Islamstudie Teil 3: theologische Schwächen

Die „fundamentale“ Orientierung und die „Abwertung anderer Gruppen“ steht bei den Autoren der Islam-Studie im Verdacht, eine Vorform der Radikalisierung zu sein. Um die Schwäche dieses Gedankens aufzuzeigen, möchte ich die entsprechenden Fragen einmal für Atheisten umformulieren:

1. Wer die Regeln des Korans
nicht wörtlich befolgt ist kein
echter Moslem.

1a (für atheistisch) Wer sich einer anderen Größe als der Vernunft unterordnet, ist kein Atheist.

2. Ich finde es wichtig, dass die
Lehre des Islam an die
Bedingungen der modernen Welt
angepasst wird.

2a Wenn ich in einer religiösen Gesellschaft lebte, wäre es mir wichtig, meine atheistischen Prinzipien an die dortigen Bedingungen anzupassen (recodiert).

3. Menschen, die den Islam
modernisieren, zerstören die
wahre Lehre.

3a Menschen, die ihre atheistischen Grundsätze an ihr religiöses Umfeld anpassen, zerstören den Atheismus.

4. Ich glaube, dass jeder gute
Moslem dazu verpflichtet ist,
Ungläubige zum Islam zu
bekehren.

4a Ich glaube, dass jeder Atheist die Pflicht hat, sein religiöses Umfeld aufzuklären.

5. Es sollte verboten sein,
Moslems dazu zu bringen, ihre
Religion zu wechseln

5a Jede Form von religiöse Mission sollte verboten sein

6. Nichtmuslime sind von Allah
verflucht

6a Theisten stehen dem Wahnsinn näher als der Vernunft

Und die Fragen zur Aufwertung der eigenen und zur Abwertung anderer Gruppen:

Der Islam ist die einzig wahre
Religion.

a: Der Atheismus ist die einzig wahre Weltanschauung.

Nur der Islam ist in der Lage, die
Probleme unserer Zeit zu lösen.

a: Nur der Atheismus ist in der Lage, die Probleme unserer Zeit zu lösen.

Auf lange Sicht wird sich der Islam in
der ganzen Welt durchsetzen.

a: Auf lange Sicht….

in Deutschland kann man deutlich
sehen, dass die christlichen Religio-
nen nicht in der Lage sind, die Moral
zu sichern.

a: die Geschichte zeigt, dass Religion unmoralisch ist

etc….

Die vielleicht etwas langatmige Gegenüberstellung zeigt, wie naiv und unfair die Fragen teilweise sind.
Und zweitens sind sie keineswegs ein Indikator für Gewaltbereitschaft, sonst müsste man aus dem Wahrheitsanspruch der Atheisten ebenfalls ein Bedrohungsszenario entwickeln (vgl. den Beitrag „Ist Monotheismus gefährlich?“). Tatsächlich entsteht die Gefahr durch den Atheismus aber durch die fehlende Gottesfurcht und die völlige Enthemmung der Mächtigen wie in der Zeit nach der franz.Rev, im Dritten Reich und im Sozialismus aber nicht, solange sie keine Macht haben und die staatliche Aufsicht die göttliche in ihrer Einbildung für sie ersetzt.

Wenn vom Islam eine Gefahr ausgeht, dann wird man sie nicht über diesem Weg ermitteln. Hier zeigt sich eindeutig der Mangel an theologischer Bildung, die bei diesem Thema dringend nötig gewesen wäre.

Bis zu einem gewissen Grad hätte es aber auch ein gesunder Menschenverstand getan: nur weil ich als Christ in Deutschland benachteiligt werde und mir bestimmte Berufe verwehrt sind, bin ich doch noch lange nicht der Meinung, gegen diese Gesellschaft kämpfen zu müssen oder meinen Glauben mit Gewalt verteidigen zu müssen. Nur weil Christen in aller Welt verfolgt werden, wachsen in mir doch keine gewaltaffinen Tendenzen. Und nur weil jemand seinen christlichen Glauben ernster nimmt, wächst doch nicht seine Ablehnung anderer, sondern seine Feindesliebe!

Die von der Studie suggerierten Zusammenhänge sind also keineswegs selbsterklärend sondern müssen durch die Eigenarten des Islam erklärt werden. Hätte man das getan, hätte man vielleicht gemerkt, dass es unter Muslimen eine erstaunlich große Unsicherheit bezüglich des eigenen Heils gibt.
Z.B. stimmen dem Satz „Wenn ich als rechtsschaffender
Muslim gelebt habe, komme ich ins Paradies.“ nur 50,5 % völlig zu. 19,8% stimmen gar nicht und 11,7% „eher nicht“ zu. Erst vor diesem Hintergrund kann man die Bedeutung der Verheißung verstehen, die der Koran offenbar den Muslimen gibt, die im bewaffneten Kampf für den Glauben sterben. Aber selbst dieser Punkt ist keine hinreichende Erklärung für die hohe Gewaltbereitschaft, die weltweit von Muslimen ausgeht.
Ein anderer wichtiger Punkt, auf den die Studie überhaupt nicht eingeht, ist die Konzeption der Sünde (vgl. auch hierzu den Beitrag „Ist Monotheismus gefährlich?“), die wiederum erst zu der hohen Betroffenheit und dem deutlichen Ärger über die weltweite Benachteiligung von Muslimen führt, der auch bei Muslimen in Deutschland spürbar ist – und von den Autoren der Studie immer wieder bemerkt wurde – , die selbst keine Diskriminierungserfahrungen machen.

Aufgrund dieser Mängel kann die Islam-Studie über das Gefährdungspotential des Islam fast nichts sagen, außer immer wieder in Randbemerkungen auf die Schwächen der gegebenen Erklärungen hinzuweisen.

Islamstudie Teil 2: Das Märchen von der religionsneutralen Bildung

Es scheint eine negative Abhängigkeit zwischen dem Grad der Integration und der Religiosität zu geben, also je höher die Bildung, desto weniger Bedeutung wird dem Islam beigemessen. Da gleichzeitig auch die Demokratiedistanz und Gewaltbereitschaft zurückgeht, ist eine beliebte Deutung der Studie, dass man für mehr soziale Teilhabe und eine höhere Bildung der Muslime sorgen müsse, um sich vor gewaltsamen Übergriffen zu schützen.
Aber man muss ehrlicherweise dazu sagen, dass der Islam selbst dann Schaden leidet und keineswegs nur bestimmte politsche Ansichten. Und dass dies offenbar nichts mit der Frage der Bildung aber sehr viel mit weltanschaulichem Unterricht zu tun hat, belegt der Vergleich mit Muslimen, die zwar eine Schulbildung haben, aber eine Koranschule besuchten.

Man kann also kurz sagen: wer eine westliche Schule besucht, übernimmt tendenziell westliche Werte, wer eine Koranschule besucht, nimmt den Islam ernster.
Die Studie ist daher ein dringender Apell an den Staat, mehr religiöse Schulen und Universitäten zuzulassen und die Aufsicht über den Bildungsstand der Schüler stärker auf die passive Kontrolle von Leistungsstandards zu beschränken. Denn die Studie ist auch das Ende vom Märchen des religionsneutralen Unterrichtes an deutschen Schulen.

Islamstudie Teil 1: Die Fehler der Studie

Etwas schmunzeln musste ich schon, als ich die Ergebnisse der Studie „Muslime in Deutschland“ in den Medien erfuhr. Jetzt hat man uns jahrelang regelrecht eingetrichtert, dass wahre Religion niemals Gewalt kenne und der Islam selbstverständlich nicht stärker die Gewalt fördert als andere Religionen, und da sei man sich ganz sicher und überhaupt zeigten die terroristischen Anschläge ja nur, dass wir den Islam mehr fördern müssten – aber zur Sicherheit fragt man doch lieber noch mal nach.

Dabei wurden so viele Fehler gemacht, dass ich die Reaktion auf mehrere Teile verteilen möchte. Der gravierendste Fehler dürfte darin bestehen, dass die Befragten über den Zweck der Studie im Bilde waren. Die Befragung wurde am Telefon durchgeführt, wo viele das Gespräch ohne Angabe von Gründen abgebrochen haben. Nachdem die Anzahl der angerufenen Personen sich aus verschiedenen Gründen (unter denen sich schon 57 Totalverweigerer befanden, deren Religionszugehörigkeit nicht ermittelt werden konnte) von 3355 auf 1516 Personen reduzierte, gab es unter den muslimischen Befragten eine hohe Quote an Interviewverweigerern:

„Von den somit verbleibenden 1.516 Fällen kam es in n=855 Fällen dazu, dass eine muslimische Zielperson zwar erreicht wurde, die weitere Interviewbeteiligung aber verweigerte. Von den damit verbleibenden n=661 Fällen kam es in
n=107 Fällen während des Interviews zu einem Interviewabbruch, so dass aus der EMA-
Stichprobe n=554 vollständige Interviews resultierten.
Nimmt man als Maßstab die N=1516 Befragten, bei welchen eine islamische Religionszugehörigkeit positiv festgestellt werden konnte, so haben n=661 Probanden ein Interview über die Kurzbefragung hinaus mindestens begonnen. Dies entspricht einer Rücklaufquote von 43,6%. Ein vollständiges Telefoninterview liegt hingegen nur von 36,5% der
erkannten Muslime vor.“

Als Erklärung für die geringe Bereitschaft zur Interviewteilnahme schreiben sie:
„Worauf das zurückzuführen ist, kann letztlich nicht abschließend beurteilt werden. Vermutlich ist jedoch der
Umstand, dass Muslime im Zeitraum der Studie in der Öffentlichkeit und den Medien immer
wieder in Verbindung mit Gewalt, Terror und Parallelgesellschaft thematisiert wurden, hier
nicht ganz ohne Wirkung geblieben. Diese Schwierigkeiten zeichneten sich schon im Pretest ab
und bestätigten sich in der laufenden Feldphase. Um die gewünschte Zielzahl von ca. 1.000
Muslimen zu erreichen war eine Ergänzung der EMA-Stichprobe erforderlich.“

Wenn dieser Zusammenhang den Befragten klar war, kann man die ganze Studie vergessen, denn die Antworten im Rahmen dieser Studie sind dann ein Teil des Ringens um Anerkennung des Islams in Deutschland und damit ein religiöser Akt. Wenn man von den ganz menschlichen Motiven absieht, den Islam hier möglichst harmlos erscheinen zu lassen, bleibt die ethische Frage, ob die muslimische Ethik Lüge zum Schutz des Islam gestattet – was sie m.W. tatsächlich tut.
Es ist zwar richtig, dass man über die Motive der Interviewverweigerer nichts „abschließendes“ sagen könne, aber menschlich drängt sich doch der Verdacht auf, dass nicht die Muslime, die seit langem darauf brennen, den Islam als genuin nicht-gewalttätig in der Öffentlichkeit zu präsentieren die Gelegenheit zu so eine Interview verstreichen lassen, sondern eher diejenigen, die durch ihre Haltung die Stimmung nicht weiter gegen den Islam aufheizen wollen.

Es ist gerade so, als würde man Kaninchen mit der Hand fangen und aus den gefangenen Exemplaren Aussagen über die Durchschnittsgeschwindigkeit von Kaninchen machen, wobei man über die entlaufenen hinsichtlich ihrer Geschwindigkeit nicht „abschließend urteilen“ könne.
Dieser Fehler ist so gravierend, dass sie von den qualifizierten Betreibern unmöglich übersehen worden sein kann. Es fällt mir schwer, darin etwas anderes als Propaganda zu sehen.

Dass es unter den Befragten dann doch noch eine solide Gruppe gab, die freimütig bekannte, mit gewaltsamen Mitteln der Verbreitung des Islam nachzuhelfen, ist vor diesem Hintergrund erstaunlich genug.

Ein zweiter großer Fehler liegt schon in der Fragestellung der Studie, die viel zu weit gefasst ist: Wenn man nicht einfach Zahlenmaterial sammeln sondern Ursachen für gewaltaffine Einstellungen erfassen möchte, dann kann man nicht gleichzeitig in einer Gruppe die Faktoren Religiosität, soz. Integration, Bildung, Gewaltbereitschaft etc. untersuchen.
Wenn man glaubt, dass Ausgrenzung Menschen gewalttätig macht, dann muss man quer durch die Gesellschaft Ausgegrenzte Personen (religionsübergreifend) befragen und einen Zusammenhang nachweisen. Wenn man vermutet, dass mangelnde Bildung eine Ursache ist, dann verfäht man analog. Wenn man aber wissen möchte, ob der Islam eben doch Gewalt fördert, dann muss man in signifikant ähnlichen Gruppen die Gewaltbereitschaft untersuchen, also z.B. ob in christlichen Aussiedlergemeinden, die ähnliche Diskriminierungserfahrungen machen, ähnlich ungebildet sind und ähnlich schlecht integriert auch eine ähnlich hohe Zahl von radikalen Positionen vertreten wird.

So hat man zwar viele Zahlen gesammelt, aber gleichzeitig eine Menge Interpretations- und Projektionsspielraum offen gelassen, was den Verdacht fördert, dass es sich hier um ein politisches Instrument zur Meinungsbildung handelt, und die Spielräume wurden in den Medien dann ja auch erwartungsgemäß genutzt.

Natur und Geist

Die Sehnsucht nach der Natur ist paradox: entweder wir sind bereits mit allen unseren Sehnsüchten ein Teil der Natur, dann fehlt der Sehnsucht der Sinn. Oder unsere Sehnsüchte sind kein Teil der Natur, dann wäre aber die Natur schuld an unserem Schlamassel, der die Sehnsucht erst wachsen lässt.
Ein Einwand könnte lauten: die Entfremdung von der Natur habe der Mensch oder insbesondere die Religion bewirkt und sei genuin nicht-natürlich.
Aber dieser Einwand übersieht, dass Gedanken oder Ideen zwar menschlichen Ursprungs sein können, aber diese sind nur möglich, weil die Natur des Menschen sie möglich macht. Der Mensch hat sein Reflexionsvermögen nicht erfunden. Und dieses Vermögen entfremdet ihn von den anderen Geschöpfen und erhebt ihn, nicht irgendwelche Ideen! Man kann sogar sagen, sobal der Mensch überhaupt die Unterscheidung zwischen Kultur und Natur vornimmt, ja sobald er überhaupt den Begriff „Natur“ denkt, hat er sich schon der Natur entfremdet. Er nimmt sie für die Dauer eines Wortes wie ein Fremdkörper in die Hand und betrachtet sie von außen. Und diese Fähigkeit ist auf keine Religion oder Kultur beschränkt. Ich sage bewusst „Fähigkeit“, denn ich halte es für wahrscheinlich, dass es Völker gibt, in denen die Unterscheidung zwischen Natur und Kultur unbekannt ist. Aber die Fähigkeit zur Begriffsbildung und zu der nötigen Reflexion besitzen sie dennoch, und in jedem Begriff von Dingen steckt der Wille zu objektivieren und die Umwelt zu beherrschen. Die Bildung von Begriffen ist daher der eigentliche Sündenfall der Naturmystik.

Man kann aber auch anders an das Thema herangehen und fragen: Wie konnte die Evolution einen Geist hervorbringen, der zu solchen Leistungen in der Lage ist? Weist die Natur nicht selbst über sich hinaus?
Denn mit der Evolution kann man die Fähigkeiten des Menschen nicht erklären. Sie bieten zwar einen Überlebensvorteil, aber der Vorteil fällt etwas aus dem Rahmen: Eine biologische Eigenschaft wird vererbt, wenn sie ihrem Träger die Eroberung einer ökologischen Nische erlaubt. Aber der Mensch hat gerade die Fähigkeit, sich in jede beliebige Nische hinein zu erfinden und eben nicht von bestimmten Lebensräumen abhängig zu sein. Der Mensch hat jeden Lebensraum von der Tiefsee bis zum Mond erobert. Diese Fähigkeit ist so überragend, dass man allein mit den Mechanismen der Evolution nicht erklären kann, weshalb nicht alle Lebewesen, oder doch zumindest einige, diese Super-Fähigkeiten entwickelt haben. Wie konnte es passieren, dass der Mensch zum Herren über die ganze Schöpfung wird, ohne dass es irgendwo auch nur den Hauch einer Konkurrenz gibt? Selbst unsere „nächsten Verwandten“, also die sog. „Menschenaffen“, überleben derzeit nur durch unser Mitleid.

Die Evolution ist keine gute Erklärung für die besondere Stellung des Menschen. Der Mensch bleibt mit seiner Vernunft allein und wird seine Fremdheit in der Natur nicht los. Und je mehr er sich mit seiner Stellung in der Natur beschäftigt, desto mehr bestätigt er seine Sonderstellung als denkendes Wesen.
Das klingt gut, aber es ist keine Hilfe, wenn man sich eben doch nach der Natur sehnt. Aber es hilft zu zeigen, dass die Natur zwar eine Sehnsuch in uns wecken aber nicht stillen kann, weil der Unterschied zwischen uns und der übrigen Schöpfung so grundlegend ist, dass er weder von Menschen verursacht nocht von Menschen behoben werden kann. Denn selbst wenn man sich mal ganz harmonisch eins mit allem möglichen fühlt, wird dieser Zustand doch irgendwann öde und verfliegt, weil man sich mit interessanterem beschäftigen kann.

Für unseren Geist, unsere Vernunft oder unser Reflexionsvermögen benötigen wir eine Erklärung, die über die Natur hinausgeht, und die uns doch gerade im Umgang mit der Natur bewusst wird.

Der Islam und die Dreieinigkeit

Bekanntlich findet der Koran scharfe Worte gegen die Lehre von der Dreieinigkeit:

„Ungläubig sind wahrlich, die da sprechen: „Allah ist der Dritte von Dreien“; es gibt keinen Gott als den Einigen Gott. Und wenn sie nicht abstehen von dem, was sie sagen, wahrlich, so wird die unter ihnen, die (weiter) dem Unglauben huldigen, eine schmerzliche Strafe ereilen.“ (Sure 5,74)

Hinzu kommt, dass selbst unter Christen vielen diese Lehre eine Last zu sein scheint, die eher widerwillig als begeistert bekannt wird und recht wenig mit dem Glauben zu tun zu haben scheint. Es ist also höchste Zeit für eine kleine Reputation der Lehre von der Dreieinigkeit:

Zunächst muss man allerdings den Kritiker kritisieren, denn Mohammed hatte offenbar nur ein oberflächliches Verständnis vom Christentum und sich im Hinblick auf die Dreieinigkeit mindestens in zwei Punkten geirrt:
Erstens redet er immer von drei Göttern und löst das Paradoxon dieser Lehre billig in seinem Sinne auf. Nein, es handelt sich um EINEN Gott und drei Personen, die alle Gott sind, ohne dass der Verehrung des einen Gottes etwas genommen würde. Man kann dies unlogisch finden und darauf verweisen, dass Gott sich unserer Logik bedienen müsste, man kann es für unbiblisch erklären, aber man kann es nicht einfach ignorieren.
Zweitens ist Maria keine Person der Dreieinigkeit.

„Und wenn Allah sprechen wird: „O Jesus, Sohn der Maria, hast du zu den Menschen gesprochen: „Nehmet mich und meine Mutter als zwei Götter neben Allah“?, dann wird er antworten: „Heilig bist du. Nie konnte ich das sagen, wozu ich kein Recht hätte.“ (Sure 5,116)

Darauf angesprochen versuchen Muslime bis heute Christen zu erklären, dass Maria ja irgendwie doch zur Dreieinigkeit gehöre, weil sie so verehrt werde. Aber ganz im Ernst: Maria hat noch nie, zu keiner Zeit, in keiner Sekte zur Dreieinigkeit gehört. Die drei Personen, die als Gott verehrt werden waren immer der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Daneben hat sich leider ein Marienkult und eine bunte Heiligenverehrung entwickelt, die in der Tat kritikwürdig sind, aber eindeutig nichts mit der Lehre von der Dreieinigkeit zu tun haben – und strenggenommen unterscheiden auch Katholiken, zwischen der Verehrung Gottes und der Verehrung Marias und der Heiligen, die sie in ihrem Verständnis nicht anbeten.
Hätte Mohammed sich die Mühe gemacht, sich mit christlicher Theologie und Frömmigkeit zu beschäftigen, dann hätte er sowohl die Dreieinigkeit als auch den Marienkult als auch die Heiligenverehrung anprangern können. Aber seine tatsächliche Version lässt sich nicht anders als durch Unkenntnis erklären.

Im folgenden habe ich einen Auszug aus dem Artikel „Dreieinheit“ aus biblipedia kopiert:
„“Dreieinheit“, „Trinität“ oder „Dreieinigkeit“ ist eine theologische Gottesbezeichnung. Mit dem Begriff der D versucht man den schwer zu begreifenden Umstand zu benennen, dass es einen Gott gibt aber drei Personen Gott sind: nämlich Gott der Vater, Gott der Sohn und Gott der Heilige Geist. Der biblische Beweis der D wir also durch den Nachweis erbracht, dass jede der genannten Personen in der Bibel wirklich als Person und als Gott betrachtet wird und dass es nur einen einzigen Gott gibt.
Zum Nachweis der Gottheit einer Person zeigt man, dass sie entweder einer Verehrung gewürdigt wurde und werden durfte, die nur Gott zusteht und dass sie göttliche Attribute besitzt. Zum Nachweis des Personseins verweist man beispielsweise auf ihr Reden oder Empfinden.
Ferner geht es um die Frage, wie die drei Personen sich zueinander verhalten („ontologische“ Trinität) und welche Bedeutung sie für uns haben („ökonomische“ Trinität).

Kaum eine Lehre im Christentum hat soviel Widerspruch erfahren wie die Lehre von der D, zuallererst innerhalb der Kirche bis heute aber auch von Nichtchristen, die es als Beleg für das widersprüchliche Gottesbild der Bibel sehen. Aber auch für viele Christen, die sich mit der Lehre von der D arrangiert haben, ist sie oft ein unbeliebtes Thema, über das wenig gepredigt und noch viel weniger gesprochen wird.
Das Erstaunliche daran ist aber, dass sie im persönlichen Glaubensleben der Christen eine ganz natürliche und große Bedeutung spielt, die aber nicht bemerkt wird: Für jeden Christen ist es ganz natürlich, Gott im Himmel zu glauben und seine Erwartungen eben darauf zu richten. Der Friede mit Gott beruht gerade auf dem Wissen, dass der Mensch Jesus gleichzeitig Gottes Sohn ist und so für uns ins Mittel treten konnte. Wir müssen unseren Blick also nicht als Sünder direkt auf Gott richten, sondern können in Jesus einen Menschen wie wir verehren, weil er eben Gott ist. Und Christen leben in dem Bewusstsein, dass Gott nicht nur im Himmel ist, sondern auch bei ihnen und in ihrem Herzen wirkt und sie tröstet und ihnen hilft, bis zum Ende durchzuhalten, und eben diese Aufgabe erledigt der Heilige Geist. Und ein wahrer Trost ist es nur, weil der Heilige Geist selbst Gott ist und eben nicht nur eine Kraft oder eine irdische Person, sondern voll und ganz Gott, der bei uns ist.

Die Lehre von der D ist also ein integraler Bestandteil des christlichen Glaubens, und sie wird nur kompliziert, wenn man versucht, sie zu entschlüsseln. Sie ist so wichtig, dass man sie sogar dort in Karikaturen wiederfindet, wo sie eigentlich gar nicht gelehrt wird. Denn die Lücke, welche die D hinterlässt, wird immer gefüllt. Als Beispiel möchte ich hier nur auf den Islam eingehen, weil das Judentum als zweite Monotheistische Religion sich ganz offen zu dem Gottesknecht bekennt und ihn noch erwartet: Im Islam rückt der „Prophet“ Mohammed in eine Ehrenstellung, die einem Menschen schlichtweg nicht zusteht. Als Mohammed das Ärgernis einer der menschlichen Vernunft nicht zugänglichen D aus der Welt schaffen wollte, brachte er seine Anhänger in die Lage, direkt und ohne vorherige Sühne vor Gott zu treten. Und seine Anhänger beweisen bis heute, dass ihnen diese Stellung nicht möglich ist, denn sie nahmen die Person des Propheten in ihr Bekenntnis hinein (z.B. in das Glaubensbekenntnis des berühmten Theologen al-Ghazali)! Vor diesem Hintergrund mutet es wie eine unfreiwillige Ironie an, dass das kürzeste Glaubensbekenntnis des Islam einerseits die Einheit und Einzigkeit Allahs bezeugt und dann gleich den Mohammed als Propheten bekennt: „Ich bezeuge, dass es keinen Gott außer Gott gibt, und Muhammad ist sein Prophet.“ [man muss sich nur mal vorstellen, Christen würden in ihrem Bekenntnis immer wieder bezeugen „Elia ist sein Prophet“ o.ä. Tatsächlich erscheint im christlichen Glaubensbekenntnis an der zweiten Stelle das Bekenntnis zu Gottes Sohn, der aber nicht zu unrecht geehrt wird, weil er eben nicht nur Mensch sondern auch Gott ist., Anm. MW]
An die Stelle des Heiligen Geistes sind die fünf Säulen des Islam getreten. Sie dienen alle dazu, durch feste Zeiten, Handlungen und Worte, wenigstens für einen kurzen Moment oder die Dauer einer Pilgerreise sich der Zugehörigkeit zum Heiligen zu versichern. Eine ähnliche Funktion kann man im Benutzen des Gebets-Teppichs sehen, der ein aus der Umwelt herausgelöster heiliger Ort darstellt, der den Menschen die fehlende Nähe Gottes ersetzt.“

Daher hier noch mal die Kurzversion der Lehre von der Dreieinigkeit in den Worten Jesu:

„Aber es kommt die Zeit und ist schon jetzt, in der die wahren Anbeter den Vater anbeten werden im Geist und in der Wahrheit; denn auch der Vater will solche Anbeter haben.
Gott ist Geist, und die ihn anbeten, die müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten.
Spricht die Frau zu ihm: Ich weiß, dass der Messias kommt, der da Christus heißt. Wenn dieser kommt, wird er uns alles verkündigen.
Jesus spricht zu ihr: Ich bins, der mit dir redet.“
(Joh 4,23-25)

Deutsche Klimaheuchelei

Was ist los? Deutsche Politiker bremsen die Klimaschutzpläne der EU? Der durchschnittliche Ausstoß soll von jetzt 160mg CO2 auf 120mg gesenkt werden. Der Bundesumweltminister und viele andere Politiker sehen darin eine einseitige Benachteiligung der deutschen Automobilindustrie unter dem „Deckmantel“ des Klimaschutzes. Allerdings kann ich nicht erkennen, wie eine konsequente Spritreduktion ohne die vermuteten Wirtschaftsinteressen aussehen sollte. Aber tatsächlich wird in Deutschland der große Teil des Umsatzes in der Branche mit sog. „Premiumfahrzeugen“ verdient, und die verbrauchen auch einen großen Teil des Erdöls. Wie soll man aber eine Branche zum Sparen zwingen, die mit Spritfressern ihr Geld verdient? Das Vorgehen der EU kann man nun wirklich nicht als „Deckmantel“ bezeichnen. Und die Alternativvorschläge aus Deutschland gehen daher auch direkt zu Lasten der Sparziele.

Nebenbei bemerkt ärgert mich an dieser Debatte auch die stillschweigend beibehaltene Ungleichheit der Menschen, auch im Umweltschutz. Denn es scheint kaum jemanden zu stören, dass es hierzulande manche für unzumutbar halten, auf kleinere Autos umzusteigen, während dies von anderen verlangt wird. Denn aus welchem anderen Grund begrenzt man immer den durchschnittlichen Verbrauch und will Sonderregelungen (gestafelte Einteilung nach Gewicht!) für große und schwere Fahrzeuge einführen? Wieso belohnt man denn das Übergewicht der Premiumfahrzeuge und staffelt nicht nach Zuladung oder Anzahl der Sitzplätze?

Fairerweise muss man dazu sagen, dass die Grünen diese politische Empörung verurteilen und Merkel als „Helfer der Spritfresser-Industrie“ bezeichnen (O-Ton der Fraktionschefin der Grünen, Renate Künast, in der „FR“). Nur schade, dass die Grünen immer nur gegen andere scharfe Worte finden. Während ihrer Regierungszeit haben sie jedenfalls keine Bedenken an ihren absurd schweren und schluckfreudigen Dienstwagen verlauten lassen.

Nun glaube ich persönlich nicht, dass der Klimawandel von Menschen verursacht ist, und ich glaube erst recht nicht, dass die geplante Reduktion des CO2-Austoßes bei dem ohnehin geringen Anteil des menschlichen CO2s klimatisch eine Relevanz hat, aber ich halte eine Reduktion für sinnvoll, weil man Ressourcen nicht verschwendet und die Abgase trotz moderner Filtertechnik nach wie vor gesundheits- und umweltschädlich sind.

An dieser Stelle kann Deutschland zeigen, wie ernst es ihm mit dem Umweltschutz wirklich ist. Bislang hat es ihn empört in Amerika vermisst, und gerade dort hat Bush jetzt ein Gesetz unterzeichnet, dass den Verbrauch durchschnittlich um 40% senken soll (also mehr als der geplante Vorstoß der EU), was auf einen Wert von 6,4 Litern hinausläuft – wie ein Journalist mit kraftlosem Zynismus berichtet…

Freiheit und Liebe

Die Bedeutung, welche der individuellen Freiheit im öffentlichen Leben beigemessen wird, kann kaum überschätzt werden. Viele politische und gesellschaftliche Streitthemen kann man nur verstehen, wenn man die dahinter liegende Sorge um die individuelle Freiheit sieht: Menschen wollen nicht mehr an Rollenerwartungen gebunden sein und lehnen aus diesem Grund teilweise sogar die Unterteilung in „Männer“ und „Frauen“ ganz ab. Eltern wollen sich nicht mehr an die Erziehung ihrer Kinder binden, sondern ihren eigenen Weg gehen und die Kinder fremdbetreuen lassen. Kinder wollen ihre Eltern im Alter nicht mehr versorgen sondern richten eine Pflegeversicherung ein. Die Ehe wird als archaisch atavistisches Nostalgie-Wunder betrachtet, weil Kontakte zwischen Menschen frei und ohne äußere Bindungen zustande kommen sollen. Das Ideal ist offenbar: jeder tut, was er will und lebt neben den anderen, ohne sie zu nerven.

Wer dieses Ideal teilt, strebt allerdings eine Gesellschaft ohne Liebe an, denn Liebe kennt keine Freiheit. Wer liebt, verleugnet sich selbst und sieht auf das, was dem Anderen nützt. Und wer sich Liebe wünscht, sehnt sich nach einem Opfer des Anderen. Und solange Menschen sich nach Liebe sehnen, wird es keine Ruhe in liberalen Staaten geben, selbst dann nicht, wenn ihr Konzept der Freiheit formal von allen geteilt wird! Der Wunsch nach Liebe wird niemals durch Selbstverwirklichung ersetzt werden können.

Ich meine damit gar nicht in erster Linie die natürliche Liebe zwischen Mann und Frau, Eltern und Kindern. Diese Formen der Liebe sind in uns angelegt und eine gute Basis, die selbstlose Liebe zu lernen. Aber grundsätzlich gibt es diese Formen der Zuneigung auch unter Tieren. Dadurch wird sie nicht abgewertet, aber wo außer dieser tierischen, oder natürlichen, Liebe nichts zu finden ist, vermisst man etwas. Wenn man den Eindruck hat, eine Mutter „bemuttert“ ihre Kinder, ohne auf deren Bedürfnisse zu achten, dann wird dieser Unterschied augenfällig.
Die Liebe, von der die Bibel spricht (der berühmteste Text steht in 1.Kor 13), ist eine, die steil von oben kommt, ohne einen biologischen Nutzen. Diese Liebe entspricht nicht unserer Natur und sie kann daher nicht durch menschliche Vernunft entdeckt werden, vor allem nicht durch Ethikunterricht, denn dort soll man ja gerade lernen, was man gut findet und nicht lernen, etwas gut zu finden, was ja nun ein großer Unterschied ist. Und da kein Mensch von sich aus liebt, ist jeder Ethikunterricht verflucht, das hellwache Sehnen nach Liebe zu überrennen.

Wenn das Fernsehteam anklopft…

In der letzten Zeit kamen immer häufiger Propaganda-Dokumentationen und -Filme über Christen im Fernsehen, und dazu benötigen sie natürlich Material. Es wird in Zukunft daher häufiger vorkommen, dass Medien gezielt in Freikirchen filmen, wenn es dort beispielsweise zu politischen Veranstaltungen kommen sollte – was derzeit eher selten der Fall ist.

Aus der direkten und indirekten Erfahrung mit Journalisten möchte ich hier ein paar Hinweise geben, damit nicht alle Christen im Umgang mit Medien die gleichen Fehler wiederholen:

1. Überlegt euch, wenn eine Anfrage von Journalisten kommt, ob ihr wirklich ins Fernsehen wollt. In Deutschland hat jeder ein Recht an seinem Bild und kann davon auch wirkungsvoll Gebrauch machen. Lasst euch nicht überrennen.

2. Jede Aufnahme und jede Aussage wird im Fernsehen durch gezielte Schnitte und Kommentare gegen euch verwandt. Ihr liefert nur Material. Ob es genutzt wird, hängt allein davon ab, ob die Sender es gegen Christen verwenden können – so einfach ist das. Für die Eitelkeit, ins Fernsehen zu kommen, gibt es hier wahrlich keinen Grund…

3. Wenn ihr euch dennoch entscheidet, euch filmen zu lassen, achtet darauf, dass die Kamera euch nicht von unten oder oben sondern auf Augenhöhe filmt. Am besten wäre es, sich ein Vetorecht schriftlich geben zu lassen, doch das käme einer Aufnahmeverweigerung gleich, weil sich kein Sender auf so eine Klausel einlassen wird.

4. Seid besonders vorsichtig, wenn euer Interviewpartner auf eurer Seite zu stehen scheint. Es handelt sich um ein beliebtes Mittel, jemanden aus der Reserve zu locken und zu Sprüchen zu verleiten, für die man hinterher schamrot anläuft. Das habe ich von jemandem gehört, der sich für ungeborene Kinder einsetzt, wo Unsensibilität zur sofortigen Disqualifikation führt.

5. Denkt daran, dass die Journalisten etwas von euch wollen und nicht ihr von den Journalisten. Lasst nicht zu, dass eure Arbeit durch Filmaufnahmen gestört oder sogar behindert wird! Ihr seid keine Angestellten von ihnen, ihr habt nichts (Gutes) von ihnen zu erwarten und keinen Grund, scheu oder duckmäuserisch zu sein.

6. Im Fernsehen gehört es heute selbstverständlich dazu, dass man sich auf junge hübsche Frauen stürzt. In der Praxis werdet ihr entweder aufgefordert, die „hübschen Mädels“ auszusortieren oder die Journalisten nehmen die Einteilung gleich selbst vor. Dass dieses Vorgehen kalt, brutal und geschmacklos ist und viel Verletzungen hinterlässt, brauche ich kaum zu erwähnen. Überlegt euch vorher, wie ihr mit solchen Aufforderungen umgehen wollt und opfert nicht den legitimen Wunsch nach Respekt, um einem Konflikt aus dem Weg zu gehen.

7. Bereitet euch auf die Aufnahmen vor, betet um Weisheit, sprecht mit allen Beteiligten in aller Ruhe darüber und bevor ihr euch überrumpeln lasst solltet ihr lieber einmal zu viel die Anfrage abblocken. Möglicherweise unter dem direkten Hinweis auf volksverhetzendes Material gegen Christen, das vom gleichen Sender ausgestrahlt wurde.

8. Wir sind zwar verpflichtet, jederzeit zu unserem Zeugnis zu stehen (wonach wir von den Medien im Regelfall allerdings nicht gefragt werden), aber wir sind nicht verpflichtet, uns bei religiösen Handlungen filmen zu lassen. Letztlich muss das jeder selbst entscheiden, aber ich empfehle dringend, keine Kameraaufnahmen während Gebets- und Gesangszeiten zu gestatten. Für den Außenstehenden, der im wirklichen Gottesdienst teilnimmt, gibt es die Möglichkeit, mitzubeten oder zu singen oder hinterher zu fragen und zu diskutieren. Im Fernsehen bestehen keine dieser sinnvollen Möglichkeiten. Der Betrachter hat keine andere Chance, als befremdet zu werden.

9. Überlegt auch, was das Fernsehteam filmen darf und was nicht. In den Räumen einer Gemeinde haben Medien grundsätzlich kein Recht, alles zu filmen. Sie können es aber als gegeben voraussetzen, wo ihnen Zutritt gestattet und nichts verboten wird. Wenn ihr also nicht möchtet, dass die Einladung zum Männerkreis gefilmt wird, weil das als frauenfeindlich hingestellt werden könnte, dann nehmt die Einladung vorher entweder ab, oder beschränkt das Filmrecht ausdrücklich. Geht eure Räume mit den Augen eines Nicht-Christen durch.

10. Betet für eure Feinde, tut wohl denen, die euch hassen und segnet, die euch verfluchen. Christus selbst ist für uns gestorben, als wir noch seine Feinde waren.

Friedensnobelpreis für Bush? Eine herrliche Provokation zum Nachdenken …

Liebe Geschwister,
in der Anlage findet Ihr ein brilliantes … natürlich nur rein rhetorisches 😉 Plädoyer von dem Historiker Michael Wolffsohn für die Verleihung des Friedensnobelpreises an den Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika … George W. Bush!
Was für eine herrliche Provokation! Die aufgescheuchten Reaktionen aus der Bush-Bashing-Front könnt Ihr hier nachlesen.
Mit freundlichen Grüßen
wanderprediger

Keiner wird George Bush den Friedensnobelpreis verleihen (wollen). Dennoch hat er sich um die atomare Abrüstung mehr als andere verdient gemacht. Die Fakten: Libyen und nun auch (wirklich?) der Iran haben nach 2003 auf die nukleare Aufrüstung verzichtet. Auch Nordkorea. Mit dessen Steinzeit-Kommunisten hatte sein Vorgänger Clinton 1994 ein Wischiwaschi-Abkommen geschlossen. Erst jetzt wird der bedrohliche Reaktor kontrolliert abgebaut und nuklear abgerüstet. Von den meisten Nachrichtendiensten dieser Welt unbemerkt, hatte Syrien mithilfe Nordkoreas begonnen, atomar zu rüsten. Anfang September dieses Jahres hat Israel – mit Billigung der USA – die entstehende Anlage zerstört. Das (vorläufige?) Ende der nuklearen Weitergabe („Proliferation“) erklären Chronologie und Militärgeografie.Seit 2003, dem Sieg über Saddam, stehen US-Truppen in unmittelbarer geografischer Nähe des Iran, Libyens und Syriens. Ihre und die von ihnen ausgelösten regionalen (und globalen) Probleme sind ebenso bekannt wie unbestreitbar. Doch ihre Präsenz war zugleich ein klares Signal an die nahöstlichen Möchtegern-Atommächte: „Notfalls können wir innerhalb von Nahost gegen Nahost-Nuklearmächte militärisch leichter operieren als außerhalb.“Die militärische Abschreckung war glaubhaft und friedenspolitisch wirksam. Libyen hat verstanden. Und der Iran? Müssen wir bezüglich des Iran so „sicher“ sein wie vor 2003, als neben der CIA alle großen Nachrichtendienste (auch der BND) mit der Existenz von Saddams Massenvernichtungswaffen rechneten? Israels von Bush bewilligter Luftangriff gegen Syrien war atompolitisch folgenschwer und friedenspolitisch segensreich, denn Damaskus ist mehr denn je verhandlungsbereit. Syrien zündelt derzeit im Libanon weniger als zuvor, und es nahm kürzlich an der Friedenskonferenz von Annapolis teil. Assad möchte mit den USA politisch sowie wirtschaftlich ins Geschäft kommen. Das bringt mehr als die Freundschaft mit dem (traditionell eher antiarabischen) Iran.Die Sprache militärischer Abschreckung zur Verhinderung von noch mehr Kriegen hat auch Nordkorea verstanden. Vor dessen Tür stehen US-Truppen seit Jahrzehnten. Dass sie möglicherweise eingesetzt werden könnten, musste das atomar aufrüstende und deshalb Hunger leidende Land mehr als früher befürchten. Auch Nachbar Japan leitete, von Bush angeregt, militärischen Aktivismus ein.Selbst Bush-Kritiker können diese Fakten nicht ignorieren.
Friedensnobelpreis für Bush? Eine herrliche Provokation zum Nachdenken …

Der Iran und die nicht gestellte Frage

Der Bericht der 16 amerikanischen Geheimdienste (ich hatte keine Ahnung, dass es dort so viele gibt) kommt in Europa gut an. Er überführt Bush vermutlich nicht nur der Lüge, sondern darüber hinaus einer fahrlässige Rethorik, die sich der mächtigste Mann der Welt kaum erlauben kann. Bush selbst will von den neuen Erkenntnissen seiner Geheimdienste nichts gewusst haben, aber „Sicherheitsexperten“ bezweifeln dass, allerdings ohne klar zu sagen, weshalb Bush sich dann einer so überflüssigen Schelte aussetzen sollte. Immerhin muss doch mit dem Auftauchen der Informationen auch klar gewesen sein, dass sie einmal der Öffentlichkeit vorgestellt werden sollen. Solange man nichts Sicheres weiß, sind beide Szenarien denkbar: entweder Bush hat versucht, die Fakten zu seinen (ebenfalls vermuteten heimlichen) Zwecken zu unterdrücken, oder die Geheimdienste haben ihn ins offene Messer laufen lassen – was auch der Alptraum jedes deutschen Ministers ist…

Zweifel bestehen allerdings auch an der Glaubwürdigkeit des Berichtes selbst: wie stark ist das Dossier selbst politisch motiviert? Die Wochenzeitung „DIE ZEIT“ bewertet es ganz offen als eine Steilvorlage für die europäische Politik.

http://blog.zeit.de/bittner-blog/2007/12/06/nach-dem-iran-dossier-jetzt-ist-europa-am-zug_5

Auch in anderen Medien wird das Dossier politisch gedeutet, wobei der Hauptnutzen allerdings in der Emanzipation gegenüber der Bush-Regierung gesehen wird. Die „deutsche Welle“ schreibt:

„Nicht zuletzt der Öffentlichkeit müssen die Behörden ihre Unabhängigkeit von der immer mehr im Abseits agierenden Bush-Regierung demonstrieren, so Leyendecker.“ ( http://www.dw-world.de/dw/article/0,2144,2993773,00.html )

Und jedem scheint klar zu sein, dass das Thema „Atomprogramm des Iran“ noch nicht zu Ende ist. Denn eine wirkliche Entwarnung ist das Dossier keineswegs:

»Wir schätzen mit mittlerer Gewißheit ein, daß das früheste Datum, zu dem Iran technisch in der Lage sein könnte, genug hochangereichertes Uran für eine Waffe zu produzieren, Ende 2009 sein könnte, aber daß dies unwahrscheinlich ist. Wir meinen mit mittlerer Gewißheit, daß Iran irgendwann zwischen 2010 und 2015 technisch in der Lage sein könnte, genug hochangereichertes Uran für eine Waffe herzustellen. (…) Alle Dienste erkennen die Möglichkeit an, daß diese Fähigkeit vielleicht nicht vor 2015 erreicht werden könnte. (Die veröffentlichte Fassung des NIE geht nicht auf die Frage ein, bis wann Iran in der Lage sein könnte, wirklich Atomwaffen zu produzieren, beispielsweise als Raketensprengkopf.)

»Wir haben nicht genug Erkenntnisse, um mit Gewißheit zu beurteilen, ob Teheran bereit ist, den Stopp seines Atomwaffenprogramms unbegrenzt aufrechtzuerhalten.« »Wir schätzen mit mittlerer Gewißheit ein, daß es schwierig sein wird, die iranische Führung dazu zu bringen, auf die mögliche Entwicklung von Atomwaffen zu verzichten.«

»Wir schätzen mit hoher Gewißheit ein, daß Iran die wissenschaftlichen, technischen und industriellen Fähigkeiten besitzt, um Atomwaffen zu produzieren, falls das Land sich dafür entscheidet.«

Quelle: http://www.jungewelt.de/2007/12-10/050.php

Eine wichtige Frage, die seit dem Irak-Krieg eigentlich überfällig ist, wird aber wieder kaum ernsthaft diskutiert:
Unter welchen Umständen würde Deutschland denn in den Krieg ziehen?
Denn man kann Bush leicht unterstellen, er lasse sich in seinen Plänen nicht von Fakten irritieren, aber ist das denn auf Seiten der Gegner denn so anders? Es glaubt ja wohl niemand ernsthaft, die Deutschen würden einen Krieg gegen den Iran aufmarschieren, wenn das Dossier ein Horrorszenario gezeichnet hätte. Mir geht es jetzt gar nicht in erster Linie um die Glaubwürdigkeit der CIA und noch nicht einmal um die realen Gefahren, die aus Teheran entstehen können, sondern um die grundsätzliche Klärung, wann ein Krieg „gerecht“ ist.

Sind grundsätzlich nur Kriege der Vereinten Nationen gerecht, oder sind sie es nie, oder nur im Verteidigungsfall oder auch schon im Bedrohungsfall? Diese Frage ist m.E. langfristig erheblich wichtiger als die Frage, was man unter einer „mittleren Gewissheit“ verstehen soll…