatseigentum…), die Naturmystiker träumen von der Zeit, bevor die Christen die Menschen von der Natur entfremdet hatten, die Nazis von der vermeintlichen Größe Deutschlands, bevor die Juden das Christentum gebracht haben, andere träumen von „früher“ ohne es genauer zu datieren oder vom Leben wie im Naturzustand.
Diese Träume sind eine nicht zu unterschätzende Quelle der politischen Aktivität, denn bekanntlich ist ein positiver Reiz immer stärker als ein negativer, also Belohnung motiviert stärker als Strafe. Die Sehnsucht nach dem verlorenen Paradies nennt man in der Politik allerdings lieber „Vision“ o.ä. Tatsächlich handelt es sich nach meiner Einschätzung allerdings immer um Vorstellungen, die im jeweiligen politischen Lager irgendwo in der Vergangenheit zu verorten sind.

Interessanterweise ähneln sich diese Vorstellungen irgendwie alle: immer leben die Menschen in Frieden miteinander und sich selbst. Das Leben erscheint immer irgendwie klar geregelt und die Menschen kennen keine Angst. Das klingt zu naiv? Finde ich auch, aber ich habe es in vielen Beschreibungen der Welt von „früher“ so verstanden. Kein Wunder, dass es Leute gibt, die für diesen Zustand zu kämpfen bereit sind.

Wie sieht es aber mit dem Christentum aus, denn immerhin habe ich ihm den Begriff des „Paradieses“ entlehnt? In der Bibel wird ein Paradies beschrieben, ein Garten mit den vier Strömen, in dem die Menschen ohne Scham und Schuld mit Gott in einer glücklichen Welt leben konnten.
Dass diese Zeit endete, war die Strafe für den Ungehorsam der Menschen (Gen 1-3) und hatte eine Konsequenz, die das christliche Paradies von allen anderen unterscheidet: Gott versperrte den Zugang durch die Cherubim (mächtige Engel), die mit flammendem Schwert ausgerüstet waren. Das Paradies war für immer verloren und kein Mensch sollte jemals wieder dortin zurück kehren.
Als Christ stehe ich daher immer etwas verloren zwischen dem wortgewaltigen Gequatsche von Visionen, dem „neuen Menschen“, einer „neuen Gesellschaft“ oder auch nur dem Kampf für eine bessere Welt. Nicht weil ich diese Ziele alle ablehne, sondern weil ich davon überzeugt bin, dass dadurch starke Sehnsüchte geweckt werden, die nicht erfüllt werden können und im besten Fall Politik-Müdigkeit hervorrufen, im schlechtesten aber einen gigantischen Hass auf die Bösewichte, die dem vermeintlichen Paradies im Wege stehen. Und die beiden größten Schreckens-Regime wurden auf einer Woge aus großen Erwartungen und Begeisterung getragen.
Eine christliche Partei wird niemals die gleiche Leidenschaft und Begeisterung unter ihren Anhängern hervorrufen können, wie eine rote, grüne oder braune Partei. Christen haben in dieser Welt nicht ihr Herz verloren und glauben auch nicht, hier das große Glück finden zu können.
Unser Heil hängt nicht von dem ab, was Menschen in dieser Welt erreichen können, sondern von dem, was ein Mensch bereits für uns getan hat: Wer glaubt, dass Jesus für seine Sünden gestorben ist, kommt nicht ins Gericht sondern kann in Frieden mit Gott leben, hier und nach dem Tod. Und er kann sich darauf freuen, dass Gott einen neuen Himmel und eine neue Erde erschaffen wird, die jeden menschlichen Traum von einem Paradies übersteigt.

Und das klingt zu fantastisch? Zunächst einmal klingt jede irdische Erlösungshoffnung fantastisch, denn politische Träumerei ist alt und ermüdend. Man muss sich schon sehr viel Mühe geben, dafür noch etwas Begeisterung aufzubringen – oder vielleicht sehr jung und unerfahren sein.
Aber man muss sich umgekehrt auch sehr viel Mühe geben, an dem Auferstehungsbericht Jesu eine Schwäche zu entdecken: er kann nicht nur symbolisch gemeint sein, weil er dafür viel zu detailiert geschildert wird. Er nützte damals auch keinem Jünger, weil der Glaube an Jesus alle Jünger einer brutalen Verfolgung ausgesetzt hat. Die weltweite Verbreitung des Christentums haben die ersten Christen nicht mehr miterlebt. Wer sich fragt, weshalb er gerade die Hoffnung der Christen an ein Leben nach dem Tod teilen sollte, findet die Antwort u.a. in den Berichten von der Auferstehung.

Drei Tage der Deutschen Einheit

Bis zum kommenden Sonntag feiert Deutschland den „Tag der Deutschen Einheit“. Ich war über das Ausmaß dieses Festes erstaunt, denn man darf nicht vergessen, dass bisher noch jedes Jahr einen 3. Oktober hat und bis zum jüngsten Tag vermutlich haben wird. Das wird auf Dauer ziemlich teuer, erst recht, wenn man wie ich den Verdacht hat, dass dieser Tag noch ausgebaut werden wird.

Zunächst muss man fragen, wodurch das verblüffende Interesse entstanden sein könnte, nun den Tag der Deutschen Einheit nicht nur mit einem Feiertag sondern auch einem grandiosen finanziellen Aufwand regelrecht zu inszenieren. Sind die Politiker auf einmal dankbar für den Untergang des Kommunismus oder halten sie es jetzt für besonders dringend vor ihm zu warnen? Dafür gibt es eigentlich wenig Anzeichen. Und was ist mit dem ganzen Spot über die „blühenden Landschaften“?
Erst recht ungriffig wird dieser Feiertag durch das Motto „Kulturnation Deutschland“. Vermutlich wird es jetzt jedes Jahr ein anderes Motto geben, aber nie wird es um die ehemalige DDR oder die Wiedervereinigung gehen – davon gehe ich zumindest aus. Bei diesem Feiertag geht es also um nichts, zumindest um nichts anderes als den Staat selbst, der also jetzt jedes Jahr irgendwelche Facetten an sich feiern lässt.

Aber wieso? Soll das ein stiller Versuch sein, einen Schlussstrich zu ziehen, ohne offen über ihn zu diskutieren? Erwacht in Deutschland Vaterlandsliebe oder immerhin der Wunsch danach? Oder ist es einfach nur ein natürliches Verlangen von Politikern, die Menschen für den von ihnen gestalteten Staat zu begeistern?

Vielleicht ist es von allem ein bisschen. Aber ich vermute, dass es eigentlich noch um etwas anderes geht. Ich halte es für keinen Zufall, dass diese Entwicklung im gleichen Jahr einsetzt, in der in Deutschland auch der Einbürgerungstest eingeführt wurde. Ich halte es für Teil eines umfassenderen Versuchs, in Deutschland die Einheit der Gesellschaft durch die Verbindung von Religion und Politik zu sichern. Das klingt etwas verwegen, aber genau das steht hinter dem Konzept einer sog. „Zivilreligion“. Ich mag das Wort nicht besonders, weil es so klingt, als ginge diese von den Bürgern aus, aber das ist eben nicht unbedingt der Fall, denn zunächst bedeutet es einfach, dass das öffentliche Leben mit seinen Institutionen sakrale Weihen erfährt. Der ganze öffentliche Pomp (vorfahrende Oberklasselimousinen, Fahnen hissen, Trompeten, roter Teppich…etc…) gehört hierhin, ist in Deutschland aber aus guten Gründen nie besonders exzessiv ausgestaltet worden. Amerika hat die Einheit der Gesellschaft immer und systematisch durch ein klares Bekenntnis zum Patriotismus angestrebt. Und die ganze Amerika-Polemik der letzten Jahre darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass dieses Modell in Deutschland langsam salonfähig zu werden scheint. Die Einführung eines Einbürgerungstestes war nur ein öffentlich diskutiertes und daher allgemein bekanntes Ergebnis dieser Überlegungen.
Ich gehe davon aus, dass wir in den nächsten Jahren noch einen weiteren Feiertag erhalten, der dann nicht Bestandteil einer deutschen sondern einer europäischen Zivilreligion ist. Vermutlich wird es nicht der „Reformationstag“ sondern eher ein „Tag der Aufklärung“ o.ä. sein für den dann allerdings ein christlicher Feiertag gestrichen wird – denn es wird auf jeden Fall eine atheistische Zivilreligion.
Das Bestreben, die Gesellschaft auf nationale Themen einzuschwören, weil man das Christentum als Grundlage einer Gesellschaft nicht erträgt, ist nicht neu. Auch die Schweiz hat zeitweise versucht, an die Stelle des Wissens über biblische Geschichten bei den Kindern Wilhelm-Tell-Kitsch zu setzen und Nation. Die Nazis wollten deutsche Märchen – vor allem in der Grimm`schen Fassung – wieder verstärkt unter den Kindern populär machen und waren neben den Kommunisten überhaupt diejenigen, die hier am konsequentesten den Plan einer Zivilreligion betrieben haben. In beiden Fällen wurde der Staat Träger und Gestalter der herrschenden Religion, der alle anderen zur Treue verpflichtet waren.

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass Deutschland den Tag der Deutschen Einheit als Feiertag seiner Zivilreligion gewählt hat, denn dieser Tag hängt wie kein anderer mit beiden, mit Nationalsozialismus und Kommunismus, eng zusammen. Und gerade sie sind der Grund, weshalb man in Deutschland aber auch sonst bis zum jüngsten Tag das Thema „Zivilreligion“ in der Mottenkiste lassen sollte.

Dabei haben wir allen Grund, die Einheit zu feiern. Wir können dankbar und beschämt über Gottes Gnade an unserem Land sein. Der Tag der Deutschen Einheit ist der richtige Zeitpunkt, um überall Dankgottesdienste zu feiern. Es ist ein schlechter Zeitpunkt, um die Deutschen mit Würstchenbuden und moderner Volksmusik an eine neue Selbstverliebtheit zu gewöhnen.

Wunderheiler Charles Ndifon in der Südsterngemeinde Berlin

Hier noch mal aus gegebenen Anlass zur Dokumentation ein älteres Posting von mir, was ich im Mail 2004 im Anschluß an ein Wunderheiler-Event in der Südsterngemeinde in Berlin niedergeschrieben habe …

Liebe Geschwister,
am Freitag abend (28.05.04) fand um 20:00 in der Südsternkirche in Berlin die Auftaktverantstaltung der Pfingstkonferenz „Passion“ statt.
Dort trat nach einem anfangs akkkustisch vollkommen übersteuerten Auftakt gegen Ende der Verantstaltung ein bekannter Evangelist und Heiler namens Charles Ndifon auf, der im Laufe des Abends begann kranke Menschen zu heilen. Da ich selber Christ und Arzt bin und selbstverständlich an die Gabe der Heilung glaube, habe ich mich natürlich ganz besonders dafür interessiert und bin unvoreingenommen nach vorne zur Bühne gegangen, um mir die Heilungen aus der Nähe anzusehen.

Ich muss sagen, ich bin enttäuscht.

Ich habe drei Fälle ganz besonders genau beobachtet und werde zwei weitere Fälle von „Heilungen“ mir bekannter Personen weiter beobachten. Bei den drei Fällen handelte es sich um eine Oberarmfraktur, ein Fall von extremen Rückenschmerzen und einen Fall von Blindheit. In allen drei Fällen hab ich es so empfunden, als sei alles eine grosse Manipulation (der Patienten und des Publikums) gewesen.

Die Frau mit dem Rückenschmerzen …
… wurde von Charles Ndifon dazu gebracht, sehr sehr schnell auf der Stelle zu laufen und sich im Wechsel zu bücken und wieder aufzurichten. Die Frau tat dies unter schmerzverzerrtem Gesicht … unter „Halleluja“-Rufen des Wunderheilers wurde das jedoch schon als Erfolg verbucht und begeistert begann das Publikum zu applaudieren. Dass die Kranke dann immer noch ganz leise erklärte, dass sie noch Schmerzen habe ging unter dem lauten Gejohle über die Heilung unter … ich glaube man einigte sich darauf, dass es schon etwas besser geworden sei … Abgang unter Jubel ….

Die blinde Frau …
… erklärte nach einigen Prozeduren des Wunderheilers vollkommen ergriffen, dass sie mittlerweile schon hell und dunkel unterscheiden könne. Ich habe mich anschliessend so ca. 10 Minuten mit dieser Frau unterhalten. Sie ist Mitglied der Berliner Südsternkirche und sie erzählte mir, dass Jesus sie aus einer tiefen Depression herausgeholt habe … Ich glaube Ihr .. das war keine Depressive mit der ich geredet habe gestern. Aber immer wieder meinte sie, meine Hand vor ihren Augen zu bemerken …. Dem war jedoch nicht so, sie irrte sich, ich hielt meine hand während des ganzen Gesprächs unten … Die Frau wurde am Ende der Veranstaltung von einer Begleiterin aus der Südsternkirche herausgeführt. Sie war so blind wie zuvor.

Die Frau mit dem Oberarmbruch
… bekam von Charles Ndifon als erstes ihren Glichrist-Verband abgenommen. Unter dem riesigen Beifall des Publikums brachte der Wunderheiler die Patientien dazu unter schmerzverzerrtem Gesicht Pendelbewegungen mit diesem Arm durchzuführen … die natürlich bei einem solchen Bruch noch möglich sind. Sie wurde unter riesigem Beifall als geheilt von der Bühne entlassen. Ich bin anschliessend zu Ihr gegangen und habe sie gefragt ob sie das Gefühl habe dass der Bruch geheilt sei. Sie verneinte das und ihr einziges Bedürfnis war es, Ihren Gilchrist-Verband wiederzubekommen, den man ihr abgenommen habe, da sie mittlerweile sehr grosse Schmerzen hatte. Ich ging zu einem der Südsternleiter und arrangierte es, dass sie im Anschluss an den Ndifon-Heilungsdienst diesen Verband wiederbekommen könne.

Fälle, die ich beobachten werde …
eine mir bekannte Frau und das Kleinkind einer Bekannten, beide seit Geburt taub sind angeblich geheilt worden. Ich möchte mir noch kein endgültiges Urteil erlauben, bin aber äusserst skeptisch …

Überhaupt die Tauben …
Meistens waren sie nur auf einem Ohr taub. Im Prinzip testete Ndifon den Heilungserfolg immer folgendermassen: Er liess die Patienten das gesunde Ohr zuhalten und schnippte direkt neben dem kranken Ohr mit den Fingern, wenn sie das Finger-Schnippen hören konnten ging er zwei bis drei Schritte zurück und schnippte wieder bzw. zählte auf englisch oder sagte Amen … meist konnten die Patienten dies immer noch hören. Allerdings müssten, nach meiner Einschätzung die Geräusche immer gleich laut sein, denn auf der ganzen Bühne waren dutzende Mikrophone eingeschaltet, die egal wo der Wunderheiler stand, immer dieselbe Lautstärke über die Verstärkleranlagen herausgab.

OK. Soviel hierzu … Im übrigen hätte ich erwartet, dass Ndifon „im Namen Jesus Christus“ über den Patienten Heilung aussprechen würde. Dies habe ich jedoch während der ganzen Veranstaltung nur ein einziges Mal aus seinem Mund vernommen.

Zusammengefasst kann ich sagen, dass in alle Heilungsfällen, die ich persönlich nachverfolgt habe aus medizinischer Sicht keine Heilung stattgefunden hat. ausserdem muss ich sagen, dass die ganze Heilungsveranstaltung sehr suggestiv gestaltet war, für die Patienten genauso wie für das Publikum. Ich habe einen der Südstern-Leiter gebeten, dass er Gemeindemitglieder mit der Gabe der Geistunterscheidung zusammenrufen solle, um die Veranstaltung zu prüfen und diese gegebenenfalls bitte abbrechen lassen möge. Aber er meinte nur sichtlich nervös, dass er pesönlich schon viele Ndifon-Heilungen mitbekommen habe … offensichtlich war er vollkommen von diesem Mann überzeugt.

Bitte nicht missverstehen … Es geht mir nicht darum, komplette medizinische Heilungen von Christen, die diese Gabe vom Heiligen Geist empfangen haben anzuzweifeln. Im Gegenteil! Ich gehöre zu einer kleinen Gruppe von Ärzten, die glauben dass dies möglich ist, da die Bibel uns an vielen Stellen davon berichtet.

Aber … Es gibt gerade in charismatisch-pfingstlerischen Kreisen [zu denen ich mich mittlerweile übrigens auch zugehörig fühle] eine extrem starkes Bedürfnis solche Wunder „live“ zu erleben.

Meine Empfehlung, bei solchen Veranstaltungen: Ein starkes Team von Geschwistern mit der Gabe der Geistunterscheidung zusammenzustellen, die auch die Autorität haben, solche Veranstaltungen einfach abzubrechen, wenn sie bemerken, dass da Suggestion läuft und die Sache einfach nicht von Gott kommt. Ausserdem, warum nicht einfach ein Team von erfahrenen (christlichen) Ärzten einladen, die die Ergebenisse gleich medizinisch überprüfen.

The Call bzw. Holy Revolution/Passion sind absolut unterstützenswerte Initiativen, ich möchte nicht, dass ein gegenteiliger Eindruck entsteht. Um so wichtiger ist es meiner Meinung nach, dass peinlich genau darauf geachtet wird, dass bei diesen Veranstaltungen alles geprüft wird. Diesen Eindruck hatte ich gestern nicht. Ich bin jedoch selbst nur ein Mensch und damit fehlbar. Ich habe nur einen kleinen Ausschnitt beobachtet. Dort gab es jedenfals keine Heilung. Nur hierüber kann ich berichten …

 

Alternativer Nobelpreis für Abtreibungsärztin

Nobelpreise sind die höchste Zier jeder wissenschaftlichen Laufbahn. Daneben wird seit 1980 noch der sog. „alternative Nobelpreis“ vergeben, der vor allem Leistungen honorieren soll, die nicht wissenschaftlich bahnbrechend sind. Die naheliegende Erklärung, es handle sich vielleicht um die Auszeichnung besonders aufopferungsvoller Arbeiten ist ebenso wenig richtig. Man muss hier eher von einem politischen Preis sprechen, denn ausgezeichnet wird der Einsatz für alles, was Politikern im linken Spektrum wichtig ist.
In diesem Jahr wurde u.a. die Kölner Frauenärztin Monika Hauser ausgezeichnet. Ich zitiere die Begründung auf tagesschau.de:

„Sie werde wegen ihres Einsatzes für vergewaltigte Frauen in Kriegs- und Krisengebieten geehrt, erklärte die Right-Livelihood-Stiftung in Stockholm. Hauser setzte sich mit ihrer Organisation „medica mondiale“ unermüdlich dafür ein, dass Opfer von „schrecklicher sexueller Gewalt“ Hilfe, soziale Anerkennung und Entschädigung erhielten.“

Die Autoren von tagesschau.de berichten ohne kritische Zwischentöne. Allerdings auch ohne, die ganze Wahrheit zu benennen. Denn worin die „Hilfe“ besteht, kann man an dieser Stelle bestenfalls erahnen, denn die scheint doch ein wesentlicher Teil der Leistung von Frau Hauser zu sein, wenn man nicht davon ausgeht, dass sie selbst die Frauen entschädigt. Und als Frauenärztin besteht ihre honorierte Leistung auch nicht in der Traumabehandlung. Tatsächlich wird Frau Hauser geehrt, weil sie Frauen und Mädchen zur Abtreibung ermutigt und die Abtreibungen vermutlich auch selbst durchführt. Etwas deutlicher – aber immer noch wie am Rande – wird das in einem Artikel in der „emma“ beschrieben.
Leider hätte sie den Nobelpreis selbstverständlich nicht bekommen, wenn sie dafür gesorgt hätte, dass die Kinder von vergewaltigten Frauen auf deren Wunsch in anderen Familien vermittelt werden und auf diese Weise am Leben bleiben könnten. Sie hätte ihn auch nicht erhalten, wenn sie ein Heim für Kinder vergewaltigter Frauen errichtet hätte. Dieser Preis unterstützt keine Leistung, die Menschen hilft, sondern ist ein Koma-Kissen für das Gewissen.
Frau Hauser verweist natürlich auf die „dramatischen Folgen“ einer „erzwungenen Geburt“, nur leider sind die dramatischen Folgen einer Abtreibung bei den Frauen (Post-Abortion-Syndrom) ebenfalls dramatisch, wobei das größte Drama, nämlich das getötete Kind noch gar nicht berücksichtigt ist!
Der Laudatio wird das keinen Abbruch tun, denn bei einem alternativen Nobelpreis hat niemand den Anspruch auf wissenschaftliche Korrektheit oder gar Transparenz und kann daher ganz ungehemmt seine politischen Ansichten feiern.

„Sie wissen, dass die solches tun, nach Gottes Recht den Tod verdienen; aber sie tun es nicht allein, sondern haben auch Gefallen an denen, die es tun.“ (Röm 1,32)